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Kapitän Steven Cherundolo (r.) spielt bereits seit 1999 für Hannover 96 © imago

Im vierten Teil der SPORT1-Serie wünscht sich Steven Cherundolo Verstärkungen - und empfiehlt das Comeback eines Ex-Kollegen.

Von Christian Paschwitz

München - Bei Hannover 96 dürften viele mittlerweile das Gefühl haben, dass Steven Cherundolo schon bei der Vereinsgründung mit dabei war.

Der Abwehrspieler aus Rockford im US-Bundesstaat Illinois kam 1999 zu den Niedersachsen, als die noch in der Zweiten Liga spielten und Ablösesummen noch in D-Mark gezahlt wurden.

Seitdem hat Cherundolo alle Höhen und Tiefen bei 96 miterlebt - wobei es hauptsächlich Tiefen waren.

In diesem Jahr ist er erstmals Kapitän - und er führt nach der von Robert Enkes Tod überschatteten und sportlich missratenen Saison ein Team an, das sich wohl erneut eher nach unten orientieren muss (SERVICE: SOMMERFAHRPLÄNE).

Verstärkungen erwünscht

Der Kader der Fast-Absteiger wurde nicht groß verstärkt, für große Transfers fehlt das Geld. Cherundolo versteht das zwar, wünscht sich aber trotzdem weitere Verstärkungen 209112(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse).

Gerade für die Spielmacher-Position, die durch den wahrscheinlichen Abgang von Elson wohl unbesetzt ist, hätte er einen ehemaligen Teamkollegen im Auge.

Außerdem spricht Cherundolo im vierten Teil der SPORT1-Interview-Serie über sein Verständnis der Kapitäns-Aufgabe, welcher Neuzugang durch Lautstärke auffällt - und was er über die Entscheidung denkt, Enkes Nummer eins doch wieder zu vergeben.

SPORT1: Herr Cherundolo, ab der neuen Saison sind Sie der neue Kapitän von Hannover 96. Ein komisches Gefühl?

Steven Cherundolo: Naja, es kommt jetzt nicht mehr nur auf die eigenen Leistungen an, man muss auch ein Auge auf die der Mitspieler haben. Dass alle mitziehen, und es in die richtige Richtung geht. Im Moment ist das noch ein bisschen ungewohnt, aber nichts, was mich aus der Bahn wirft.

SPORT1: Und wenn's nicht läuft, dann hauen Sie auch mal auf den Tisch?

Cherundolo: Das habe ich auch schon in der Vergangenheit gemacht. In diesem Sinne wird sich da nicht viel ändern. Vielleicht aber kann man als Kapitän noch das eine oder andere deutlicher ausdrücken als vorher.

SPORT1: Wo steht 96 denn so kurz vor dem Bundesliga-Start?

Cherundolo: Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung. Die Mannschaft ist fit und in der Lage, neunzig Minuten Gas zu geben. Das ist schon mal eine gute Grundlage. Fußballerisch können wir uns aber natürlich immer noch verbessern.

SPORT1: Zumal die Ergebnisse in der Vorbereitung auch eher durchwachsen waren. Was sagen Sie zu denjenigen, die behaupten, dass es so für die Bundesliga nicht reicht?

Cherundolo: Die Vorbereitung ist für mich kein Maßstab, auch nicht das Spiel gegen Valencia. Die Bundesliga ist ein ganz anderes Pflaster - das kann man nicht miteinander vergleichen. Ich erinnere mich an ein Vorbereitungsspiel gegen Real Madrid vor drei Jahren: Das haben wir 3:0 gewonnen, und im Anschluss daran haben wir am ersten Spieltag gleich verloren. Ich habe heute den Eindruck, dass unsere Mannschaft kompakt steht und gut zusammenspielt.

SPORT1: Ist der Kader stark genug?

Cherundolo: Natürlich können wir uns noch verstärken - ich fordere immer Verstärkungen, unabhängig von der jetzigen Situation. So ist das Geschäft, sonst ziehen die anderen an uns vorbei. Das gilt aber für jede Mannschaft. Allerdings kann und muss der Verein dafür nicht immer Millionen in die Hand nehmen.

SPORT1: Wirklich namhafte Transfers stehen noch nicht zu Buche. Heißt das für die Fans, sich jetzt erst recht auf den Abstiegskampf einrichten zu müssen?

Cherundolo: Ich hoffe nicht, und unser Ziel ist es natürlich, so schnell wie möglich 40 Punkte zu holen. Wir müssen aber höllisch aufpassen: Wenn wir einmal unten drin stehen, kann es ganz schnell in die Zweite Liga gehen. Wir haben allerdings einen ausgeglichenen Kader und eine physisch starke Mannschaft. Deswegen glaube ich an eine gute Saison von uns.

SPORT1: Ist es denn aber nicht ermüdend, dass in der Region Hannover seit dem Aufstieg 2002 immer große Euphorie herrscht, manchmal sogar von Europa geträumt wird? Und dann geht es am Ende doch nur gegen den Abstieg.

Cherundolo: Es gab vielleicht zwei Jahre, in denen wir uns ein wenig mehr erhoffen durften. Ansonsten kann das Ziel aber nach wie vor nur sein, nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Das ist auch unser Ziel für die kommende Saison. Das Wichtigste ist, den Fans guten Fußball bieten, dann sind sie auch zufrieden. Unsere Fans wollen eine Mannschaft sehen, die alles gibt.

SPORT1: 96 fehlt dennoch ein Spielmacher, zumal Elson ja nun wohl doch nicht bleibt...

Cherundolo: Wie genau wir uns verstärken, liegt in den Händen des Trainerstabs und der sportlichen Leitung. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, das zu kommentieren.

SPORT1: Die Verpflichtung von Ghanas WM-Star Dominic Adiyiah hat sich zerschlagen. Stattdessen kommt der eher unbekannte und zuletzt vereinslose Portugiese Carlitos.

Cherundolo: Namen alleine werden uns ohnehin nicht helfen, das hat die Vergangenheit gezeigt. Die erste Voraussetzung ist erst mal, dass die neuen Spieler in der Lage sind, eine Saison verletzungsfrei durchzuspielen. Wenn sie uns dann noch spielerisch weiterhelfen und Tore schießen - umso besser.

SPORT1: Ihr ehemaliger Teamkollege Szabolcs Huszti, der bei Zenit St. Petersburg nicht wirklich glücklich ist, wäre dafür vielleicht jemand...

Cherundolo: Ein Typ wir Szabi wäre bei uns immer willkommen. Wir kennen ihn, er kennt uns, wir wissen, dass er hier rein passt - das wäre super. Zuerst müsste Szabi aber erst mal Signale geben. Und dann müssten sich die beiden Klubs noch einigen.

SPORT1: Beschreiben Sie uns doch mal bitte die bereits angekommenen Neuzugänge wie Lars Stindl, Markus Miller oder Emanuel Pogatetz: Was sind das für Typen?

Cherundolo: Charakterlich sind sie alle in Ordnung, im Training zieht jeder gut mit. Emanuel Pogatetz ist natürlich ein wenig lauter als die anderen. Aber alle haben sich gut integriert und arbeiten fleißig. Keiner stellt sich quer oder dagegen. Und gerade im Defensivbereich und im Tor sind wir ganz gut aufgestellt, denke ich.

SPORT1: Stichwort Torwart-Position: Florian Fromlowitz trägt jetzt die Nummer 1, die nach dem Tod von Robert Enke eigentlich nicht mehr vergeben werden sollte. Wie stehen Sie im Mannschaftskreis dazu?

Cherundolo: Ich persönlich finde die Entscheidung in Ordnung, denn Florian hat es verdient, als Stammtorwart die Nummer eins zu tragen. Damit wir uns nicht missverstehen: Das heißt nicht, dass wir Robert vergessen haben - ganz im Gegenteil. Aber es beginnt jetzt eine neue Saison, und irgendwann muss das Leben leider auch weitergehen.

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