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Jürgen Klinsmann feiert gegen den HSV sein Debüt als Vereinstrainer © getty

Die Vorfreude auf das Debüt überwiegt, doch Jürgen Klinsmann kämpft auch mit einigen Problemen.

Von Daniel Rathjen

München - Es steht weder Essen auf dem Tisch, noch riecht es im Mediencenter an der Säbener Straße auffällig danach. Der Raum befindet sich schließlich neben, nicht in der Kantine.

Dennoch begrüßt Jürgen Klinsmann - meist leger in Trainingsanzug gekleidet - die überschaubare Journalistenrunde stets mit einem gepflegten "Mahlzeit!". Immerhin: Genug verbales "Futter" liefert der Trainer des FC Bayern.

Direkt vor dem Saisonstart gegen den Hamburger SV (20 Uhr LIVE ) ist dem 44-Jährigen die Anspannung trotz aller Lockerheit jedoch anzumerken.

Auftritt im "feinen Zwirn"?

Darüber wie er die Bundesliga-Bühne betritt, habe er sich noch keine Gedanken gemacht. "Sicherlich nicht im Trainingsanzug wie in der Vorbereitung, sondern schon entsprechend. So wie sich der FC Bayern das vorstellt", sagt der Coach mit einem Augenzwinkern.

Logisch, er will "positiv starten, ganz normal". Er bewertet die Saisonvorbereitung "insgesamt gut". Dass diese durch diverse Schwierigkeiten alles andere als das verlief, ist ihm aber klar.

Und die Lachfalten, die sich durch seine lebensfrohe Ausstrahlung tief abzeichnen, formen sich in diesen Tagen öfter zu Furchen voller Sorgen.

Buddhas als Bumerang?

Der Druck ist hoch. Nachdem "Klinsi" den zuletzt etwas bieder daher kommenden FC Bayern kräftig umgekrempelt hat und es sich zum Ziel gesetzt hat, auch in Europa für Furore sorgen zu wollen, warten die Kritiker nur auf einen Ausrutscher. Buddhas könnten so zum Bumerang werden.

"Die Situation ist nicht einfach, weil viele Verletzte da sind", erklärt Klinsmann. Gegen den HSV, der in der Allianz Arena noch ungeschlagen ist, fehlen die verletzten Franck Ribery, Luca Toni, Willy Sagnol und Martin Demichelis definitiv.

Tim Borowski und Marcell Jansen sind noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte, bei Hamit Altintop verursacht eine Metallplatte im Sprunggelenk noch Schmerzen.

"Wir müssen es so nehmen wie es ist und das Beste daraus machen, die Mannschaft ist auch so stark genug, um den Auftakt erfolgreich zu gestalten", hofft Klinsmann.

Die Abwehr bröckelt

Fakt ist jedoch: Die Mannschaftsteile sind noch nicht optimal aufeinander abgestimmt, die Abwehr bröckelt, die Spieler sind in unterschiedlichem Fitnesszustand. "Die Aufbauarbeit wird sicherlich noch einige Wochen andauern", verrät der Trainer.

Auch die Fehler aus dem DFB-Pokalspiel gegen Erfurt wurden laut Klinsmann aufgearbeitet. "Drei Gegentore waren unnötig, aber das hat die Mannschaft selbstkritisch erkannt. Wir haben gut gearbeitet."

Die Ungeduld aus dem Umfeld, das ad hoc Erfolge erwartet, nimmt er äußerlich gelassen hin. Er kann sich auch keine Vorwürfe machen. "Die Vorbereitung ist nun mal so abgelaufen. Ganz normal damit umgehen. Ich kann den Faktor der Ungeduld nicht beeinflussen", weiß er.

Mit dem Etikett "Der Visionär" versieht ihn das Stadion-Magazin auf dem Titelblatt. Klinsmann nimmt das zur Kenntnis, möchte aber am liebsten nicht so im Rampenlicht stehen.

Klinsmann bleibt bescheiden

"Am liebsten wäre es mir, wenn ein jubelnder Spieler dort drauf wäre", merkt er bescheiden und glaubhaft an. Ihm sei es egal, welche Bezeichnung ihm verpasst. "Ich mache meinen Job so gut wie möglich", ist sein Credo.

Seine bislang zurückhaltende Art will er auf der Bank zunächst beibehalten. Etwaige Gefühlsausbrüche schließt er aber nicht grundsätzlich aus. "Wenn ich das Gefühl habe, die Dinge werden etwas flüssiger, es herrscht Spritzigkeit in den Bewegungen, dann werde auch ich automatisch explosiver", lacht er.

Beginnend mit dem Spiel gegen den HSV will er nur ohnehin nur noch Ergebnisse sprechen lassen.

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