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Fredi Bobic bestritt von 1994 bis 1998 148 Bundesligaspiele für den VfB © getty

Der Wechsel von Khedira zu Real ist nicht mehr zu verhindern. Was bedeutet das für den VfB? Fredi Bobic im SPORT1-Interview.

Von Mathias Frohnapfel

München - Fredi Bobic ist erst wenige Tage im Amt.

Trotzdem muss der neue Sportdirektor des VfB Stuttgart schon schwere Entscheidungen treffen.

SPORT1 sprach mit dem 38-Jährigen über den unmittelbar bevorstehenden Transfer von Sami Khedira zu Real Madrid und die Folgen für die neuformierte Stuttgarter Mannschaft.

Bobic gibt einen Einblick in sein neues Aufgabenfeld bei dem Verein, für den er zu Beginn seiner Karriere selbst stürmte.

SPORT1: Herr Bobic, wie gehen Sie Ihre neue Aufgabe in Stuttgart an?

Fredi Bobic: Ich kehre zu dem Klub zurück, bei dem ich groß geworden bin und eine wunderschöne Zeit gehabt habe. Es ist mit Sicherheit eine herausfordernde Arbeit. Ich freue mich darauf.

SPORT1: Der VfB war ja auch der Klub, der Sie in der Bundesliga erst so richtig bekannt gemacht hat, oder?

Bobic: Ja, das ist richtig. Das war mein erster Bundesliga-Klub. Ich bin damals von den Stuttgarter Kickers zum VfB gewechselt, von dem ich bereits in der Jugend Fan war. Damit konnte ich meine Träume erfüllen.

SPORT1: Von den Stuttgarter Fans ist Ihre Verpflichtung zu großen Teilen sehr positiv aufgenommen worden. Was ist wichtig, um diese Aufgabe erfolgreich zu meistern?

Bobic: Wichtig ist erstmal, dass wir einen schlagkräftigen Kader haben. Um den zu bilden, haben wir jedoch wenig Zeit. Es stehen also eine Menge Arbeit und viele Gespräche an. Wir sind auf den Außenbahnen noch nicht top besetzt. Da müssen wir noch etwas machen. Hinzu kommen eventuelle Abgänge wie der von Sami Khedira.

SPORT1: Können Sie den Transfer von Khedira zu Real Madrid noch verhindern?

Bobic: Nein. So ein Angebot von Real Madrid bekommt man nicht oft. Es ist, glaube ich, auch eine sehr positive Sache für den VfB, wenn ein Spieler zu Real Madrid wechselt. Das zeigt, dass wir hier gute Spieler haben. Es liegt jetzt nur noch an Real und an uns eine Übereinkunft zu treffen (209112DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse).

SPORT1: Bedeutet der sich anbahnende Transfer einen Rückschlag für den VfB?

Bobic: Es ist natürlich sehr schade, so einen Spieler wie Khedira zu verlieren. Das gilt vor allem auch für seine Persönlichkeit. Vom Sportlichen her können wir den Verlust einigermaßen auffangen. Wir haben ja drei A-Nationalspieler mit Kuzmanovic, Träsch und Gentner auf der Sechser-Position. Wir haben großes Vertrauen in die drei.

SPORT1: Also ist der Khedira-Transfer zu kompensieren.

Bobic: Das gibt natürlich jetzt anderen Spielern eine Chance sich in den Fokus zu spielen. Die Situation ist vergleichbar mit der Nationalmannschaft vor der WM. Alle haben überlegt, wie es nach dem Ausfall von Michael Ballack weitergehen soll. Und die anderen haben dann ihre Chancen genutzt.

SPORT1: Tut es nicht weh, dass man jetzt eventuell sagt, dass der VfB Spieler ausbildet und dann an große europäische Klubs verliert?

Bobic: Der VfB Stuttgart ist auf einem guten Weg. Wir sind sehr stabil, wirtschaftlich gesund. Wir wollen in Zukunft diese Spieler auch halten, ganz klar. Aber es gibt immer Grenzen, wo wir nicht mitgehen können.

SPORT1: Glauben Sie, dass Sie für die Außenbahn Ibrahima Traore von Augsburg holen können?

Bobic: Ich möchte jetzt nicht auf jeden einzelnen Transfer eingehen, doch gibt es Spieler, die für uns interessant sind. Wir stehen mit verschiedenen Spielern und Vereinen in Kontakt, und es wird sich zeigen, was machbar ist.

SPORT1: Werden Sie eigentlich Kontakt zu Ihrem Vorgänger Horst Heldt aufnehmen?

Bobic: Wir haben schon gesprochen. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis und das wird sicherlich so bleiben. Sonst macht jeder seine Arbeit und versucht seine Erfahrungen umzusetzen.

SPORT1: Haben Sie Ihren Partner Sportdirektor Jochen Schneider schon vorher gekannt?

Bobic: Ja. Ich kenne ihn sogar schon seit seinem ersten Tag beim VfB.

SPORT1: Was stimmt Sie zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit mit Schneider funktionieren wird?

Bobic: Ich mach mir da gar keine Sorgen. Wir verstehen uns auch privat sehr gut. Und im Geschäft werden wir uns sehr gut ergänzen, da bin ich mir 100 Prozent sicher. Denn zwischen uns gibt es keine Eitelkeiten.

SPORT1: Wie haben denn die anderen beiden aus dem "magischen Dreieck", Krassimir Balakov und Giovane Elber, auf ihren neuen Job reagiert?

Bobic: Der Krassimir war sicherlich etwas traurig, dass ich Chernomorets, wo wir zusammen gearbeitet haben, verlasse. Er war aber auch sehr stolz, und meinte, dass ich das Angebot des VfB annehmen muss. Giovane war sehr positiv gestimmt und hat sich mit mir gefreut. Das zeichnet für mich auch eine Freundschaft aus.

SPORT1: Giovane Elber wird gewiss mal in Stuttgart Tribünengast sein, oder?

Bobic: Klar, er hat ja auch mal Lust ab und zu Spätzle zu essen. Da ist er herzlich eingeladen.

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