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Mesut Özil hat bislang für Bremen 13 Tore in 71 Bundesligaspielen erzielt © imago

Bremens Spielmacher soll schon vor Wochen einen Vierjahresvertrag ausgehandelt haben. Er selbst "weiß davon nichts".

Von Martin van de Flierdt

München - Klaus Allofs spricht Klartext:

"Meldungen über eine Einigung mit Barcelona sind Unsinn. Es liegen uns noch keine Angebote für Mesut Özil vor."

Dies muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, denn von diesen Meldungen gibt es an diesem Dienstag gleich mehrere. Bei "El Mundo deportivo", "Sport" oder der angesehenen "La Vanguardia", allesamt Zeitungen, die dem FC Barcelona sehr nahe stehen. Sie alle verbreiten, dass Özil auf dem Sprung zum FC Barcelona steht.

Es fehle nur noch, dass Barca-Coach Pep Guardiola den Daumen hebt, um den Wechsel des Bremer Spielmachers zu ermöglichen. Die Meldungen besaßen keinerlei Zitate irgendeines Klubverantwortlichen. Doch wäre man ohne Allofs deutliches Dementi geneigt gewesen, sie nicht sofort als blanken Unsinn abzutun.

Schließlich ist es durchaus gängige Praxis, dass Medienvertretern nur unter der Bedingung Informationen "gesteckt" werden, dass der Informant weder ein direktes Zitat noch seinen Namen in der dazugehörigen Geschichte lesen wird.

Die "Mundo deportivo" vermeldete, dass Özil für die Klub-Oberen nicht nur die einzige passende Alternative zu Cesc Fabregas sei, dessen Wechsel von Arsenal zurück zu den Katalanen geplatzt ist. Nein, sie seien sich mit dem deutschen Nationalspieler auch seit bereits drei Wochen einig, und zwar über einen Vierjahresvertrag.

Angebliches Einverständnis

Auch mit Werder habe sich Barca bereits verständigt. Für Özil werde eine Ablösesumme von zwölf Millionen Euro fällig, nur rund ein Drittel des Geldes, das der Verein für Fabregas zu zahlen bereit war. Ein Schnäppchen, findet die Sportzeitung.

Die "Vanguardia" sieht dagegen zwar eine mündliche Einigung mit Özil als gegeben an, die Verhandlungen mit Werder steckten aber "noch im Embryonalstadium". Sie würden erst vorangetrieben, wenn sich Trainer Guardiola entsprechend äußert. Dass er das tut, gilt keineswegs als sicher.

Denn mit seinem bisherigen Aufgebot ist der 39-Jährige beinahe voll und ganz zufrieden. Was ihm noch vorschwebt, ist ein Spieler mit Perspektive (die hat Özil auf alle Fälle), der sich mit dem Status des Ergänzungspielers zufrieden gibt (davon kann man bei Özil nicht ausgehen).

Guardiola tendiert zu Nachwuchsmann

Deshalb tendiert Guardiola eher dazu, einen Spieler aus der vorbildlichen eigenen Nachwuchsschule in den Kader der ersten Mannschaft zu befördern. Nicht weniger als 17 Eigengewächse hat Barcelona auf seine Asienreise mitgenommen.

Thiago Alcantara, U-19-Vizeweltmeister mit der französischen Auswahl, gilt als Guardiolas Favorit. Schlägt sich der Mittelfeldmann am Samstag beim Hinspiel um den spanischen Supercup gegen den FC Sevilla gut, sei Özil zumindest für die laufende Saison in Barcelona kein Thema mehr, heißt es.

Das ist er auch nicht bei Manchester United, auch wenn dessen Trainer Sir Alex Ferguson bei der deftigen Bremer 1:5-Schlappe beim FC Fulham Tribünengast war. "Im Moment haben wir eine tolle Mannschaft", bestritt er anschließend jegliches Interesse an Özil. "Ich vertraue meinen Spielern."

Özil "weiß davon nichts"

Dagegen soll der englische Double-Sieger FC Chelsea nach einem Bericht der seriösen "Times" bereit sein, 15,6 Millionen Euro für den Bremer locker zu machen. "Ich weiß davon nichts", sagte Özil selbst nach dem Vormittagstraining der "Bild" zu den Transfergerüchten. "Ich habe mit niemandem gesprochen.?

Dabei muss es allerdings nicht bleiben, wie Allofs vermuttet: "Es kann schon sein, dass die Geschichte jetzt Fahrt aufnimmt."

Denn wenn Özil Mitte nächster Woche erst einmal in der Champions-League-Qualifikation gegen Sampdoria Genua für Bremen aufgelaufen und in diesem Wettbewerb für andere Klubs nicht mehr spielberechtigt ist, ist er für die europäischen Topvereine deutlich weniger interessant.

"Ich laufe aber jetzt nicht ständig zum Fax oder bekomme feuchte Hände, wenn ich meine E-Mails abrufe", meint Allofs schmunzelnd. "Wir wollen in erster Linie eine gute Mannschaft haben, zu der auch Mesut gehören würde. Es wäre kein Beinbruch, wenn nichts mehr geschieht."

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