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Der gebürtige Gladbacher Michael Frontzeck ist seit Juli 2009 Trainer bei der Borussia © getty

Michael Frontzeck erklärt im SPORT1-Interview die Euphorie rund um die Borussia. Ein Neuzugang hat es ihm besonders angetan.

Von Nikolai Kube

München - 1:0 gegen den FC Liverpool, 4:2 gegen die luxemburgische Nationalmannschaft.

Borussia Mönchengladbach befindet sich wenige Wochen vor dem Bundesliga-Start bereits in erstaunlicher Frühform. (SERVICE: Sommerfahrpläne)

Und die Euphorie rund um den Traditionsklub ist riesig. Zur Saisoneröffnung stimmten sich 60.000 Fans gemeinsam mit ihren Stars auf die neue Spielzeit ein.

Großen Anteil am Gladbacher Aufschwung hat Trainer Michael Frontzeck, der im Juli 2009 in die Fußstapfen von Hans Meyer getreten war.

Saisonziel: Besser als Platz zwölf

Frontzeck übernahm eine Mannschaft, die in der Saison zuvor nur knapp dem Abstieg entkam und führte sie auf einen respektablen zwölften Tabellenplatz.

Nun will die Borussia mehr. Präsident Rolf Königs gab als Ziel bereits eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr aus. (VEREINSSEITE: Borussia M'Gladbach)

Frontzeck will im siebten Teil der SPORT1-Interview-Serie vom internationalen Geschäft allerdings noch nichts wissen.

Zudem spricht der 46-Jährige über die Neuzugänge Igor di Camargo und Mahamadou Idrissou. Dem Saisonauftakt gegen Nürnberg blickt der gebürtige Gladbacher skeptisch entgegen. (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

SPORT1: Herr Frontzeck, Sie haben ihren Vertrag vorzeitig bis 2013 verlängert. Die Arbeit in Gladbach scheint Ihnen Spaß zu machen...

Michael Frontzeck: Ich arbeite grundsätzlich gerne. Aber die letzte Saison verlief nach Plan und hat natürlich Lust auf mehr gemacht. Zudem haben wir unsere Mannschaft zusammengehalten. Wir wollen Kontinuität leben und so hat der Verein aus Überzeugung die Verträge mit einigen Leistungsträgern verlängert.

SPORT1: Knapp 60.000 Fans strömten zur Saisoneröffnung in den Borussia-Park. Unglaublich, oder?

Frontzeck: Wir haben ein tolles Publikum, das uns auch in den schlechten Phasen der vergangenen Spielzeit hervorragend unterstützt hat. Die Vorfreude auf die Saison ist nach der langen Pause riesengroß. Aber diese Zahl ist bei uns nichts Außergewöhnliches. Vergangenes Jahr kamen auch fast 100.000 Zuschauer, allerdings über zwei Tage verteilt.

SPORT1: Sie haben mit ihrem Team den FC Liverpool in der Vorbereitung geschlagen. Was ziehen Sie für Schlüsse aus diesem Test?

Frontzeck: Dass wir Liverpool besiegt haben, hat für mich keine besondere Bedeutung. Viel wichtiger ist, dass die Mannschaft in den Testspielen das umsetzt, was ich ihr vorgebe.

SPORT1: Das hat Ihr Team auch am Mittwoch beim 4:2-Sieg gegen die Nationalmannschaft Luxemburgs. Sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung zufrieden?

Frontzeck: Wir hatten eine sehr intensive Vorbereitung. Die eine oder andere Verletzung, die leider auch durch grobe Fouls zustande gekommen ist, war ärgerlich. Aber insgesamt ist die Mannschaft auf einem guten Weg und gerüstet für eine schwierige Saison.

SPORT1: Präsident Rolf Königs gab als Ziel eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr aus. Kann die Borussia sogar ins internationale Geschäft einziehen?

Frontzeck: Verbessert haben wir uns bereits, wenn wir nur einen Platz nach oben klettern. Ich habe bei meinem Amtsantritt vor einem Jahr gesagt, dass wir uns in den nächsten zwei Jahren in der 1. Bundesliga etablieren wollen. Es wäre nicht seriös zu sagen, "wir greifen jetzt Europa an". Da gibt es einige Vereine, die auch finanziell ganz andere Möglichkeiten haben. Wir sind keine Träumer, sondern Realisten und wollen uns Stück für Stück verbessern.

SPORT1: Helfen dabei soll Neuzugang Igor di Camargo. Er hat sich gleich zu Beginn der Vorbereitung verletzt. Wie geht es ihm?

Frontzeck: Er findet nach seiner Knöchelverletzung jetzt langsam Anschluss, der Heilungsverlauf ist positiv. Leider wird er zum Saisonstart noch nicht dabei sein.

SPORT1: Ist er eine echte Verstärkung?

Frontzeck: Davon bin ich überzeugt. Igor ist ein gestandener Profi und bringt genau das mit, was wir gesucht haben.

SPORT1: Mit Mohamadou Idrissou hat Gladbach einen weiteren offensivstarken Mann dazubekommen. Gegen Luxemburg traf er dreifach. Was schätzen Sie an ihm?

Frontzeck: Er ist ein Spieler, der variabel einsetzbar ist. Zudem hat er vergangene Saison neun Tore für Freiburg erzielt. Ich kenne ihn aus meiner Zeit bei Hannover 96 mit Ewald Lienen. Wir haben ihn verpflichtet, weil Rob Friend nach Berlin gewechselt ist.

SPORT1: Nichtsdestotrotz. Idrissou fiel in der Vergangenheit gelegentlich durch Undiszipliniertheiten auf. Haben Sie sich mit ihm einen Problemspieler ins Boot geholt?

Frontzeck: In Hannover hat er damals mannschaftsintern überhaupt keine Probleme gemacht. Ganz im Gegenteil: Er hat immer ansprechende Trainingsleistungen gebracht. Und auch jetzt ist er schon gut integriert. Sein Privatleben beurteile ich nicht. Mich interessiert nur, wie er sich in der Kabine und auf dem Platz verhält.

SPORT1: Warum haben sich di Camargo und Idrissou schließlich für Gladbach entschieden? Beide hatten einige Angebote von Topklubs vorliegen?

Frontzeck: Gladbach ist ein Traditionsklub mit einem wunderschönen Stadion und einem guten Umfeld. Und auch die letzte Saison hat sicher seinen Teil dazu beigetragen. Ich bin froh, dass sie sich für uns entschieden haben.

SPORT1: Können sich die Fans noch auf weitere Transfers freuen?

Frontzeck: Wir werden definitiv niemanden mehr verpflichten. Die Personalplanung ist abgeschlossen. 209112(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

SPORT1: Zum Auftakt geht's zuhause gegen den 1. FC Nürnberg. Ein Heimspiel gegen einen vermeintlichen Abstiegskandidaten. Ideal, um die ersten drei Punkte einzufahren, oder?

Frontzeck: Nürnberg hat letztes Jahr verdient den Klassenerhalt geschafft. Ich weiß, dass es eine extrem schwierige Aufgabe und ein unangenehmes Spiel wird.

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