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Gegen Bielefeld glück- und erfolglos: Schalke-Stürmer Kevin Kuranyi © getty

Bielefeld zeigt Schalke mit einer engangierten Defensiv-Leistung die eigenen Schwächen auf. Trainer Fred Rutten übt Kritik.

Von Julian Ignatowitsch

München - Bielefeld schien den Schalkern nach dem starken Auftritt im UEFA-Cup, dem 3:1-Sieg gegen Paris St. Germain, als Lieblingsgegner gerade recht zu kommen.

Achtmal in Folge hatten die Königsblauen seit 2004 gegen die Arminia gewonnen. Genau der richtige Gegner also, um nach drei sieglosen Spielen in der Liga wieder Fuß zu fassen.

Denkste!

Denn die Ostwestfalen zeigten den Gelsenkirchenern unverkennbar, wo ihre größte Schwäche liegt: in der Offensive.

"Mit zehn Mann auf der Linie"

Beim 0:0 verteidigte Bielefeld 90 Minuten lang tapfer und trieb Schalke damit zur Verzweiflung.

"Sie kommen hier her, stellen sich nur hinten rein und spielen keinen Fußball", klagte Jermaine Jones. "Wir haben uns Chancen herausgespielt, aber derzeit fehlt einfach das Quäntchen Glück."

Selbst eine halbe Stunde in Überzahl, nach der Gelb-Roten Karte wegen wiederholten Foulspiels von Jonas Kamper (60.), konnten die Gastgeber nicht zu ihren Gunsten nutzen. "Da hätte sich Bielefeld dann auch gleich mit zehn Mann auf die Linie stellen können", meinte Jones.

Eklatante Schwächen im Abschluss

Schalke offenbarte einmal mehr eklatante Schwächen im Abschluss.

Kevin Kuranyi, der nach seinem Traumtor gegen Paris am Donnerstag noch frenetisch von den Fans gefeiert wurde, bestätigte das scheinbar neugefundene Selbstbewusstsein nicht und verschwand nach dem Spiel wortlos.

Bei Neuzugang Jefferson Farfan zeigt sich nach nun fünf Ligaspielen ohne Tor immer deutlicher, dass er nicht der klassische Torjäger ist, den Schalke eigentlich bräuchte. Und Halil Altintop hat in seinen drei Jahren auf Schalke nie zu der Konstanz aus seiner Zeit beim 1. FC Kaiserslautern gefunden.

Nur zwölf Tore in neun Spielen

Schalke fehlt ein eiskalter Vollstrecker. Nur zwölf geschossene Tore in neun Bundesliga-Spielen sind der beste Beweis.

Während bei den schmeichelhaften 1:0-Siegen gegen Bochum und Frankfurt noch Heiko Westermanns Kopfballstärke oder gleich der Gegner selbst (Eigentor Patrick Ochs) das Problem bei Seite wischten, kam den glücklosen Stürmern diesmal niemand zur Hilfe. Westermann hatte sich gegen Paris am Sprunggelenk verletzt und musste sich das Spiel gegen seinen ehemaligen Verein von der Tribüne aus ansehen.

"Ich bin unzufrieden mit dem Ergebnis. Wenn man gewinnen will, muss man Tore machen", kritisierte sogar der sonst so ruhige Trainer Fred Rutten in Richtung seiner Angriffsreihe. Klagen, die man noch allzu gut von Ex-Trainer Mirko Slomka kennt.

Bielefeld: engagierte Defensiv-Leistung

Bei aller berechtigten Kritik an der Schalker Offensive darf man aber auch nicht die engagierte Defensiv-Leistung der Bielefelder und ihren an diesem Tag hervorstechenden Schlussmann Dennis Eilhoff vergessen.

"Kämpferisch waren wir sehr stark. Dennis war überragend", lobte Arminen-Trainer Michael Frontzeck.

Frontzeck freute sich über "die passende Antwort nach der schlechten Leistung in Wolfsburg und einen ganz wichtigen Punkt vor dem schweren Spiel gegen Cottbus am Dienstag."

Wichniarek erfolgreicher als S04-Angriff

"Wenn wir elf gegen elf zu Ende gespielt hätten, wäre vielleicht sogar noch mehr drin gewesen", mutmaßte der Coach.

Tatsächlich tauchten die Bielefelder gerade in der ersten Halbzeit mit Kontern immer wieder gefährlich im Schalker Strafraum auf. Artur Wichniarek vergab in der 30. Minute die bis dahin größte Chance des Spiels, als er einen Flugkopfball nur knapp neben das Tor setzte.

Der Pole hat mit seinen sechs Saisontoren bislang mehr Treffer erzielt als der gesamte Schalker Angriff zusammen.

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