vergrößernverkleinern
Louis van Gaal (l. mit Bastian Schweinsteiger) ist seit 2009 Trainer beim FC Bayern © getty

Der Erfolg über Schalke hat Bayern-Trainer Louis van Gaal in seiner Meinung bestärkt. Sein Team brauche keine Neuzugänge.

Vom Supercup berichtetMathias Frohnapfel

Augsburg - Louis van Gaal schritt mit Konfetti im Haar durch den Stadionbauch in Augsburg 272113(die Bilder).

Es war das sichtbarste Zeichen für den jüngsten Erfolg des Bayern-Trainers.

Denn den 2:0-Sieg im Supercup über Schalke nahm van Gaal am Samstagabend stolz, aber auch mit einer gewissen Routine zur Kenntnis.

"Ich glaube, dass die Mannschaft weiter ist als im Vorjahr. Jeder Spieler in meinem Kader weiß mittlerweile, was er machen muss", berichtet der Niederländer.

Aus dem Mund von van Gaal, der am liebsten von seiner Arbeit als einem Prozess spricht, klang das fast wie eine Drohung an die Liga.

Schalker Trainingsvorsprung ohne Nutzen

Durch späte Tore von Thomas Müller (75.) und Miroslav Klose (81.) bezwang der FCB die Schalker. Da nützte der ganze Trainingsvorsprung der "Knappen" nichts, die nur vier Profis zur WM entsandt hatten .

Die elf deutschen und niederländischen WM-Fahrer der Bayern sind dagegen erst seit einer Woche wieder im Training und doch dominierten sie den Vizemeister, als ob sie die WM auf der Playstation und nicht in Südafrika gespielt hätten.

Obendrein konnte sich van Gaal den Luxus erlauben, Kapitän Mark van Bommel, Dribbelkünstler Franck Ribery und Stürmer Mario Gomez in München zu lassen.

Die drei kamen dann am Sonntag beim Showspiel über zweimal 20 Minuten gegen die "Fitness First Winterstars" zum Einsatz.

Gegen die Auswahl aus Winter- und Behindertensportlern kam der Rekordmeister zu einem lockeren 11:1-Sieg. Ribery, Toni Kroos und Gomez trugen sich dann auch prompt in die Torschützenliste ein.

"Lieber verkaufen als kaufen"

Van Gaal hat also die Qual der Wahl. "Ich will eher noch Spieler verkaufen als kaufen", berichtete er nach Spielschluss in Augsburg gutgelaunt 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele).

Daran änderte auch nichts, dass Innenverteidiger Martin Demichelis angeschlagen vom Feld musste.

Ein Neuer, meinte van Gaal, müsste sich schließlich erst wieder an alles gewöhnen.

Solche Sorgen möchte ich gerne haben, dürfte sich da Felix Magath gedacht haben.

Vor der Pressekonferenz drückte er van Gaal fest die Hand, schickte ein "Gratulation" zum ersten Saisontitel hinterher.

[image id="4cbe1499-65b7-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Dann analysierte er die Schalker Schwächen. In den ersten 45 Minuten sei er sehr unzufrieden gewesen, gab Magath zu. Die Bayern spielten, die Schalker liefen, und zwar meist hinterher.

Magath krittelt an Qualität

"Vor allem die erste Halbzeit hat gezeigt, dass die Qualität gegen ein Top-Team nicht ausreicht", kritisierte der S04-Coach scharf.

Wer mitverfolgt hat, wie der Schalker Trainer und Manager in den vergangenen Wochen um jeden Transfer kämpfte, ahnte, was folgte.

"Wir müssen personell aufrüsten, um in der Meisterschaft mit Bayern mithalten zu können", forderte er.

Als Kandidaten gelten Guillaume Hoarau (Paris St. Germain), Ibrahim Afellay (PSV Eindhoven), Zvjezdan Misimovic (VfL Wolfsburg), Aleksandar Ignjovski (1860 München) sowie Ciljan Skjelbred von Rosenborg Trondheim.

Schalker selbstkritisch

Die Schalke-Spieler gaben ihrem Trainer größtenteils Recht. "Zu viele Ballverluste", konstatierte Neuzugang Christoph Metzelder.

Er selbst hatte Schwierigkeiten, Müller in den Laufduellen zu folgen, weshalb er auch meinte: "Bayern hat uns dominiert."

Torhüter Manuel Neuer stellte zudem fest, dass Schalke seine - wenigen - Chancen nicht genutzt habe. "Dafür wurden wir bestraft."

Lediglich Superstar Raul, vor einer Woche im LIGA-total-Cup noch doppelter Torschütze beim 3:1-Sieg über Bayern, verbreitete Optimismus.

Raul optimistisch

"Ich hätte gerne gewonnen, aber nach dem 1:0 für die Bayern wurde es sehr schwer. Wir können aber um die Meisterschaft kämpfen", sagte der Spanier.

Durch die Niederlage gehen Schalke 100.000 Euro durch die Lappen. Schalke erhält 400.000 Euro für die Finalteilnahme, die siegreichen Bayern werden mit 500.000 Euro belohnt.

Viel mehr als dieser finanzielle Schub dürften die Crew des Rekordmeisters aber die Erkenntnisse aus der ersten echten Standortbestimmung erfreuen.

Die da lauten: Die Aufregung um die Folgen der kurzen Vorbereitung könnte umsonst gewesen sein, und auch ohne teure Neuzugänge erscheint das eingespielte Team weiterhin wettbewerbsfähig.

"Schalke konnte das Tempo der ersten Halbzeit nach der Pause nicht mehr halten. Wir haben im Urlaub nicht viel Kondition verloren", sagte Bastian Schweinsteiger.

Lust auf Fußball steigt

Torschütze Thomas Müller hatte zumindest nichts von seiner Spielfreude verloren, gestand aber nach dem Spiel:

"Am Ende war ich ziemlich platt, vor allem in der letzten Viertelstunde, da hat dann auch etwas die Konzentration gefehlt."

Und er fügte an: "Es war wichtig, dass wir den ersten Titel in der Tasche haben. Ich habe nach den drei Wochen Urlaub wieder richtig Lust auf Fußball."

Den Bayern-Bossen dürfte es ähnlich ergehen.

Schalkes Trainer Magath muss dagegen nach den Abgängen von Kevin Kuranyi, Heiko Westermann und Rafinha weiter am Puzzle seines neuen Teams arbeiten.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel