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Werder Bremen verpflichtete Marko Arnautovic von Twente Enschede © getty

Werder Bremens Manager Klaus Allofs droht dem 6,5-Millionen-Neuzugang schon vor dem Saisonstart indirekt mit dem Rauswurf.

Von Martin Hoffmann

München - Klaus Allofs war bei Marko Arnautovics Verpflichtung schon klar, dass der Österreicher "für die eine oder andere Geschichte sorgen wird".

Wie schnell der als schwierig geltende Stürmer diese Geschichten liefern würde, hatte der Manager von Werder Bremen aber wohl nicht geahnt.

Der Neuzugang von Twente Enschede, der im vergangenen Jahr an Triple-Gewinner Inter Mailand verliehen war, hat noch nicht ein Pflichtspiel für Bremen bestritten (DATENCENTER: Bremens Spielplan).

Doch schon sieht sich Allofs gezwungen, den 6,5-Millionen-Mann in bemerkenswerter Manier öffentlich zur Ordnung zu rufen - und ihm dabei indirekt sogar den Rauswurf anzudrohen 209112(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse).

"Noch eine Schonfrist"

"Wir gewähren Marko noch eine Schonfrist", zitiert die "Bild" Allofs: "Wenn er nicht verinnerlicht, dass wir nur als Gemeinschaft bestehen können, hat er keine Zukunft bei Werder."

Deutlicher hätte er nur werden können, hätte er noch selbst ein "Rumms!" hinzugefügt.

"Marko ist zu außergewöhnlichen Dingen fähig", betont Allofs zwar: "Aber er muss lernen, sich einzufügen. Da hat er Nachholbedarf."

Frings: "Eigenwillige Art"

Erste Einblicke in Arnautovics Integrationsschwierigkeiten hatte vor kurzem schon Kapitän Torsten Frings gegeben.

Der hatte Arnautovic via "kicker" angeknurrt: "Er hat eine eigenwillige Art, die wird speziell in Bremen nicht gut ankommen."

Arnautovic diskutiere viel, winke oft ab: "Er muss so ein Zwischending finden, dass er nicht so arrogant wirkt."

Angeblich Fitness-Defizite

Kurz darauf wurde eine Episode öffentlich, als Arnautovic bei einem Trainingsspiel nicht mit einer Schiedsrichterentscheidung von Thomas Schaaf klarkam.

Er wurde vom Trainer zu Liegestützen verdonnert, als er den Ball wegschlug - und zu Strafrunden, als er danach immer noch meckerte.

Derartige Temperamentsausbrüche sind aber offenbar nicht das einzige, was Arnautovic in Bremen vorgeworfen wird.

Laut "Bild" ist er mit Fitness-Defiziten aus dem Urlaub angereist, nun wird ihm sein lustloser Auftritt bei der 1:5-Testpleite gegen den FC Fulham angekreidet.

Bentley-Klau und Tunnel-Spott

Schon jetzt hat der Angreifer bei der Zeitung den Beinamen "Null-Bock-Ösi" weg.

Auch die Boulevard-Blätter in anderen Ländern hatten ihre helle Freude an Arnautovic und den kleinen und großen Geschichten, die er schrieb.

Da war etwa die Sache mit dem Bentley, von Inter-Kollege Samuel Eto'o, den Arnautovic kaufen wollte - sich dann aber stehlen ließ, als er ihn zur Probe fuhr.

Oder die Story mit Lucio, den er im Training getunnelt und ihn danach verspottet haben soll.

Kein Gruß für den Ex-Nationalcoach

Und die Episode mit dem ehemaligen österreichischen Nationaltrainer Josef Hickersberger, der halb amüsiert, halb pikiert ausplauderte, dass Arnautovic ihn bei einem Besuch in Mailand grußlos stehen ließ:

"Naja, er ist noch jung, vielleicht kannte er mich nicht."

Auch Jose Mourinho - den er angeblich auch nicht gegrüßt hat - nannte seinen Ex-Schützling "schwierig" und attestierte ihm die "Denkweise eines Kindes".

Unter anderem, weil sich Arnautovic während einer Verletzungspause fünfmal die Woche in Mailands Nachtleben stürzte - wie er selbst zugegeben hat.

Spielerisches Genie

Arnautovic sieht sich selbst nicht als schwierig, sondern als "offen und direkt".

Aber er ist ein Charakter, der aneckt und auf den ersten Blick so gar nicht ins hanseatisch kühle Bremen passt.

Werder ist das Wagnis etrotzdem ingegangen, weil dieser komplizierte Charakter im Paket mit spielerischem Genie geliefert wird.

Der 1,90-Meter-Mann ist ein Allround-Talent, das Schnelligkeit mit Torinstinkt, Durchsetzungsstärke mit technischer Beschlagenheit sowie teils brillanten Eingebungen paart.

Der "mit Abstand beste Fußballer", der in den vergangenen 30 Jahren Österreichs Plätze beehrte, ist Arnautovic sogar für den Ex-Bremer Andreas Herzog:

"In Europa gibt es in dieser Jahrgangsstufe keine fünf besseren Spieler."

Schaaf hat "große Hoffnungen"

"Etwas Besonderes" sieht auch Schaaf in ihm. Etwas, was "große Hoffnungen" in ihm wecke. Und der Coach denkt weiterhin: "Wir werden das schon hinbekommen, dass ihn alle lieb haben werden."

Doch dazu muss Arnautovic ernst meinen, was er vor kurzem in einem Interview erklärt hatte:

"Ich will hier nicht den Star spielen, sondern mit Leistung überzeugen."

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