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Patrick Helmes schoss bisher acht Tore für Bayer 04 Leverkusen © getty

Leverkusen und Köln geben sich vor dem Nachbarschaftsduell ruhig. Genug Sprengstoff gibt es trotzdem.

Von Thorsten Mesch

München ? Ob das Spiel zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln (ab 20 Uhr LIVE) ein echtes Derby ist, wurde im Vorfeld vor allem von einigen Anhängern des FC in Frage gestellt.

Ein "echtes" Derby sei vielmehr die Partie gegen Mönchengladbach, denn schließlich hätten sich beide Vereine in der Vergangenheit direkte Duelle um die Meisterschaft geliefert.

Typisch kölsch, könnte man sagen: Denn solche Vergleiche gibt es seit fast 30 Jahren nicht mehr. Zuletzt siegten die Kölner im Aufsteiger-Duell mit 2:1 bei der Borussia aus Mönchengladbach, die vor dem 9. Spieltag auf dem letzten Platz steht.

Daum tritt auf die Bremse

Doch der FC hat immerhin nach drei Siegen in Folge als Neunter Kontakt zu den Spitzenplätzen und liegt nur zwei Punkte hinter Bayer, das mit dem sechsten Sieg im neunten Spiel sogar die Tabellenführung übernehmen kann ? zumindest vorübergehend.

"Die spielen um die Champions League, wir um einen Mittelfeldplatz. Bayer ist nicht die Kategorie, mit der wir uns zu messen haben?, erklärt Kölns Trainer Christoph Daum, früher vor solchen Vergleichen durch markige Worte bekannt, ungewohnt zurückhaltend.

"Ich habe überhaupt keinen Grund, irgendetwas Negatives gegen Leverkusen zu sagen", ist Daum bemüht, Brisanz aus dem Spiel zu nehmen.

Jede Menge Zündstoff

Doch auch wenn der Derby-Charakter von einigen zumindest angezweifelt wird und das übliche Säbelrasseln ausgeblieben ist, bleibt die Partie ein Nachbarschaftsduell, das jede Menge Zündstoff birgt.

Hier der ehemalige Bayer-Coach Daum, der zum ersten Mal seit seiner Kokain-Affäre im Jahr 2000 zu einem Bundesligaspiel in Leverkusen antritt. Dort der ehemalige FC-Profi Bruno Labbadia, der in Leverkusen bisher einen starken Einstand als Bundesligatrainer hingelegt hat.

"Das kann kein normales Spiel sein", sagt Labbadia der die Partie im "Kölner Stadt-Anzeiger" sehr wohl als "ein richtiges Derby", bezeichnet.

"Diesmal kommt noch dazu, dass Christoph Daum ja in Leverkusen eine sehr, sehr gute Zeit hatte, dass Patrick Helmes bis zu dieser Saison noch in Köln gespielt hat. Und ich auch, auch wenn es lange her ist", meint Labbadia.

"Schnee von gestern"

Lange her ist auch der letzte Kölner Sieg gegen Bayer: Am 24. Mai 1997 zerstörte der FC am vorletzten Spieltag durch ein 4:0 (drei Tore durch Toni Polster) Bayers Meisterschaftsträume.

Leverkusener Trainer war damals Daum, der drei Jahre später mit Bayer erst am letzten Spieltag gegen die Bayern den Kürzeren zog und anschließend wegen seiner Kokain-Affäre den Trainerstuhl räumen musste.

"Das ist Schnee von gestern", sagt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, betont aber auch: "Vergessen ist gar nichts."

Seitenwechsel in der Bundesliga

Daum hat "sehr viele wundervolle Erinnerungen" an seine Leverkusener Zeit, verrät der dem "Stadt-Anzeiger". Doch nun sei er in Köln tätig "und setze meine ganze Erfahrung und mein ganzes Gefühl für den FC ein".

Genauso sieht es Patrick Helmes, der erst im Sommer die Seiten gewechselt hat. "Es war eine schöne Zeit in Köln, aber jetzt spiele ich bei Bayer", sagt der Nationalspieler, der Köln in die Bundesliga schoss und für Leverkusen schon acht Treffer im Oberhaus erzielt hat.

Wie die mindestens Kölner Fans, die Helmes den Wechsel zum Rivalen lange Zeit sehr übel nahmen, auf den Torjäger reagieren, wird interessant zu beobachten sein.

Leverkusen ohne einen Leistungsträger

Einen neuen Publikumsliebling hat die Anhängerschaft ohnehin schon gefunden: Verteidiger Pedro Geromel, der maßgeblichen Anteil daran hat, dass der Aufsteiger bisher erst neun Gegentore hinnehmen musste.

Daum weiß jedoch, dass "unsere Abwehrspieler momentan am Limit spielen" und warnt: "Wir können da nicht hinfahren und einfach eine reine Abwehrschlacht veranstalten." Vielmehr müsse seiner Mannschaft "selbst einiges einfallen, damit die Leverkusener nicht ins Rollen kommen."

Während Labbadia mit Tranquillo Barnetta auf einen wichtigen Leistungsträger verzichten muss, kann Daum wieder auf seinen zuletzt angeschlagenen Torjäger Milivoje Novakovic bauen. Der Slowene sorgte Anfang des Monats mit einem späten Freistoßtor für den Kölner Derby-Sieg in Mönchengladbach.

"Eine richtig geile Veranstaltung"

Ob Derby oder Nachbarschaftsduell: Die Heimbilanz spricht für Leverkusen, der letzte Kölner Sieg in der BayArena liegt zwölfeinhalb Jahre zurück.

Patrick Helmes, der im Falle seines neunten Saisontreffers auf Torjubel verzichten will, fürchtet die Pfiffe der FC-Fans nicht, sondern brennt auf die Partie: "Das wird eine richtig geile Veranstaltung."

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