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Andries Jonker (v.) war bereits beim FC Barcelona Assistent von Luis van Gaal © getty

Bayern-Coach Louis van Gaal will immer den maximalen Erfolg: Dafür simuliert Assistent Jonker gern auch den Konkurrenten.

Von Daniel Rathjen

München - Mannschaftsbesprechungen beim FC Bayern haben es oft in sich.

Das Auditorium im Leistungszentrum an der Säbener Straße ist ein "heiliger Raum". Exklusive Einblicke sind selten.

In der vergangenen Saison ließ Trainer Louis van Gaal dort vor versammeltem Team die Hosen runter.

"Wenn ich auswechsele, tue ich das nicht für mein Ego", hatte er diese Aktion begründet.

Der Niederländer gibt alles, um das Kollektiv zu stärken. "Und ich setze alles ein, was ich habe, um meine Worte zu unterstreichen. Meine Stimme genauso wie solche Gesten", führte der Niederländer weiter aus.

Kurze Ansprachen

Eine Ansprache vor Spielen dauert bei van Gaal niemals mehr als zwölf Minuten. Warum, erklärt Video-Analyst Max Reckers bei SPORT1:

"Wir haben gelernt, dass es darüber hinaus schwer wird, dass die Spieler etwas aufnehmen", erklärt er.

Ein Zusammenschnitt, gefertigt an seinem Laptop, bildet den visuellen Schlusspunkt einer jeden Ansprache. Schöne Szenen von Toren oder gekonnter Dribblings und feinen Pässen stehen dabei im Mittelpunkt.

Der Kurzfilm soll das Team in die richtige Stimmung versetzen. Doch ehe die Bayern wirklich bereit für den nächsten Gegner sind, liegt bereits viel Arbeit hinter ihnen.

Assistenten sehr hilfreich

Im Idealfall, angenommen in einer Woche ohne ein Champions-League-Spiel, hat van Gaal für die Vorbereitung ausreichend Zeit.

Neben seinen Fähigkeiten vertraut er dabei gerade auch auf die Unterstützung seiner Assistenten. (DATENCENTER: Der Spielplan)

Auf Marcel Bout beispielsweise. Der Niederländer ist seit dieser Saison neu im Team des deutschen Rekordmeisters und vorrangig zuständig für die Spielbeobachtung.

Seine Aufgabe besteht darin, den Gegner zu analysieren. Mit Videomaterial oder live vor Ort wird er die letzten drei Spiele des Kontrahenten unter die Lupe nehmen.

A-Team gegen B-Team

Parallel arbeitet Analyst Michael Niemeyer mit Reckers in München ausschließlich Videoerkenntnisse auf.

Zusammen mit Bout erstellen sie eine Rohfassung ihrer Erkenntnisse, in die auch die Erfahrungen aus der vergangenen Saison mit einfließen und besprechen sie mit Co-Trainer Andries Jonker.

Drei Tage vor dem eigentlichen Match wird an der Säbener Straße dieses bereits simuliert. Es spielt Bayerns A-Team, gecoacht von van Gaal, gegen Bayerns B-Team mit Jonker 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele).

Das B-Team wird auf Basis der Analysen exakt so aufgestellt und taktisch eingestellt wie der kommende echte Gegner.

"Dieses erste Trainingsspiel wird aufgezeichnet"

Unterbrochen wird diese Partie kaum, sie ist ausschließlich als Lehrstunde zu verstehen.

"Dieses erste Trainingsspiel wird zudem aufgezeichnet und danach ausführlich besprochen", erzählt Reckers.

Mit den neuen Erkenntnissen gibt es dann die Neuauflage der Begegnung. Im besten Fall spielt van Gaals Stammelf also bereits zweimal gegen den kommenden Gegner, ehe dieser überhaupt angereist ist.

Gerland hat "sogar noch etwas gelernt"

Selbst für Co-Trainer und "Urgestein" Hermann Gerland, zugleich wieder Chefcoach von Bayerns Reserve, war die schier detailverliebte Vorbereitung komplett neu.

"Ich habe dadurch sogar noch etwas gelernt. Van Gaal ist noch versessener und akribischer als ich. Ich habe gedacht, das geht gar nicht", sagt der "Tiger" in seiner unverwechselbaren Art.

Um eventuelle personelle Engpässe bei den Profis sofort kompensieren zu können, muss Gerland mit seinem Team das gleiche 4-2-3-1-System wie sie spielen lassen.

Van Gaal unzufrieden

Angesichts von van Gaals Faible für ausführliche Vorbereitungen erscheint es auch nachvollziehbar, dass er mit der aktuellen Situation überhaupt nicht zufrieden ist.

Erst am 2. August, wenn die deutschen und niederländischen WM-Urlauber zurückkehren, hat der 58-Jährige wieder seinen Kader komplett.

Die Angst vor Muskelverletzungen zum Saisonstart ist groß. "Ich werde Risiko gehen müssen", fürchtet van Gaal bei SPORT1.

Für die Analysten im Hintergrund ist das die spannendste Zeit.

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