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Den Kameras in der Münchner Allianz Arena entgeht nichts © getty

Teil 2 der SPORT1-Serie: Der FC Bayern München wird dominiert von "Technik totaal". Bei den Spielern kommen die Hilfsmittel gut an.

Von Daniel Rathjen

München - Er kommt unverhofft, er ist gefährlich und er kann sogar tödlich sein.

Man nennt ihn: Den Pass in die Tiefe.

In Partien auf Topniveau, beispielsweise in einem Finale der Champions League, können Details entscheidend sein.

Es ist für jeden Verein hilfreich, wenn die Spieler wissen, wo sich die Tiefe überhaupt befindet.

Beim FC Bayern versuchen die Trainer, es ihnen durch 3D-Animationen schlicht zu zeigen.

"Die Zeiten, in den ein Spiel von der Seite oder von oben aufgenommen wurde, sind längst vorbei", erzählt Max Reckers im Gespräch mit SPORT1.

Fußballer wird "gläsern"

Der Niederländer ist verantwortlich für den technischen Stab beim deutschen Rekordmeister - er sitzt bei jeder Partie auf der Pressetribüne und arbeitet mit den Bildern, die ihm sechs im Dach der Allianz Arena installierte "Tracking-Kameras" liefern.

Deren Sensoren-Technologie macht sich übrigens auch die israelische Luftwaffe, die auf ihrem Gebiet als eine der modernsten gilt, zunutze.

Durch diese wird der Fußballer auf dem Feld "gläsern". Jeder gelaufene Meter, jeder Pass, jeder Zweikampf - einfach jede Aktion der sich bewegenden Figuren wird aufgezeichnet:

Wie Daniel van Buyten ein Kopfballduell gewinnt, wie Rakete Arjen Robben auf rechts abgeht. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

Daten werden live ausgewertet

Auf der Tribüne wertet Reckers die Daten live aus und bestimmt mittels einer speziellen Software einzelne Abschnitte.

Es ist damit auch möglich, sich in die Perspektive, in die Sichtweise, das Blickfeld eines jedes Spielers hineinzubegeben.

Wenn Chefcoach Louis van Gaal wollte, könnte er von der Seitenlinie aus direkt darauf zugreifen und seinem Team - beispielsweise in der Halbzeitbesprechung - zu präsentieren.

Neu ist diese Art der Kontrolle im europäischen Fußball nicht, aber wertvoll.

Taktik als Hauptaugenmerk

Trainer ziehen einen großen Vorteil daraus, wenn sie wissen, dass ihr Mittelfeldspieler wieder deutlich weniger gelaufen ist als die anderen.

Ist der Abstand zwischen defensivem Mittelfeld und Viererkette größer als gedacht? Ist der rechte Verteidiger beim Angriff zu langsam aufgerückt? Auf diese Fragen gibt es die prompte Antwort.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Taktik. Beim FC Bayern gilt: Das komplette Team darf die Breite von 35 Metern nicht überschreiten.

Die Analysen von van Gaal und Reckers haben ergeben, dass ansonsten die Lücken zu groß werden und der Gegner leichteres Spiel hätte.

Inter verwendet gleiches System

Kompaktes Verschieben lautet in diesem Zusammenhang das Stichwort.

Die Defensivarbeit beginnt in der Offensive: Und schon wenn Ivica Olic im Sturmzentrum nicht den entscheidenden Weg zurück macht, leidet das ganze Konstrukt darunter.

Mit der Technologie, die der FC Bayern verwendet, arbeiten auch Champions-League-Sieger Inter Mailand und Atletico Madrid, der Gewinner der Europa League. Ein Zufall?

Ottl sieht Vorteil

Das Interesse der Fernsehsender steigt ebenso. Der geneigte TV-Konsument während der Weltmeisterschaft in Südafrika wird sich sofort an einige 3D-Analysen erinnern.

Die Spieler erscheinen bei dieser Darstellung wie animiert, und viele spielen ja in ihrer Freizeit selbst an der Playstation.

Manche Profis ziehen ihren Nutzen daraus - so wie Mittelfeldspieler Andreas Ottl. "Es ist schon ein Vorteil. Wenn dem Trainer etwas auffällt, kann er es einem schwarz auf weiß zeigen, das ist ein gutes Argument", sagt er zu SPORT1.

"Wir decken alles auf"

Vor einer Standpauke vor versammelter Mannschaft braucht sich grundsätzlich niemand zu fürchten, die Erkenntnisse werden meistens in Einzelgesprächen detailliert erörtert.

"Wir decken alles auf, für viele war das eine sehr große Umstellung", erinnert sich Reckers. Manche wollten auch zu genau agieren und blockierten sich damit.

"Ich habe Dinge gelernt"

Hamit Altintop war so ein Fall. Jetzt sagt er: "Ich habe Dinge gelernt. Wichtig für mich war zu erkennen, dass ich am Ende immer noch ich selbst entscheide, was ich auf dem Platz mache", erklärt er.

Nach einer Saison, in der der Türke wenig zum Einsatz kam, hat er seinen auslaufenden Vertrag verlängert.

Bei ihm dürfte van Gaal seinem Ziel, jeden Spieler jeden Tag besser zu machen, ein gutes Stück näher gekommen sein.

Lesen Sie auf SPORT1 in Kürze im letzten Teil der Serie "Technik totaal": So bereitet sich der FC Bayern auf den nächsten Gegner vor. Und erfahren Sie, wovor der Trainerstab beim Saisonstart besonders zittert.

Hier geht es zu Teil I: Technik totaal: Kuhverkehr im 4-2-3-1

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