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Zvonimir Soldo steht vor seiner zweiten Saison als Trainer des 1. FC Köln © imago

Köln-Coach Soldo erklärt im SPORT1-Interview, was er von seinem Star erwartet und warum es dem Team nicht an Disziplin mangelt.

Von Tobias Hlusiak

München - Zvonimir Soldo hatte es in seiner ersten Saison als Bundesligatrainer nicht leicht.

Trotz mäßiger Leistungen seines Teams und zum Teil herber Kritik aus der Medienlandschaft hielt man beim 1. FC Köln aber am Kroaten fest.

Am Ende der Spielzeit stand ein 13. Platz zu Buche.

In der kommenden Runde soll es mit dem FC wieder bergauf gehen (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan).

"Alles nach Plan"

Die Saisonvorbereitung geht auch in Köln in die entscheidende Phase (SERVICE: Sommerfahrpläne).

Der Fußballlehrer spricht im sechsten Teil der SPORT1-Interview-Serie vor dem Saisonstart über seine Neuverpflichtungen und warum die Vorkommnisse in zwei Testspielen kein schlechtes Licht auf seine Mannschaft werfen.

Von seinem Star Lukas Podolski erwartet Soldo "nichts Besonderes" wohl aber einen Schritt nach vorne.

SPORT1: Herr Soldo, in zwei Testspielen Ihres Teams kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Gegner. Hat Ihr Team ein Disziplinproblem?

Soldo: Nein, überhaupt nicht. Solche Situationen können passieren in einem Spiel. Die Spieler sind lange im Trainingslager und in solchen Tests schnell etwas müde und nervös. Ich habe als Spieler selbst oft solche Situationen erlebt. Das war nichts Besonderes. Da haben sich die Emotionen einfach hochgeschaukelt. Natürlich müssen wir da ruhiger bleiben. Aber im Spiel gegen Lens wurde Kevin McKenna angespuckt. Das ist das Schlimmste, was man auf dem Fußballplatz machen kann. Deswegen liegt es mir fern, von Disziplinlosigkeiten meiner Spieler zu reden.

SPORT1: Sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung zufrieden?

Soldo: Alles was wir vorher geplant und uns vorgenommen hatten, haben wir auch durchgezogen. Wir haben auch bewusst gute Gegner für die Testspiele ausgewählt. Ich wollte wissen, wie meine Spieler reagieren, wenn sie müde sind. Bis jetzt läuft alles nach Plan. Nur die Verletzung von Pedro Geromel, der mit einem Muskelfaserriss ausfällt, trübt das Gesamtbild.

SPORT1: Wie ist denn der Fitnesszustand der Mannschaft elf Tage vor dem ersten Auftritt im Pokal?

Soldo: Wir haben hart trainiert. Das Team sollte sich auspowern. Jetzt sind die Jungs verständlicherweise in einem kleinen Tief. Bis zum DFB-Pokal-Spiel gegen Meuselwitz werden wir jetzt daran arbeiten, die Spritzigkeit aufzubauen

SPORT1: Sie haben auch einige Neuverpflichtungen im Kader. Wer hilft dem FC sofort weiter?

Soldo: Das ist schwer zu sagen, weil viele junge Spieler zu uns gekommen sind. Da halte ich mich mit Prognosen lieber zurück. Wir wollen den Spielern Zeit geben, damit sie sich entwickeln können. Ich bin mit der Trainingsleistung von allen Neuen zufrieden, aber es sind auch noch zwei, drei Wochen Zeit bis zum Saisonstart.

SPORT1: Einer von dem man dies erwarten darf, ist Martin Lanig, den Sie aus Stuttgart geholt haben. Wie ist ihr erster Eindruck?

Soldo: Martin bringt Bundesligaerfahrung mit. Allerdings war er zuletzt ein Jahr lang verletzt. Wir müssen abwarten, wie lange er braucht, um sein Top-Niveau nach der Verletzung wieder zu erreichen. Ich bin aber guter Dinge, dass er das relativ schnell schafft.

SPORT1: Der letzte Neuzugang ist Andrezinho, der von Vitoria Guimaraes kam. Eigentlich ist er Verteidiger, hat aber auch Stärken nach vorne. Wie planen Sie mit ihm? 209112(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Soldo: Er spielt die gleiche Position wie Miso Brecko, ist aber offensiver ausgerichtet. Sein letztes Spiel hat er allerdings im Mai in Portugal gemacht. Seitdem hat er individuell trainiert. Das ist aber etwas komplett anderes, als mit einer Mannschaft zu trainieren. Deswegen hat er noch einige Defizite, die er durch harte Trainingsarbeit gerade aufholt. Daran arbeiten wir intensiv.

SPORT1: Der Schuh drückte in der vergangenen Saison ohnehin eher in der Offensive. Jetzt hat auch noch Zoran Tosic den Verein verlassen. Kann ihn der junge Mato Jajalo ersetzen?

Soldo: Man kann die beiden Spielertypen eigentlich nicht vergleichen: Tosic war sehr dribbelstark, Mato hingegen ist ein richtiger Mittelfeldspieler. Jajalo ist Kapitän der kroatischen U-21-Nationalmannschaft und hat bereits Serie A gespielt. Ein weiterer Riesenvorteil ist, dass er die deutsche Sprache beherrscht. Das hat ihm bei der Integration sehr geholfen. Ich habe ihn für die Startelf eingeplant.

SPORT1: Der große Star beim FC bleibt natürlich Lukas Podolski. Wie ist es um ihn bestellt?

Soldo: Lukas hat ein sehr schweres Jahr hinter sich. Ich bin sehr froh, dass er im Sommer eine erfolgreiche Weltmeisterschaft gespielt hat. Deswegen ist er mit einigem Rückenwind hier angekommen. Ich freue mich auf Lukas, erwarte aber auch, dass er mit dem Engagement in Köln spielt, das er bei der Nationalmannschaft zeigt.

SPORT1: Podolski selbst sagt, dass er es verschmerzen könne, nicht gleich am ersten Spieltag zu spielen. Sind Sie seiner Meinung?

Soldo: Man muss da vorsichtig sein. Viele Spieler sind nach großen Turnieren sehr verletzungsanfällig. Wir sollten deshalb nichts überstürzen. Lukas absolviert derzeit ein Sonderprogramm mit unserem Konditionstrainer. Ich werde seine Entwicklung beobachten, aber keinen Druck auf ihn ausüben.

SPORT1: Unter Druck steht Podolski ohnehin. Viele FC-Fans erwarten wahre Wunderdinge von ihm?

Soldo: Die Erwartungen in der Stadt waren einfach zu groß in der vergangenen Saison. Dazu haben wir vom Start weg gegen den Abstieg gespielt. Das war neu für Lukas. Darüber habe ich oft mit ihm gesprochen. Er muss nicht immer etwas Außergewöhnliches machen, nur engagiert sein. Dann kommt alles andere von alleine. An seiner spielerischen Qualität gibt es doch gar keinen Zweifel. Die schlechte Zeit liegt jetzt hinter ihm: Ich erwarte einen ganz neuen Lukas Podolski in der neuen Saison!

Im zweiten Teil des Interviews spricht Soldo über Kölns Offensivabteilung. Hier geht es zum zweiten Teil.

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