vergrößernverkleinern
Unschöne Szenen: Kölner Anhänger zünden beim Testspiel Bengalos © imago

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit kommt es bei Kölner Testspielen zu Rudelbildungen. Auch ein Resultat des neugeforderten Teamgeistes?

Von Christian Stüwe

München - Der sportliche Wert von Testspielen in der Vorbereitung ist umstritten, die Ergebnisse meist wenig aussagekräftig.

Nach den letzten Probeläufen des 1. FC Köln kann in der Domstadt aber zumindest eines als sicher verbrieft gelten: Die notwendige Aggressivität ist bei der "Geißbock-Elf" vorhanden.

Innerhalb einer Woche flogen bei eigentlich belanglosen Testkicks gleich zweimal die Fäuste. Beim 0:0 gegen Saudi Al Hilal im Trainingslager kam es zu einer minutenlangen Rudelbildung. (SERVICE: Sommerfahrpläne)

Und auch am Montagabend bei der 1:2-Niederlage gegen Racing Lens gab es nach einer Spuckattacke gegen Kevin McKenna wieder Szenen zu sehen, die man sonst eher beim Eishockey vernmuten darf.

Overath und Horstmann beschwören Teamgeist

Vielleicht sind die Vorkommnisse auf dem Platz auch ein Ergebnis der neuen "FC-Leitkultur", die von den Verantwortlichen vor knapp zwei Wochen in einer Ansprache eingefordert wurden.

Präsident Wolfgang Overath und Geschäftsführer Claus Hortsmann hatten kürzlich sämtliche Vereinsmitarbeiter zusammengetrommelt und neuen "Teamgeist" beim FC beschworen.

Gegen die Saudis geriet zunächst Neu-Zugang Martin Lanig in die Bredouille, fast die ganze Mannschaft kam ihm bei dem Scharmützel mit seinem Gegenspieler zu Hilfe.

Mondragon eilt in Badeschlappen herbei

Faryd Mondragon, der zu diesem Zeitpunkt nicht im Tor stand, eilte gar in Badeschlappen zur Hilfe. Auch als McKenna bespuckt wurde, sprintete Mondragon zum "Tatort", um zu schlichten und seinen Mitspieler zu verteidigen.

Immerhin also: Der Zusammenhalt in der Mannschaft scheint zu stimmen. Allerdings hat der FC in diesem Bereich auch Nachholbedarf.

"Wir mussten etwas machen in dieser Richtung", räumt Trainer Zvonimir Soldo ein, dass die Mannschaft in der vergangen Saison nicht unbedingt als Einheit auftrat.

Vor allem Zehn-Millionen-Neuzugang Lukas Podolski wirkte oft wie ein Fremdkörper, ohne Bindung zum Rest der Mannschaft.

Novakovic gelobt Besserung

Der Eindruck, dass die Mannschaft ohne "Prinz Poldi" besser spielt, lässt sich bisher nie ganz entkräften. Die extreme Erwartungshaltung machte dem derzeit noch im WM-Urlaub weilenden 25-Jährigen deutlich zu schaffen.

Doch nun soll alles anders werden.

Podolski ließ bei der WM sein enormes Potenzial zumindest phasenweise aufblitzen, und auch Sturmpartner Milivoje Novakovic gelobt Besserung.

"Wir waren keine Mannschaft", sagt der in der vergangenen Saison ebenfalls enttäuschende Slowene dem "Express" und ergänzt: "Ich will wieder der alte Nova werden."

Keine namhaften Neuzugänge

Von den beiden Stürmer dürfte viel abhängen, denn wirklich namhafte Neuzugänge gibt es in Köln angesichts von 21 Millionen Euro Verbindlichkeiten vor dieser Saison nicht. 209112(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Zuletzt hatte der FC zweimal gegen den Abstieg gespielt - die Ansprüche sind aber trotzdem fast schon traditionell hoch.

"Wir wollen hoch und nicht mehr nur um Platz zwölf spielen", hatte Overath in einer Ansprache kürzlich einmal mehr formuliert.

Manager Michael Meier wiederum hatte gar davon gesprochen, Lokalrivale Bayer Leverkusen angreifen zu wollen. (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

Köln als Pulverfass

Aussagen, die nicht gerade geeignet sind, Druck von der Mannschaft zu nehmen - und der sich bei den aktuellen Geschehnissen nun womöglich entladen hat?

Auch wenn die Kölner Spieler bei beiden Testspiel-Tumulten eindeutig provoziert wurden, sind die Rudelbildungen vielleicht Indiz dafür, dass schon jetzt eine gewisse Anspannung auf der Mannschaft liegt.

Einmal mehr werden sich die "Geißböcke" an den eigenen hohen Ansprüchen und denen am Rhein messen lassen müssen.

FC-Ultras randalieren

Sollte das misslingen, dürfte sich wie so oft in der jüngeren Vergangeschnell Frust bei den stets träumenden FC-Fans breitmachen.

Schlimmstenfalls so wie am Montag nach der Testspiel-Niederlage gegen Lens: FC-Ultras hatten in Tröpolach in Österreich randaliert und dabei vier Menschen teilweise schwer verletzt.

Wie der Fernsehsender "ORF" berichtet, waren sechs FC-Anhänger grundlos auf die Gäste eines Lokals losgegangen.

Der FC bleibt ein Pulverfaß. Auf und neben dem Platz.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel