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Hermann Gerland beobachtet das Trainingsgeschehen von einem Golfwagen aus © getty

Gerland ist als glänzender Nachwuchsförderer bekannt. Bei der WM standen sechs Akteure aus seiner Schule im deutschen Kader.

Aus dem Trainingslager des FC Bayernberichtet Daniel Rathjen

Riva del Garda - Es läuft nicht rund. Zumindest sieht es auf den ersten Blick so aus.

Der Unterschenkel von Hermann Gerland steckt noch immer in einer dicken Plastikschiene.

Im Urlaub beim Fußballtennis hatte sich der 56-Jährige die Achillessehne gerissen.

Aber auch wenn er derzeit im Trainingslager des FC Bayern am Gardasee nur humpelt: Der "Tiger" ist stets zu Höchstleistungen bereit 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele).

Nach einem Jahr bei den Profis gibt er mit vollem Engagement sein Comeback als Chefcoach bei den "kleinen" Bayern.

Gerland ist stolz

Der Trainer geht in der Nachwuchsförderung auf. "Es macht mir Spaß, Spieler auszubilden", sagt er am Donnerstag im "Hotel du Lac et du Parc" in Riva del Garda.

Mit Stolz verfolgte er die WM in Südafrika, bei der mit Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller, Holger Badstuber und Piotr Trochowski gleich sechs "seiner" Schüler im deutschen Kader standen.

Allgemein genießt Gerland Kultstatus. Seine Spieler lachen über seine zahlreichen lockeren Sprüche ("Das war ein Ball für die Großmutter!") und haben gleichzeitig Respekt vor dessen Fachwissen.

Amateure mit gleicher Philosophie

Als Rückschritt empfindet er die "neue" Aufgabe keineswegs. "Wieso? Ich bin doch weiter bei den Profis", stellt er klar. Und schließlich habe sich "der van Gaal" bei der ganzen Sache auch etwas gedacht, fügt er an.

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Die Verzahnung mit dem Team des Niederländers ist tatsächlich eng. Die Amateure spielen das gleiche System wie die Profis. Im Falle des Falles soll sofort einer der Jungspunde aushelfen können.

"Es kommt darauf an, jedem unsere Philosophie zu verinnerlichen - ich habe sie schon drin", weiß Gerland.

"Zwei bis drei haben das Zeug dazu"

Bei der Prognose, wer aus seinem aktuellen Kader die besten Chancen hat, nach dem märchenhaften Start von Thomas Müller oder Holger Badstuber aufzusteigen, tut er sich bewusst schwer.

"Zwei bis drei haben sicher das Zeug dazu. Aber zwischen einem guten Bundesligaspieler und einem Spieler von Bayern München gibt es auch noch einen großen Unterschied", erklärt er.

Momentan komme es für seine Jungs darauf an, zu lernen. Im Trainingslager sei die Möglichkeit, sich einen Eindruck von hochprofessioneller Arbeit zu verschaffen, in jedem Fall wertvoll.

"Die merken schon, dass da Anweisungen schon mal etwas lauter gemacht werden", sagt er und schmunzelt.

Gerland setzt auf Bodenständigkeit

Er legt großen Wert darauf, dass seine Spieler bodenständig bleiben und erdet sie regelmäßig.

Der neue Reserve-Kapitän Maximilian Haas, der beim Pressetalk neben Gerland Platz nehmen musste, bekam das hautnah zu spüren.

"Er ist in dieser Saison vielleicht mal eine Alternative, wenn sich drei Innenverteidiger das Bein brechen", knurrt Gerland.

Weitsicht und Lernbereitschaft

Der Trainer selbst zeichnet sich weiterhin durch Weitsicht und Lernbereitschaft aus. Stur ist der geborene Bochumer nicht.

"Ich habe von meiner Zeit bei den Profis sogar enorm profitiert", blickt er zurück. Von Jupp Heynckes und van Gaal habe er einiges mitnehmen können. (DATENCENTER: Der Spielplan)

"Dabei habe ich gemerkt, dass man noch besessener, noch akribischer sein kann als ich", erzählt er trocken.

Früher sei er in eine Partie gegangen, indem er seiner Mannschaft sagte, sie solle sich nur auf sich konzentrieren und ihr Spiel durchziehen. "Aber es kann auch gut sein, wenn man den Gegner schon kennt", weiß er nun.

Großer Traum

Seine Aufgabe beim deutschen Rekordmeister ist noch lange nicht beendet.

"Mein Wunsch ist es, dass man irgendwann sagt: Die Nachwuchsabteilung von Bayern München ist die beste in ganz Europa", hat er einmal gesagt.

Humpelnder Weise ist der "Tiger" auf dem besten Weg dahin.

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