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Dick van Toorn (l.) behandelte Arjen Robben seit Juni nach dessen Aussage "aggressiv" © imago

Der niederländische Physiotherapeuth Dick van Toorn will die Schuld an Arjen Robbens schwerer Verletzung nicht auf sich nehmen.

Von Rainer Nachtwey und Tobias Hlusiak

München - Er gilt als der Sündenbock und ist sich doch keiner Schuld bewusst.

Der niederländische Physiotherapeut Dick van Toorn behandelte Arjen Robbens Muskelverletzung vor der WM.

Nur 20 Tage brauchte der 77-Jährige, um die Fitness des Bayern-Superstars auf WM-Niveau zu hieven - vier bis sechs Wochen wären normal gewesen.

Bei einer Routine-Untersuchung kam nun heraus: Robben hat ein fünf Zentimeter großes Loch im Oberschenkel. Die Folge: Zwei Monate Pause. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele).

Van Toorn sieht das völlig anders: "Meiner Meinung nach ist der Muskelfaserriss, den die Ärzte von Bayern München gefunden haben, eine alte Verletzung oder eine Narbe. Ich bin der Meinung, dass Robben spielen kann", sagte er der niederländischen Tageszeitung "Algemeen Dagblad".

Van Toorn völlig überrascht

Kurios dabei ist, dass Robben in seinem Urlaub nach der WM keine Schmerzen verspürte.

"Arjen hat mir am Sonntag eine SMS geschickt, er habe keine Schmerzen. Es ist mir unerklärlich, wo diese Verletzung herkommt. Dass es sich um eine neue Verletzung handeln könnte, glaubt er nicht. (158088DIASHOW: Robbens Verletzungsmisere)

"Das kann ich mir nicht vorstellen", meint der Niederländer.

Robben bat um Behandlung

Der "Wunderheiler" lehnt die Rolle des Sündenbocks ab.

"Arjen hat selbst um eine Behandlung bei mir gebeten", blickt der 77-Jährige zurück.

"Ich wollte ihn Anfangs gar nicht therapieren. Nach einigen Diskussionen habe ich es dann doch getan. Anscheinend nicht ohne Erfolg: Er hat bei der WM viel gespielt."

Van der Vaart gibt den Tipp

Van Toorn gilt in den Niederlanden als "Wunderheiler".

In seinen 50 Jahren als Physiotherapeut lagen jede Menge Stars auf seiner Behandlungsliege.

Neben Johan Cruyff und Wesley Sneijder auch Rafael van der Vaart.

Der Ex-HSV-Kapitän war es auch, der Robben den Kontakt zu dem Mediziner vermittelte.

"Die Apparate Frankensteins"

Die Methoden des niederländischen Wunderdoktors sind außergewöhnlich.

Auch Robben wurde zwölf Stunden täglich mit Akupunktur, Triggerpunkt-Druckmassagen, anderen speziellen Massagetechniken und Stromstößen malträtiert.

Die von van Toorn eigenständig entwickelten Geräte nennen seine Patienten ehrfuchtsvoll "die Apparate Frankensteins".

Robben hatte sich vor der WM zuversichtlich gegeben: "Ich habe gute Erfahrungen mit van Toorn. Er hat mir früher schon einmal gut geholfen. Ich vertraue ihm vollkommen, dass er mich fit für die WM macht. Ich weiß, dass bei ihm vieles möglich ist."

Robben von Diagnose geschockt

Nun zeigte sich Bayerns Aushängeschild "von der neuen Diagnose überrascht und geschockt".

Der 26-Jährige hatte 20 Tage nach der Verletzung bereits im dritten Gruppenspiel gegen Kamerun sein Comeback gegeben, im Achtelfinale bereits wieder in der Anfangsformation gestanden.

Im WM-Finale gegen Spanien spielte er sogar die kompletten 120 Minuten und habe sich "auch danach schmerzfrei gefühlt. Deshalb bin ich in den Urlaub gefahren", ließ der Niederländer verlauten.

Die Bosse sind sauer

Die Chefetage des Rekordmeisters ist stocksauer auf die niederländischen Behandlungsmethoden.

"Er hat dafür gesorgt, dass Arjen so früh zurückkommen konnte. Aber das ist langfristig gesehen nicht immer die beste Lösung", schießt Trainer Louis van Gaal in Richtung van Toorn.

Und FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger klagte im Gespräch mit SPORT1: "Es ist sehr unzufriedenstellend, wenn man einen Spieler verletzt von einer WM zurückbekommt."

Eine bekannte Verletzung

Muskelfaserrisse in der hinteren Oberschenkelmuskulatur sind bei Sportlern immer wieder zu beobachten - zumindest die Reaktionen: Ein Griff an die Rückseite oberhalb der Kniekehle, an den Biceps femoris.

Der Kniebeugemuskel ist besonders anfällig, bei Zerrungen und den häufig vorkommenden Faserrissen gilt eine Ausheilung der Verletzung als wichtig.

"Andere Mittel nötig"

Das wusste auch Robben, als er sich an van Toorn wandte, um die Regenerationszeit zu verkürzen.

"Bei einer konservativen Therapie braucht die Muskulatur vier bis sechs Wochen, um zu heilen. Darum sind jetzt andere Mittel nötig", hatte Robben getönt.

Van Toorns Behandlung bezeichnet er im Nachhinein als "aggressiv", was die Vermutung zulässt, dass die Blessur nie ausheilen konnte, stattdessen die Schmerzen mit Medikamenten übergangen wurden.

Schmerzen während der WM

Robben bestätigt diese Theorie: "Ich habe auch während der WM mit Schmerzen gespielt."

Das kann Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt nicht verstehen: "Es ist unverantworlich, dass man Arjen bei der WM hat spielen lassen."

Am Mannschaftsarzt des Rekordmeisters liegt es nun, den Schlüsselspieler möglichst schnell wieder fit zu machen.

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