vergrößernverkleinern
Erfolgreicher Einstand: Chefcoach Hans Meyer und sein Assistent Christian Ziege © imago

Gleich im ersten Auftritt als "Fohlen"-Coach feiert Hans Meyer einen Einstand nach Maß, sieht aber noch eine Menge Arbeit.

Von Tobias Schneider

Mönchengladbach - Acht Monate lang saß Hans Meyer nicht mehr auf einer Trainerbank, seit der 65-jährige im Februar beim 1. FC Nürnberg entlassen wurde.

Doch es wirkte, als wäre er nie weg gewesen. Kurz nach dem Schlusspfiff gegen den Karlsruher SC, das Gladbach mühevoll mit 1:0 gewann, lief Meyer vor den Journalisten in der Mixed Zone zu altbekannter Stärke auf:

"Ich hatte vorher gesagt: Wir brauchen unbedingt ein Erfolgserlebnis - zur Not auch mit einem Krampfspiel. Dass es meine Mannschaft jedoch so wörtlich nimmt, hätte ich nicht gedacht", schäkerte der Trainer-Fuchs vor der versammelten Reporterschar.

Rückbesinnung auf Elementartugenden

Mit der Rückkehr Meyers an seine alte Wirkungsstätte, bereits von 1999 bis 2003 coachte Meyer die "Fohlen", kam der Optimismus und der Glaube an die eigene Stärke zurück.

Nicht nur das gesamte Gladbacher Umfeld ist elektrisiert, auch auf die Spieler überträgt sich die Strahlkraft des Trainers.

Spielerisch freilich war noch nicht alles Gold, was glänzte.

Ein Bier ist erlaubt

Dessen war sich Meyer aber ohnehin bewusst: "Vier Tage reichen nicht aus, um alles rüberzubringen. Wir wissen, dass wir in Zukunft anders Fußball spielen müssen."

Die Einstellung aber passte. Gladbach besann sich auf die Elementartugenden, legte eine hohe Laufbereitschaft an den Tag, kein Ball wurde verloren gegeben.

Meyer honorierte die dargebotene Leistung auf seine ganz eigene Art: "Meine Spieler dürfen heute ein Bier trinken. Aber nur eins, nicht zwei, denn wir müssen am Dienstag in Wolfsburg ran."

Nach Führung gewackelt

Als Kapitän Patrick Paauwe mit seinem ersten Bundesliga-Treffer überhaupt in der 51. Minute zum 1:0 einnetzte, geriet Gladbach aber ins Schwimmen, der KSC drückte auf den Ausgleich und erarbeitete sich ein Übergewicht.

Gewundert hat es Meyer aber nicht: "Wir sind nicht so gut und erfahren, dass wir Karlsruhe an die Wand spielen. Jeder kennt meine Rechnung: Zu Hause musst du sauber bleiben."

Sprich: Die Null muss stehen. Und das tat sie auch. "Am Ende zählen nur die Punkte", resümierte Meyer folgerichtig.

Lobende Worte für Ziege

Der Wechsel zu Christian Ziege, der seinen Posten als Sportdirektor aufgab und als Co-Trainer auf der Bank assistiert, scheint der richtige Schachzug gewesen zu sein.

Der 65-jährige Trainer-Oldie fand durchweg lobende Worte für seinen Assistenzcoach: "Christian hat im Fußball viel erlebt, insgesamt 72 Länderspiele absolviert. Als erfahrener Trainer bin ich froh, ihn zu haben."

KSC in der Abwärtsspirale

Während sich die "Fohlen" dank des dreifachen Punkterfolgs vom letzten Tabellenplatz verabschiedeten, zeigt der Trend beim Karlsruher SC nach einem kurzen Zwischenhoch deutlich nach unten.

Nach den Niederlagen gegen die Bayern, in Frankfurt und Mönchengladbach warten die Badener seit nunmehr drei Spielen auf ein Erfolgserlebnis.

Zwei mickrige Pünktchen trennen den KSC nur noch von der Abstiegsregion, der Wind wir rauer.

Miserable Chancenverwertung

Hauptgrund für die Misere ist die miserable Torausbeute, selbst hochkarätige Chancen wie die von Sebastian Freis (19.) wurden fahrlässig verschludert.

Die verbale Keule wollte KSC-Coach Edmund Becker aber nicht auspacken: "Es war wie schon gegen die Bayern und in Frankfurt: alle Niederlagen waren vermeidbar. Einen Vorwurf kann ich meiner Mannschaft nicht machen", nahm Becker sein Team in Schutz und schlussfolgerte: "Unser Hauptproblem ist, dass wir keine Tore schießen."

Dass sollte sich schnellstens ändern. Denn mit Schalke, Hoffenheim und Leverkusen warten drei richtig dicke Brocken auf die Badener.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel