Die Kritik der Bayern an den niederländischen Ärzten wegen der schweren Verletzung von Robben schießt weit übers Ziel hinaus.

Der FC Bayern darf durchaus erbost sein über den monatelangen Ausfall von Arjen Robben wegen eines Muskelrisses.

Schließlich ist der Niederländer der spielerische Dreh- und Angelpunkt im Team.

Und genau der wird dem Rekordmeister zum Start in der Bundesliga, vor allem aber in der Champions League, enorm fehlen.

Alle weitere Empörtheit oder gar Schuldzuweisungen in Richtung der behandelnden niederländischen Ärzte verbieten sich indes.

Sowohl für die Münchner wie auch für die Öffentlichkeit, in der es offenbar Zeitgeist zu sein scheint, sich auch als Laie medizinisches Urteilsvermögen anzumaßen.

[image id="b6ffadbe-65b7-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Ferndiagnostisch und nachträglich nun die während der WM praktizierten Behandlungsmethoden des Mediziner-Kollegen zu verdammen, wie es Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt tut, grenzt zum einen an Nestbeschmutzung.

Zum anderen wirkt es wie eine unnötige Selbstdarstellung.

Warum denn eigentlich auch hätten die Niederländer den Bayern-Doc für dessen diagnostische Hilfe heranziehen müssen?

Zumal Robben sich nach der Behandlung des nun als Wunderheiler verunglimpften Dick van Toorn, mit dem er nach eigenen Angaben zuvor gute Erfahrungen gemacht hat, schließlich fit und weitgehend schmerzfrei gefühlt haben will.

Über den Ehrgeiz des 26-Jährigen, die WM im besten Fußball-Alter auf keinen Fall verpassen zu wollen, verliert in diesem Zusammenhang ohnehin niemand ein Wort.

Ebenso wenig darüber, warum die Bayern nach dem Turnier in Südafrika und vor Robbens dreiwöchigem Urlaub den Außenstürmer denn nicht wenigstens zum medizinischen Überprüfungscheck nach München einbestellt haben.

Die Frage, ob sich die Verletzung durch die WM verschlimmert hat, ist offenbar von niemandem gestellt worden - auch von den Bayern und vom Spieler nicht.

Obwohl "Glasmann" Robben zeit seiner Karriere immer wieder von Verletzungen heimgesucht wird und damit einem Risikotypen gleichkommt.

Insofern ist die jetzige Debatte hochgradig heuchlerisch.

Lächerlich ist zudem die von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge gemachte Androhung juristischer Schritte, verpackt in eine unsachgemäße Generalschelte ("Wieder einmal müssen wir die Zeche für eine Nationalmannschaft und eine nicht korrekte Diagnose ausbaden").

Nicht zuletzt sollte insbesondere auch Müller-Wohlfahrt wissen, dass es im Profifußball in der Regel keine Zeit gibt für eine natürlich verlaufende Heilung.

Vielmehr geht?s darum, Spieler schnellstmöglich schmerzfrei zu machen.

Wobei nicht selten genau mit den unkonservativen und "aggressiven" Behandlungsmethoden herumgedoktert wird, die der FC Bayern nun verteufelt.

Man darf gespannt, wie lang oder kurz die medizische Abteilung der Bayern nun benötigt, um Robben wieder fit zu bekommen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel