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Heribert Bruchhagen ist seit 2003 Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt © imago

Heribert Bruchhagen spricht im achten Teil der SPORT1-Interview-Serie über Kontinuität, verdiente Spieler und Ziele.

Von Christian Stüwe

München - Die launische Diva ist sesshaft geworden, die unsicheren Jahre als Fahrstuhlmannschaft gehören längst der Vergangenheit an.

Vor fünf Jahren stieg Eintracht Frankfurt aus der Zweiten Liga auf, die dauerhafte Etablierung in der Bundesliga gelang den Hessen im Gegensatz zu anderen Traditionsklubs.

Mittlerweile gehört die Mannschaft aus der Bankenmetropole zum gehobenen Mittelfeld der Liga. In der Vorbereitung ist die Mannschaft von Trainer Michael Skibbe noch ungeschlagen, selbst Teams wie Chelsea und Palermo wurden besiegt.

Großen Anteil daran, dass Ruhe und Erfolg an den Main zurückgekehrt sind, hat Heribert Bruchhagen.

Vor sieben Jahren übernahm Bruchhagen den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei der Eintracht, "Kontinuität und wirtschaftliche Vernunft" bezeichnet er als seine großen Ziele.

Nur einmal wurde der Trainer getauscht, den Kern der Mannschaft bildet das Aufstiegsteam von 2005.

Im achten Teil der SPORT1-Interview-Serie spricht Bruchhagen über die Entwicklungen bei der Eintracht, die Saisonziele, langjährige, verdiente Spieler und Talente. (SERVICE: Sommerfahrpläne)

SPORT1: Herr Bruchhagen, die Eintracht überzeugt bisher in den Testspielen. Macht Sie das optimistisch für die anstehende Saison?

Heribert Bruchhagen: Das hat nur wenig Aussagecharakter. Ich beziehe meinen Optimismus vielmehr daraus, dass wir mit einer komplett eingespielten Mannschaft in die neue Saison gehen.

SPORT1: Es wird oft von der stärksten Eintracht-Mannschaft seit Jahren gesprochen. Sehen Sie das genauso?

Bruchhagen: In der Vorbereitung schätzen sich alle Vereine höher ein, als in der Saison zuvor. Das ist jedes Jahr so. Und am Ende sind dann von 18 Vereinen zwölf enttäuscht.(VEREINSSEITE: Eintracht Frankfurt)

SPORT1: Die Eintracht hat vor dieser Saison finanziell etwas mehr riskiert. Trotzdem wird nicht von der Europa League gesprochen. Ist das internationale Geschäft kein realistisches Ziel?

Bruchhagen: Ich denke, dass die Medien eine realistische Einschätzung vornehmen. Wenn man die Berichte liest, findet man uns auf den Plätzen, auf denen wir uns auch erwarten.

SPORT1: Was ist denn für Sie ein realistisches Saisonziel?

Bruchhagen: Zu den wesentlichen Merkmalen einer realistischen Einschätzung gehört, dass man die Saisonziele an den wirtschaftlichen Möglichkeiten ausrichtet.

SPORT1: Also wird die Eintracht wieder um den zehnten Platz spielen?

Bruchhagen: Das wird sich zeigen. Auf einen Platz will ich mich nicht festlegen.

SPORT1: Aber es sollen schon mehr als die 46 Punkte aus der vergangenen Saison werden?

Bruchhagen: Das muss man sehen. Das hängt auch davon ab, inwieweit sich die Spitzenmannschaften verstärken und zulassen, dass man gegen sie Punkte holt. Man kann mit 45 Punkten Tabellenachter werden und man kann mit 45 Punkten Tabellenzwölfter werden. Das entscheidet am Ende die Qualität der Aufsteiger und die der Mannschaften, die um die Spitze spielen.

SPORT1: Wo sehen Sie Möglichkeiten, sich sportlich zu verbessern?

Bruchhagen: Wir müssen uns unter Umständen schon weiterentwickeln, um unseren Status quo zu halten. Und wenn die anderen sich besser weiterentwickeln, können wir möglicherweise trotz einer guten Entwicklung einen schlechteren Tabellenplatz erreichen.

SPORT1: Der Kern der Mannschaft ist seit dem Wiederaufstieg 2004/05 zusammen. Für Bundesliga-Verhältnisse ist das eher ungewöhnlich. Ist das ein Erfolgsgeheimnis?

Bruchhagen: Eine Studie hat ergeben, dass wir uns zusammen mit Hoffenheim in den letzten sieben, acht Jahren am Meisten weiterentwickelt haben. Da spielt Kontinuität sicherlich eine große Rolle. Kontinuität ist etwas, worauf wir sehr achten. Und Sie werden sehen, dass in der Anfangsformation der kommenden Saison sieben, acht Spieler stehen werden, die schon vor fünf Jahren mit Friedhelm Funkel aufgestiegen sind.

SPORT1: Spieler wie Alex Meier, Patrick Ochs oder Marco Russ haben sich zu starken Bundesligaspielern entwickelt. Ist es eine Möglichkeit, Spielern Zeit zu geben, wenn man keine hohen Ablösesummen zahlen möchte?

Bruchhagen: Wir hatten ja gar keine andere Chance. Als wir vor sieben, acht Jahren angetreten sind, lagen wir sportlich danieder und hatten Schulden. Diese Spieler, dazu gehören auch Oka Nikolov, Chris, Alex Vasoski, Benjamin Köhler und Ioannis Amanatidis, haben dazu beigetragen, dass wir den Turnaround geschafft haben.

SPORT1: Mit Sebastian Jung, Sebastian Rhode und Sonny Kittel stehen nun wieder hoffnungsvolle Talente im Kader. Können Sie einen ähnlichen Weg gehen?

Bruchhagen: Das hoffen wir. Sebastian Jung hat den Sprung schon geschafft. Er ist wirklich einer unserer Leistungsträger. Kittel ist 17 Jahre alt, da muss man noch abwarten. Auch Rode ist ein Talent. Aber wir haben schon viele Talente gehabt, die heute in der Zweiten oder Dritten Liga spielen. Sie müssen an sich arbeiten.(DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

SPORT1: Sie haben gerade schon Nikolov und Chris erwähnt, die sehr lange dabei sind. Was macht es für die Spieler interessant, so lange bei der Eintracht zu bleiben?

Bruchhagen: Ich denke mal, dass wir ein Verein sind, der sich auf das Wesentliche konzentriert. Das Wesentliche heißt, das, was auf dem Platz stattfindet, wird beurteilt. Wir verzichten vielfach doch auf Ballyhoo. Wir kommen auch nicht der Versuchung nach, wenn mal Angebote für Spieler kommen. Für Chris und Nikolov hatten wir Angebote. Aber wir sind nicht bestrebt, Spieler zu verkaufen. Diejenigen, die menschlich und sportlich zu uns passen, die behalten wir.209112(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

SPORT1: Sie selber sind auch schon seit 2003 dabei. Was möchten Sie mit der Eintracht noch erreichen?

Bruchhagen: Mein Ziel ist es, dass man anerkennt, dass Kontinuität und wirtschaftliche Vernunft Dinge sind, die eine stärkere Bedeutung bekommen. Dies ist auch ein Tool im Marketing.

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