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Franck Ribery (l.) wechselte 2007 von Olympique Marseille zu den Bayern © imago

Münchens Staatsanwaltschaft prüft, ob auch sie aktiv wird. Bayern-Boss Rummenigge wittert ein politisch motiviertes Verfahren.

Von Martin Hoffmann

München - Lange Zeit sind die Oberen des FC Bayern betont zurückhaltend und gelassen mit der Sex-Affäre um ihren Mittelfeld-Star Franck Ribery umgegangen.

Zwei Tage nachdem die Pariser Justiz ein Ermittlungsverfahren wegen "Kontaktanbahnung zu einer minderjährigen Prostituierten" eingeleitet hat, ist es damit vorbei.

Was Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dazu sagt, kann auf vieles schließen lassen - aber nicht mehr auf Gelassenheit.

"Ich glaube, das ist eine politisch motivierte Geschichte wegen des schlechten Abschneidens der französischen Nationalmannschaft bei der WM. Ribery soll zum Sündenbock gemacht werden", schießt der Bayern-Boss via "Bild" in Richtung der Ermittler.

Und bekennt: "Wir machen uns große Sorgen über den Ausgang des Verfahrens." 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

"Vorprüfung" durch Münchener Staatsanwaltschaft

Ribery drohen im schlimmsten Fall drei Jahre Haft und 45.000 Euro Geldstrafe - und jetzt womöglich auch ein weiteres Verfahren in Deutschland.

Weil einer der Kontakte zur Prostituierten Zahia D. in München stattgefunden hat, hat die Staatsanwaltschaft München eine Vorprüfung gestartet, ob sie selbst ein Verfahren einleiten wird.

"Wir schauen uns derzeit den Vorgang an, ob ein Ermittlungsverfahren einzuleiten ist", bestätigte Sprecherin Barbara Stockinger.

Sexualkontakt zu bezahlten minderjährigen Prostituierten ist auch in Deutschland strafbar.

Konsequenzen drohen

Dass die Situation den als sensibel geltenden Fußballkünstler belastet, liegt nahe. Sie stören die von einer Leisten-OP nach der WM ohnehin schon beeinträchtigte Saisonvorbereitung.

Weitere Reisen zu Justizterminen in der Heimat würden den Rhythmus weiter stören.

Aber Ribery, der am Sonntag ins Bayern-Training einsteigen soll, drohen auch konkrete Konsequenzen in der französischen Nationalelf.

Nationalelf-Ausschluss gefordert

"Ich sehe nicht, wie ein Spieler, gegen den ein Anklageverfahren eingeleitet wurde, für das Team Frankreichs nominiert werden kann", findet Fernand Duchaussoy, der sich um das Chefamt im französischen Fußball-Verband bewirbt.

Auch Frankreichs umtriebige Sportministerin Roselyne Bachelot hat öffentlich erklärt, dass ein Spieler, gegen den die Justiz ermittelt, nicht für die "Bleus" auflaufen sollte ? was auf Ribery und den ebenfalls von Rotlicht-Untersuchungen betroffenen Karim Benzema zielt.

Die Ministerin scheint mit dem Volk auf Linie zu liegen: In einer Internetabstimmung auf einem Sportportal forderten 90 Prozent der User, Ribery und Benzema nicht mehr zu berufen.

Verbreiteter Verdacht

Aber gerade weil sich Bachelot und auch Staatschef Nicolas Sarkozy seit dem WM-Debakel intensiv in die Belange der Nationalelf eingeschaltet haben, steht Rummenigge mit seinem Verdacht politischer Einflussnahme nicht allein da.

"Vielleicht ist der ermittelnde Untersuchungsrichter ein enttäuschter Fan?", fragt sich auch Ribery-Anwältin Sophie Bottai in der "Süddeutschen Zeitung".

Und auch diverse Medien in Deutschland und Frankreich spekulieren über einen Zusammenhang zwischen Katastrophen-WM und Verfahrenseröffnung sowie politischen Druck auf die Ermittler.

Dehar entlastet Ribery

Derartige Vermutungen sprießen auch deshalb, weil die bekannte Faktenlage Ribery eigentlich zu entlasten scheint.

Dass Ribery dachte, dass Zahia schon 18 war, als er im April 2009 Sex mit ihr hatte, haben beide in den Befragungen noch einmal versichert.

Warum Untersuchungsrichter Andre Dando, der als integer und sorgfältig gilt, dennoch sein Okay für eine Verfahrenseinleitung gegeben hat, gibt daher Rätsel auf.

Rätsel um neue Erkenntnisse

Die Sportzeitung "L'Equipe" glaubt, einen Teil der Lösung zu wissen.

Sie zitiert einen anonymen Justizvertreter, der von neuen Erkenntnissen berichtet, ohne die es nicht zu der Verfahrenseröffnung gekommen wäre.

Wie diese lauten, ist nicht bekannt, andere Medien spekulieren aber, dass möglicherweise die Organisation von Zahias Lust-Trip Ribery in die Bredouille bringt.

Wer buchte den Flug?

Zahia ist mit dem Flieger zu Ribery in ein Münchener Hotel gereist. Bei der Buchung muss das Alter des Passagiers angegeben und schließlich per Ausweis bestätigt werden.

Laut Riberys Anwältin hat ein Freund Riberys den Trip organisiert und finanziert.

"Sie hat anschließend das im Voraus bezahlte Ticket abgeholt und erst in dem Moment der Fluglinie ihren Personalausweis gezeigt", so Bottai: "Selbst der Freund von Ribery kannte das Alter des Mädchens nicht."

Der Freund Riberys ist Kamel R., der mit Zahia reiste und laut der Boulevard-Zeitung "France Soir" mit einer anderen Frau auch in der Liebesnacht dabei war. Gegen ihn wird seit April wegen des Verdachts der Zuhälterei ermittelt.

Zahia soll laut einem öffentlich lancierten Vernehmungsprotokoll ausgesagt haben, sie wisse nicht, wer das Ticket bezahlt habe.

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