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Lewis Holtby ist derzeit von Schalke nach Mainz ausgeliehen © imago

Lewis Holtby ist von einer erfolgreichen Saison mit Mainz überzeugt. Unter Trainer Tuchel hofft er auf den nächsten Karriereschritt.

Von Matthias Becker

München - Aachen, Schalke, Bochum und jetzt Mainz:

Lewis Holtby lernt gerade seinen vierten Profi-Klub kennen - und das als 19-Jähriger.

Dabei schien nach Holtbys Wechsel zu den Schalkern der Weg vorgezeichnet. Doch statt auf eine Berufung in die erste Elf zu warten, ließ Holtby sich von Bochum ausleihen.

Der Vertrag galt aber nur für die Bundesliga, so dass Holtby nach dem VfL-Abstieg ein neues Team suchte: Mainz.

Die Rheinhessen setzen in der Vorbereitung auf die Flügelzange Holtby und Andre Schürrle - und Holtby hofft, den nächsten Schritt zu machen. (DATENCENTER: Der Mainzer Spielplan)

In der SPORT1-Interview-Serie spricht Holtby darüber, warum er sich erneut ausleihen ließ und auf eine mögliche Chance bei Schalke verzichtete. (DATENCENTER: Der Mainzer Spielplan)

Zudem beschreibt er die besondere Arbeitsweise von Trainer Thomas Tuchel und erklärt sein Hobby "Twittern".

SPORT1: Herr Holtby, auf Schalke hätten Sie theoretisch Champions League spielen können, Sie haben sich aber bewusst dafür entschieden, zum FSV Mainz 05 verliehen zu werden. Warum eigentlich?

Lewis Holtby: Weil ich überzeugt bin, dass ich unter dem Trainer Thomas Tuchel in diesem Jahr meine beste Entwicklung erreichen kann. Ich freue mich riesig darauf, denn der Trainer hat mich wirklich beeindruckt.

SPORT1: Felix Magath ist aber auch ein Trainer, der dafür bekannt ist, jungen Spielern eine Chance zu geben. Haben Sie mit ihm darüber geredet, und er hat Ihnen zu verstehen gegeben, dass die Chancen auf Spielpraxis anderswo höher sind? Oder wie lief das ab?

Holtby: Es war eigentlich von vorneherein klar, dass ich für eineinhalb Jahre nach Bochum verliehen werde. Aufgrund des Abstiegs mussten wir uns mit dem Thema dann aber neu auseinander setzen, weil mein Vertrag in Bochum nur für die Bundesliga galt. Für mich war klar, dass ich erst mal noch ein Jahr Spielpraxis sammeln und woanders Fuß fassen will. Ich hatte mit Herrn Magath ein sehr gutes Gespräch, und er hat meiner Einschätzung zugestimmt. Auch seiner Ansicht nach war Mainz 05 die richtige Entscheidung.

SPORT1: Thomas Tuchel ist bekannt dafür, sehr akribisch zu arbeiten und eine sehr klare Vorstellung von dem Fußball zu haben, den seine Mannschaft spielen soll. Wie haben Sie die ersten Wochen der Vorbereitung unter ihm erlebt?

Holtby: Die waren sehr gut. Er besitzt eine perfekte Mischung aus Autorität und der Fähigkeit, der Mannschaft viel Vertrauen zu geben. Das genieße ich jeden Tag im Training. Die Mannschaft hat eine hohe Qualität und kann einfach gut kicken. Deshalb bin ich auch gewechselt.

SPORT1: Eugen Polanski hat vergangene Saison gesagt, um bei Tuchel im Training mitzukommen, bräuchte man Abitur. Ist es denn wirklich so kompliziert?

Holtby: Eigentlich nicht. Im ersten Moment kommt es einem bei manchen Spielformen so vor, das da schon neue Sachen sind. Aber man gewöhnt sich ziemlich schnell daran. Wie im Spiel auch muss man hellwach und konzentriert auf die nächste Aufgabe sein. Ich habe mich sehr gut anpassen können und fühle mich sehr wohl.

SPORT1: Am Sonntag geht es mit dem Pokalspiel beim Berliner AK ins erste Pflichtspiel. Wo steht Ihre Mannschaft leistungsmäßig?

Holtby: Ich bin mit der Mannschaft sehr zufrieden. Alle arbeiten sehr hart und diszipliniert mit, wir haben auf jeder Position Qualität und sind zweifach gut besetzt. Auch die Testspiele waren alle erfolgreich. Mit meiner eigenen Leistung bin ich zufrieden, aber es geht immer noch besser. Der Fokus richtet sich jetzt schon auf dieses erste Pflichtspiel.

SPORT1: Manager Christian Heidel hat von der jungen Flügelzange mit Ihnen und Andre Schürrle im 4-2-3-1 geschwärmt. Ist das Ihre Idealposition?

Holtby: Ich spiele natürlich da, wo der Trainer mich hinstellt. Aber im Moment bin ich schon zufrieden, dass Andre Schürrle und ich die Flügelzange bilden könnten. Wir verstehen uns gut und spielen ähnlich. Das würde schon sehr gut passen.

SPORT1: Mit Sami Allagui hat Mainz noch einen erfahrenen Zweitliga-Torjäger dazubekommen. Welchen Eindruck machen die übrigen Neuzugänge auf Sie?

Holtby: Allagui kenne ich ja noch aus Zweitliga-Zeiten. Der weiß einfach, wo das Tor steht, knippst und ist schnell. Das ist eine richtig gute Verpflichtung für uns. Die anderen Neuzugänge ziehen aber auch alle richtig gut mit und verstehen sich gut mit der Mannschaft. In den Testspielen haben sie schon gezeigt, dass sie alle Qualität haben. Die Verantwortlichen haben ein gutes Näschen gehabt, und ich freue mich einfach auf die Saison.

SPORT1: Mainz hat in der vergangenen Saison mit Platz neun als Aufsteiger ein außerordentlich gutes Jahr erwischt. Ist das schon der Optimalfall für diesen Klub, kann man das überhaupt wiederholen?

Holtby: Normalerweise müsste ich jetzt drei Euro ins Phrasenschwein werfen, aber: Im Fußball ist alles möglich. Es steckt so viel Qualität und Bereitschaft in der Truppe, dass wir das Gleiche wie in der vergangenen Saison abliefern könnten. Und warum sollte es nicht sogar noch besser laufen?

SPORT1: Das Auftaktprogramm in der Bundesliga ist allerdings happig. Innerhalb der ersten sechs Spieltage warten Stuttgart, Wolfsburg, Bremen und Bayern. Könnte es für die sehr junge Mannschaft ein Problem werden, wenn die Punkte am Anfang der Saison fehlen?

Holtby: Natürlich wird das nicht einfach. Aber wir wollen einfach von Spiel zu Spiel gehen und sind heiß auf die Gegner. Ich will keine Prognosen abgeben, wir wollen einfach jedes Spiel gewinnen und das Beste rausholen. Dann können wir ja noch mal reden.

SPORT1: Passend zum jungen Alter sind Sie einer der Profis, der auf Facebook und Twitter besonders aktiv ist. Gibt es da vom Trainer eigentlich Richtlinien, oder vertraut der Ihnen in dem Zusammenhang?

Holtby: Bis jetzt habe ich noch nichts gehört. Für mich ist aber ohnehin klar, dass ich keine Interna aus der Mannschaft preisgebe. Es geht nur darum, oberflächlich aus dem Leben eines jungen Profis zu berichten, um die Fans ein bisschen neugierig zu machen.

SPORT1: Wie viel Follower haben Sie denn da?

Holtby: Momentan sind es über 4000. Ich versuche mich beim Schreiben immer in die Situation reinzuversetzen, dass ich ein Fan wäre und mich für einen Spieler interessiere und gerne einen Einblick hätte. Das gab es früher so nicht, und deshalb finde ich das eine gute Sache.

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