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SPORT1-Redakteur Daniel Rathjen (l.) mit Bayern-Spieler Andreas Ottl © getty

Andreas Ottl kämpft um seine Perspektiven beim FC Bayern. Im SPORT1-Interview spricht er über seine Situation, Nürnberg und Vernunft.

Aus dem Trainingslager des FC Bayernberichtet Daniel Rathjen

Riva del Garda - Lässig schwingt er sich in den Sessel in der Lobby des "Hotel du Lac et du Parc".

Seit 1995 ist er ein "Roter".

Andreas Ottl durchlief die Schule des FC Bayern. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

"Der Verein gibt mir unheimlich viel", sagt der 25-Jährige im Gespräch mit SPORT1 im Trainingslager am Gardasee.

Doch in diesem Jahr muss der Blondschopf seinen geliebten Verein womöglich verlassen.

Denn die Plätze im Mittelfeld sind rar, die Konkurrenten stark. Schon im Winter lieh ihn der Rekordmeister an den 1. FC Nürnberg aus.

An einen erneuten Wechsel verschwendet Ottl derzeit noch keinen Gedanken.

"Ich will dem Trainer zeigen, dass er auf mich setzen kann. Letztlich zählt die Leistung", sagt er kämpferisch.

Abseits des Platzes gilt der gebürtige Münchner als bodenständig. Aus seiner Zeit als Profi versucht er, zu lernen.

Im großen SPORT1-Interview spricht der 25-Jährige über seine Situation, die Zeit als Fastabsteiger und Vernunft.

SPORT1: Herr Ottl, Sie sind wieder in der sportlichen Heimat. Hat sich etwas verändert?

Andreas Ottl: Nein, nicht so viel. Die Abläufe sind noch gleich. Ich war aber auch nur gut vier Monate weg.

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SPORT1: Sie identifizieren sich zu 100 Prozent mit dem Verein. Ist das in der heutigen Welt des Profifußballs etwas Besonderes?

Ottl: Ich denke schon. Aber bei Bayern gibt es noch einige mehr: Philipp Lahm, Basti Schweinsteiger oder Thomas Müller und Holger Badstuber. Wir alle sind bei Bayern großgeworden. Das spricht für die Ausbildung und für die Spieler, die Vereinstreue zeigen.

SPORT1: Was haben Sie aus der Zeit in Nürnberg mitgenommen?

Ottl: Für mich war es eine enorme Herausforderung, gegen den Abstieg zu spielen. Zu Beginn der Rückrunde war die Stimmung im Keller, der Druck war enorm hoch. Wir bekamen hautnah zu spüren, dass im Falle eines Abstiegs die ganze Region darunter leidet.

SPORT1: Wie sind Sie damit umgegangen?

Ottl: Ich habe daraus Kraft geschöpft, wie das gesamte Team. Es ist dann eine Mannschaft zusammengewachsen und ich habe dazu beigetragen, dass es ein positives Ende genommen hat. Es war ein sehr schönes Erfolgserlebnis.

SPORT1: Bleiben wollten Sie aber nicht...

Ottl: Nein, mit dem Klassenerhalt war das Kapitel Nürnberg für mich geschlossen.

SPORT1: Ihr Vertrag in München läuft bis 2011. Denken Sie momentan an einen Vereinswechsel?

Ottl: Nein. Ich zeige was ich kann und versuche den Trainer von meinen Stärken zu überzeugen. Danach werde ich weitersehen.

SPORT1: Bei Bayern haben Sie wenig Perspektiven...

Ottl: Für mich ist die Rolle des Herausforderers nichts Neues. Ich kenne das und kann ruhig und gelassen damit umgehen.

SPORT1: Viele Spieler haben einen exakten Karriereplan vor Augen. Wie sieht Ihrer aus?

Ottl: Ich dachte Fußball ist Tagesgeschäft... Jeder will spielen, ich auch - am liebsten beim FC Bayern. Über langfristige Ziele mache ich mir keine Gedanken.

SPORT1: Haben Sie mal daran gedacht, wo Sie gelandet wären, wenn Sie nicht Profi geworden wären?

Ottl: Früher, als der Hermann Gerland einen mal wieder zusammengefaltet hatte, habe ich mich schon gefragt, ob das alles so richtig ist, was ich mache. Aber dann hatte ich das Glück, dass ich in ihm auch einen großen Förderer hatte. Auch Felix Magath habe ich viel zu verdanken. Bei ihm habe ich den Durchbruch bei den Profis geschafft.

SPORT1: Was denken Sie als Vernunftsmensch, wenn Sie von dem Wirbel um Franck Ribery hören?

Ottl: Wir bekommen das natürlich mit. Es ist aber für uns nicht wirklich ein Thema. In der Vergangenheit hat er seine privaten Probleme nicht mit in den Fußballalltag übertragen.

SPORT1: Und wenn es so wäre? (DATENCENTER: Der Spielplan)

Ottl: Dann wäre das Thema sicherlich größer.

SPORT1: Kann zuviel Geld den Charakter verderben?

Ottl: Das kann passieren. Mit Geld richtig umzugehen ist ein Lernprozess. Erfolgreiche Fußballspieler können schon in jungen Jahren viel Geld verdienen und da besteht natürlich eine gewisse Gefahr, zu viel und für die falschen Dinge Geld auszugeben. Am besten ist es, wenn sich das Gehalt Schritt für Schritt erhöht.

SPORT1: Sehen Sie Schwierigkeiten bei Müller oder Badstuber?

Ottl: Nein, bei unseren ganz Jungen mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Sie haben den Hype um sich gut verkraftet und sind bodenständig. Das spricht für Sie.

SPORT1: Achten die Verantwortlichen besonders auf die Charakterfestigkeit?

Ottl: Talent ist das Wichtigste, aber mehr und mehr setzen sich auch Spieler mit starkem Charakter durch. Und natürlich achten die Verantwortlichen darauf.

SPORT1: Was für Luxus gönnen Sie sich?

Ottl: Ich gönne mir ein, zweimal im Jahr einen schönen Urlaub und habe auch großen Gefallen daran, meine Wohnung einzurichten. In meinem Alter ist das sicher ein Privileg - das weiß ich auch zu schätzen.

SPORT1: Und sie sparen...

Ottl: Man muss darauf achten, dass man seine Schäfchen ins Trockene bringt. Die Zeit als Profifußballer ist schließlich begrenzt.

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