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Hier ist es passiert: Beim Ungarn-Länderspiel verletzt sich Robben bei einem Hackentrick © imago

Arjen Robben fällt lange aus. Sportdirektor Nerlinger und Müller-Wohlfahrt sind daher sauer auf den niederländischen Verband.

Vom FC Bayern berichtenMathias Frohnapfel und Christian Ortlepp

München - Eine Kernspin-Untersuchung gab am Dienstagnachmittag Gewissheit: Arjen Robben hat sich einen Muskelriss im linken Oberschenkel zugezogen.

Der Bayern-Star fehlt somit seinem Team zwei Monate. Ein kurzer Gedanke an Robbens Glanztaten in der Vorsaison macht klar, wie heftig der Ausfall die Münchner trifft.

Entsprechend ärgerlich haben die Bayern-Verantwortlichen reagiert.

"Es handelt sich um eine erhebliche Verletzung", sagte Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Der Bayern-Arzt sprach von einem "fünf Zentimeter großen Loch im Muskel."

Müller-Wohlfahrt kritisiert niederländische Ärzte

"Ich finde es unverantwortlich, dass man diese Verletzung nicht genauer diagnostiziert hat und Arjen hat spielen lassen", kritisierte Müller-Wohlfahrt.

Er hatte seinen niederländischen Kollegen nach eigenen Angaben während der WM "mehrmals" seine diagnostische Hilfe angeboten hatte.

"Sie sind nicht darauf zurück gekommen."

Nerlinger sauer und enttäuscht

Das bestätigte am späten Dienstagnachmittag im Gespräch mit SPORT1 auch Christian Nerlinger.

"Wir hatten den niederländischen Verband gebeten, dass Müller-Wohlfahrt, der ja auch in Südafrika weilte, mal draufschaut. Das wurde uns leider untersagt, deshalb ist es umso trauriger", bemängelte Nerlinger.

Der FCB-Sportdirektor zeigte sich "sehr überrascht, dass Robben doch schwerer verletzt ist. Das ist für uns eine Schock-Nachricht."

Die Verletzungspause schätzte Nerlinger auf "acht bis zehn Wochen" ein.

(158088DIASHOW: Robbens Verletzungsmisere)

Auch wenn Nerlinger "keine Schuldzuweisungen treffen" wollte, klagte er darüber, dass es sehr unzufriedenstellend sei, "wenn man einen Spieler verletzt von einer Weltmeisterschaft zurückbekommt."

Auch deshalb kündigte der erboste Sportdirektor Gespräche mit dem niederländischen Verband an.

Blitzheilung dank "Frankensteins Magier"

Robben hatte sich die Blessur bereits in der WM-Vorbereitung beim Test am 5. Juni gegen Ungarn zugezogen.

Anschließend vertraute der Niederländer sich Wunderheiler Dick van Toorn, auch bekannt als "Frankensteins Magier", an.

Nur wenige Tage nach der Verletzung absolvierte Robben zudem nach SPORT1-Informationen bereits wieder Sprintübungen.

Dabei soll sich die Verletzung weiter verschlimmert haben.

Klage über "aggressive Behandlung"

Der Heilprozess sollte wegen der nahen WM verkürzt werden, tatsächlich spielte Robben bereits im dritten Vorrundenspiel gegen Kamerun wieder.

Die besonderen Arbeitsmethoden van Toorns bezeichnete Robben am Dienstagmorgen im FCB-Pressetalk als "aggressive Behandlung".

Van Toorn und dem niederländischen Verband droht nun ein Nachspiel.

Die Bayern wollten auch rechtliche Schritte nicht ausschließen.

Rummenigge informiert die FIFA

Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge schimpfte: "Wieder einmal müssen wir die Zeche für eine Nationalmannschaft und eine nicht korrekte Diagnose ausbaden. Wir sind maßlos enttäuscht."

Rummenigge ließ wissen, dass er bereits den Fußball-Weltverband FIFA informiert und gebeten habe, "als Mediator zwischen den beiden Parteien zu fungieren."

Das Gewebe im lädierten Muskel muss nun vernarben, ehe Robben wieder mit dem Aufbautraining beginnen kann. Dies dürfte mindestens acht Wochen dauern.

Robben selbst reagierte frustriert und sagte: "Diese Diagnose ist ein Schock."

Der Offensivspieler berichtet, dass er sich während der WM in Südafrika fit gefühlt und auch ohne "großen Schmerzen" gespielt habe.

Robben fühlte sich schmerzfrei

"Auch nach dem Finale fühlte ich mich schmerzfrei, deshalb bin ich auch in den Urlaub gefahren", meinte der 26-Jährige.

Während der Weltmeisterschaft hatte Robben von den Medizinern der Niederländer offenbar Schmerzmittel bekommen.

Auf Robben kommt nun eine Zwangspause zu, während die Diskussion um seine Verletzungsanfälligkeit erneut entbrennen dürfte.

Während seiner Zeit bei Real Madrid verpassten ihn spanische Medien den wenig charmanten Beinamen "Glasmann".

In München absolvierte Robben indes in seinem ersten Jahr 24 Bundesliga-Partien, schwärmte immer wieder von der guten medizinischen Betreuung.

Nun sind die Bayern und Robben vor eine neue Aufgabe gestellt.

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