vergrößernverkleinern
Bastian Schweinsteiger bestritt seit 2002 156 Bundesliga-Spiele für den FCB (17 Tore) © imago

Letzte Saison fast auf dem Abstellgleis gelandet, ist "Schweini" mittlerweile eine feste Größe. Doch der Vertrag läuft bald aus.

Von Christan Paschwitz

München - Es war diese nasale Nonchalance, die Bastian Schweinsteigers Stimmfall noch mehr umschmeichelte als sonst. Nicht etwa, weil von seiner gerade erst überwundenen Erkältung ein letzter Rest aus den Nebenhöhlen drang.

Momentan genießt Schweinsteiger vielmehr die ihm entgegengebrachte und öffentlich thematisierte Wertschätzung. Er lächelte dabei.

Bayern erster Ansprechpartner

Es läuft in dieser Saison schließlich bestens für den 24-Jährigen aus der Kreativabteilung des FC Bayern: Starke Leistungen in der Mehrzahl der sieben bisherigen Bundesliga-Spiele. Ebenso in drei Champions-League-Partien, zuletzt sogar wieder mal Torschütze beim 3:0 über Florenz.

Wer Leistung sprechen lässt, muss dann wohl auch umso weniger kommentieren: Zum Beispiel wie es denn nun weitergeht mit den Bayern und ihm, dessen Vertrag am 30. Juni 2009 ausläuft.

Ein Schweigerecht als Luxus. Warum auch nicht, wenn alle Trümpfe in der eigenen Hand liegen und einen die europäischen Topklubs lieber heute denn morgen unter Vertrag nähmen. Wie Juventus Turin, Inter Mailand und der FC Sevilla, die zuletzt Interesse bekundeten.

Nur soviel: Bayern sei nach wie vor sein erster Ansprechpartner. "Mehr gibt es nicht zu sagen", so Schweinsteiger. Er habe sich auch keine "Deadline" gesetzt.

FCB forciert Verlängerung

Anders als die Bayern-Bosse um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der schon vor gut zwei Wochen erklärt hatte: "Es gab ein erstes Gespräch zwischen Uli Hoeneß und ihm. Wir werden diese Gespräche nun intensiv fortsetzen und versuchen, mit ihm den auslaufenden Vertrag zu verlängern."

Der künftige Abschluss dürfte dann wohl auch um einiges höher ausfallen als die 3,3 Millionen Euro Jahressalär, die "Schweini" laut "Sport-Bild" derzeit bekommen soll.

Was die Verhandlungssituation des Mittelfeldspielers stützen dürfte: Jürgen Klinsmann sprach sich nun erneut für Schweinsteigers Verbleib bei den Bayern aus.

"Es ist natürlich unser Wunsch, dass er bleibt", sagte der Bayern-Coach. "Er hat Konstanz in seine Leistungen gebracht, ein anderes Niveau erreicht."

Zur festen Größe gereift

Schnee von gestern, dass Schweinsteiger zum Ende der vergangenen Saison beim Rekordmeister schon auf dem Abstellgleis rangierte und ein Verkauf drohte, wegen der seinerzeit groß auftrumpfenden Konkurrenten Hamit Altintop und insbesondere Franck Ribery.

Inzwischen ist Schweinsteiger aber eine feste Größe. Das zeigt er, inzwischen 61 Länderspiele auf dem Buckel, auch im DFB-Team. Angesichts des Konflikts zwischen Michael Ballack und Bundestrainer Jogi Löw sieht Ex-Nationalspieler Olaf Thon Schweinsteiger sogar befähigt, den Kapitän bei schwarz-rot-gold zu geben.

Schweini fordert Ende des DFB-Streits

Als Fingerzeig für seine gewachsene Machtposition lässt sich auch verstehen, wenn Schweinsteiger hierzu nun "auf jeden Fall" auf eine schnelle Lösung drängt: "Mich interessiert nur, dass alles bis zum England-Spiel geklärt ist, damit wir uns wieder auf den Fußball konzentrieren können."

Mehr noch: Er würde jede Entscheidung von Löw im Fall Ballack akzeptieren. Eine Aussage, die auch Ballacks Rauswurf impliziert.

Als Führungsspieler scheint Schweinsteiger nicht stillschweigend hinnehmen zu wollen, dass die gegenwärtige Situation eskaliert. Und sie ihn wie die Teamkollegen möglicherweise aus dem Tritt bringt.

Neue Chance für Poldi

Umso mehr bricht Schweinsteiger eine Lanze für andere: Im neuen, alten Schwung erleben möchte er gegen Wolfsburg Stürmer Lukas Podolski, der nach dem Ausfall von Luca Toni (Rippenprellung) eine Chance von Anfang an bekommt:

"Es wäre schön, wenn er wieder so ein Spiel macht wie gegen Russland. Wie er sich da beim Tor entschlossen reingedreht hat in den Ball - genauso kenne ich ihn. Er merkt auch, dass er die Unterstützung der Mannschaft hat, man merkt ihm die Vorfreude an."

Schweinsteiger freut sich insgeheim sowieso. Und nach dem späten Sieg in Karlsruhe nun am liebsten darüber, gegen Wolfsburg "nachzulegen. Dieses Wort trifft es am besten."

Dann würde beim Tabellen-Elften FC Bayern auch kollektiv wieder mehr Gelassenheit herrschen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel