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Arjen Robben erzielte bei der WM für die Niederlande zwei Treffer © getty

Karl-Heinz Rummenigge fährt wegen Robben eine neue Attacke. Bondscoach van Marwijk glaubt gar an eine Urlaubs-Verletzung.

Von Andreas Kloo

München - Nach der schockierenden Diagnose im Fall Arjen Robbenist der Zorn bei Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge längst noch nicht verflogen.

"Wenn ich ein Auto miete, muss ich das ja auch in einem ordentlichen Zustand zurückgeben - man hat uns Arjen Robben enteignet und dann demoliert wieder in die Garage gestellt", attackiert der 54-Jährige im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" den niederländischen Verband.

Er glaubt, dass die Holländer das wahre Ausmaß der Verletzung vor der WM vertuschen wollten.

Bayern-Untersuchung von Niederländern abgelehnt

"Mir war klar, dass das vielleicht eine Verletzung ist, die man unter der Decke halten will, damit sie nicht von einem anerkannten Fachmann wie Doktor Müller-Wohlfahrt erkannt wird."

Der FC Bayern hätte seinem Vereinsarzt Hans Müller-Wohlfahrt gerne schon vor der WM eine Untersuchung von Robbens lädiertem Oberschenkel ermöglicht. Doch der niederländische Verband lehnte dies ab, wie Rummenigge schildert.

FIFA hält sich raus

Auch mit der Forderung nach einer Entschädigung wird sich der FC Bayern schwer tun. Die FIFA will sich in den Streit nicht einschalten.

Durch die Abstellungsgebühr von 58.500 Euro, die die Münchner für den Zeitraum der WM erhalten haben, sieht der Verband seine Pflicht als erledigt an. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele).

Für Rummenigge ist das nicht akzeptabel: "Die Kosten für unsere Spieler sind mindestens fünf- bis sechsmal so hoch."

Auch von einer Versicherung wird der Rekordmeister kein Geld sehen.

"Wir versichern sie gegen Tod und Invalidität. Es gibt eine Zusatzversicherung, aber die ist so teuer, das steht in keinem Verhältnis", erklärt Rummenigge.

Van Marwijk kontert

Und die Niederländer selbst weisen jegliche Schuld von sich. "Wir haben nichts forciert während der WM, es wurde alles in Absprache mit Arjen getan", wehrt sich Bondscoach Bert van Marwijk im "kicker". (158088DIASHOW: Robbens Verletzungsmisere)

"Dazu kommt, dass er komplett fit aus dem Endspiel gegangen ist. Dieser Muskelriss kommt nicht durch Oranje. Wie sonst hätte er am Ende der Verlängerung gegen Spanien die Sprints machen können, die er gemacht hat?", fügt der Trainer des Vizeweltmeisters hinzu.

Verletzung im Urlaub?

Er glaubt offenbar, dass sich Robben im Urlaub verletzt hat. Den verbrachte der Bayern-Star zusammen mit Mark van Bommel auf der Karibikinsel Aruba.

Van Marwijk stößt damit ins gleiche Horn wie Wunderheiler Dick van Toorn, der Robben nach dessen Muskelfaserriss für die WM fit gemacht hatte.

Gegenüber der "Bild" stellt der Physiotherapeut klar: "Als wir fertig waren, war Arjen 100 Prozent fit."

Von einer aggressiven oder gar gefährlichen Behandlungsmethode will van Toorn nichts wissen.

"Es ist nicht möglich, dass durch meine Methode das Risiko einer neuen Verletzung gestiegen ist. Ich habe schon hunderte Spieler behandelt und es hat immer geklappt", verteidigt sich der 78-Jährige.

Robben-Vater erhebt Vorwürfe

Robbens Vater Hans hat ohnehin einen anderen Schuldigen ausgemacht: die Erasmus-Klinik in Rotterdam, die Robben nach dem Muskelfaserriss untersucht hatte.

"Hätten wir gewusst, dass der Muskel zu 50 Prozent gerissen ist, hätte Arjen die WM nicht gespielt. Erst durch Müller-Wohlfahrt haben wir davon erfahren", kartet Hans Robben nach.

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