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Hoffenheim stieg zur Saison 2008/09 in die Bundesliga auf © imago

Die einstigen Himmelstürmer backen kleine Brötchen. Trainer Ralf Rangnick würde sich schon über einen einstelligen Tabellenplatz freuen.

Von Christian Stüwe

München - Der Weg wirkte wie vorgezeichnet:

Wie ein Sturm fegte 1899 Hoffenheim vor zwei Jahren als Aufsteiger durch die Bundesliga, sicherte sich mit furiosem Offensivfußball sensationell die Herbstmeisterschaft vor dem FC Bayern.

Die Platzhirsche des deutschen Fußballs schienen plötzlich einen neuen wie ebenbürtigen Gegner zu haben, die erste Meisterschaft für das von Mäzen Dietmar Hopp finanzierte Team, so glaubten viel, sei nur eine Frage der Zeit.

Doch es kam anders. Die Himmelstürmer aus dem Kraichgau brachen in der Rückrunde ein - Verletzungen, Eifersüchteleien und Fehleinkäufe bestimmten fortan an das Bild.

Glanzlose zweite Saison

Und: Die darauffolgende Spielzeit wurde glanzlos auf Rang elf beendet. (SERVICE: Sommerfahrpläne)

Nun steht Hoffenheim vor seiner dritten Bundesliga-Saison - und es werden kleine Brötchen gebacken.

"Wenn wir es schaffen, einen einstelligen Tabellenplatz zu erzielen, wäre das richtig gut", formulierte Ralf Rangnick im "Mannheimer Morgen" zurückhaltend die Saisonziele.

Rangnick: "Einstelliger Tabellenplatz richtig gut"

Der Trainer weiter: "Das würde bedeuten, dass wir uns im Vergleich zur letzten Saison verbessert hätten." Es ist unübersehbar: 1899 bekennt sich zum Mittelmaß.

Dass in weniger als zwei Jahrzehnten der Durchmarsch von der Kreisklasse in die Bundesliga gelungen war? Längst vergessen.

Denn das von Hopp angetriebene Fußball-Projekt scheint erstmals dauerhaft zu stagnieren.

Hopp skeptisch

"Im Moment schaue ich noch ein bisschen skeptisch in die neue Saison", sagte Hopp gegenüber "Radio Regenbogen". "Mit den Neuzugängen ist es noch etwas zäh, weil Angebot und Nachfrage weit auseinander liegen."

Mit Offensivkraft Peniel Mlapa von 1860 München, Rückkehrer Ramazan Özcan (Besiktas Istanbul) sowie Tom Starke (MSV Duisburg) als zweite Keeper-Verpflichtung stehen gerade mal drei eher namenlose Neue im Kader 2010/2011.

Kein Wunder, dass Rangnick, dessen Verbleib gegen Ende der letzten Saison zur Hängepartie wurde, weitere Verstärkungen fordert.

Neue Spieler gefordert

"Mindestens zwei, ich denke aber auch, dass drei Sinn machen. Es kommt weniger auf die Anzahl an, sondern mehr auf die Qualität", so der Coach.

Der 51-Jährige will der Mannschaft, der zuletzt der Ruf von Disziplinlosigkeit anhing, ein neues Gesicht verpassen.

Denn: Starke löste Timo Hildebrand zwischen den Pfosten ab. Maicosuel ging zurück nach Brasilien und Wellington schloss sich Fortuna Düsseldorf an, während Franco Zuculini nach Italien zum FC Genua ausgeliehen wurde.

Spieler aus der Ukraine im Visier?

Ins Visier genommen hat der Dorfklub deshalb wohl zwei Akteure des ukrainischen Vereins Metalist Kharkiv. 209112(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Marko Devic ist ein Offensiv-Allrounder, der Brasilianer Jaja Coelho ein Vollblut-Stürmer. Zusammen würden beide rund zehn Millionen Euro an Ablöse kosten.

Und: Weil Hopp laut "kicker"-Informationen Rangnick ein Transferdefizit von fünf Millionen Euro genehmigt, wären die beiden Spieler durchaus finanzierbar.

Gemeinsam mit Vedad Ibisevic, Sejad Salihovic und Co. könnten sie helfen, der Hoffenheimer Offensive wieder den Glanz der glorreichen ersten Bundesliga-Monate zu verleihen.

Ein wichtiger Faktor für die Offensive ist aber auch Spielmacher Carlos Eduardo. Zu Beginn der Woche kehrte er nach einer Operation am Trommelfell ins Training zurück.

Carlos Eduardo mit Übergewicht

Nun muss sich der Brasilianer besonders schinden, weil er offenbar ein paar Kilo Übergewicht mit ins Trainingslager ins österreichische Leogang gebracht hat.

Mit dem Fitnesstrainer schiebt Carlos Eduardo Sonderschichten. Bis er nach der Verletzungspause aber wieder auf dem Damm ist, dürfte es aber noch dauern.

"Bei seinem jetzigen Zustand ist es nicht sinnvoll, dass er mit der Mannschaft trainiert", so Rangnick in der "Bild". "Wir müssen ihn erst Schritt für Schritt wieder hinführen." (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

Himmelstürmer langfristig "graue Mäuse"

Trotzdem wird viel davon abhängen, ob die Hoffenheimer den sensiblen Kopf ihres Offensivspiels rechtzeitig zum Bundesligastart in Form bekommen.

Denn Hoffenheims Image steht auf der Kippe.

Diese Saison wird darüber entscheiden, ob 1899 ein spannendes Fußball-Projekt bleibt, oder ob sich der Sturm der der ersten Bundesliga-Monate als dauerhafte Flaute entpuppt.

In diesem Fall könnten die einstigen Himmelsstürmer langfristig zu "grauen Mäuse" werden.

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