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Armin Veh wurde in der Vorsaison beim Vfl Wolfsburg entlassen © imago

In Teil 13 der SPORT1-Interview-Serie spricht Armin Veh über die Herzensangelegenheit HSV und Gerüchte um Aogo und Elia.

Von Martin van de Flierdt

München - Beim HSV sehnt man sich endlich nach Kontinuität. Der neue Trainer Armin Veh ist der siebte Coach bei den Hamburgern innerhalb von sieben Jahren.

Nach dem enttäuschenden siebten Platz in der Vorsaison soll der Stuttgarter Meistercoach die Hanseaten wieder zurück ins europäische Geschäft führen.

Doch der verspätete Trainingseinstieg der Nationalspieler und neuerliche Verletzungsprobleme erschweren Vehs Aufgabe. Dennoch scheint es für Veh eine Herzensangelegenheit zu sein, den HSV zu trainieren.

"Wenn Hamburg kommt, habe ich zu mir gesagt, dann sagst du zu", schildert er seine innere Entscheidungsfindung im Gespräch mit SPORT1.

Zwei wichtige Entscheidungen hat er bereits getroffen: Heiko Westermann wird neuer Kapitän und löst damit David Jarolim ab, Frank Rost bleibt die Nummer eins im Tor, Neuzugang Jaroslav Drobny muss auf die Bank.

"Frank hat sich in der Vorbereitung hervorragend präsentiert. Das soll er jetzt weiter so umsetzen", sagt Veh. "Wenn ein neuer Torwart dazu kommt, muss er besser sein um zu spielen. Die beiden sind aber auf Augenhöhe - deswegen spielt Rost", erklärt er weiter.

Auch zu den Gerüchten um Eljero Elia macht Veh eine klare Ansage. "Egal wer was bietet, Elia bleibt auf jeden Fall in Hamburg", sagte Veh SPORT1. In Teil 13 der SPORT1-Interviewserie spricht Veh außerdem über die Saisonziele mit Hamburg und die Spekulationen um Dennis Aogo.

SPORT1: Herr Veh, Sie haben gesagt, dass in diesem Sommer nicht wieder in der Bundesliga angetreten wären, wenn es sich nicht um den HSV gehandelt hätte. Warum war das so?

Armin Veh: Es war ja vor zwei Jahren fast schon perfekt, dass ich nach Hamburg komme. Der HSV hat mich also schon länger gereizt. Wenn es jetzt nicht geklappt hätte, hätte ich in der Tat erst einmal ein bisschen Zeit verstreichen lassen. Aber die Aufgabe Hamburg konnte ich mir nicht entgehen lassen. Wenn Hamburg kommt, habe ich zu mir gesagt, dann sagst du zu.

SPORT1: Was ist der besondere Reiz dieser Aufgabe?

Veh: Der Klub ist der Dino der Liga, hat eine gute Mannschaft und ist auch ansonsten gut aufgestellt. Damit kannst du was erreichen. Wir sind zuletzt Siebter geworden. Dass wir jetzt ein anderes Ergebnis anstreben, ist klar.

SPORT1: Hamburg dürstet nach einem Titel. Halten Sie den schon für möglich?

Veh: Den wollen ja viele. Wir haben in Deutschland ja eine ziemliche Breite in der Spitze. Es gibt acht Klubs, die oben hineingehören, die prinzipiell Meister werden können. Aber meiner Ansicht nach sollte man sich nicht immer zu großen Zielsetzungen hinreißen lassen, sondern einfach mal arbeiten und schauen, was dabei rauskommt. Sonst hat man schnell viel geredet, aber nichts erreicht.

SPORT1: Sie sind der siebte HSV-Trainer in den vergangenen sieben Jahren. Alle wollten Kontinuität, keiner hat sie hergestellt. Sie haben nur Einjahresvertrag unterschrieben. Wie passt das zusammen?

Veh: Ganz einfach: Es macht heutzutage in der Bundesliga keinen Sinn, langfristig zu planen. Es ist alles erfolgsabhängig. Meine Vertragsdauer ist dem geschuldet.

SPORT1: Die Vorbereitung nach der WM ist eine besondere Herausforderung, weil die Nationalspieler später ins Training einsteigen. Wie haben Sie sie gemeistert?

Veh: Von uns waren fünf Spieler bis zum Turnierende dabei. Die sind spät zur Mannschaft gestoßen, leider sind mit Dennis Aogo und Piotr Trochowski zwei auch noch angeschlagen zurückgekommen. Sie haben noch nicht einmal mit der Mannschaft trainieren können. Das erschwert die Eingliederung, keine Frage. Wir müssen den Spagat irgendwie schaffen, die Spieler hinzubekommen. Aber das dauert seine Zeit.

SPORT1: Es hieß bislang, die Mannschaft sei mit charakterlich schwierigen Typen gespickt. Haben Sie schon Erfahrungen in dieser Richtung gemacht?

Veh: In der Vorbereitung bislang nicht. Alle haben sich sehr ehrgeizig gezeigt. Aber es ist ja meistens so, dass sich der Charakter einer Mannschaft erst zeigt, wenn es mal nicht läuft.

SPORT1: Wie wichtig ist es Ihnen, eine neue Teamhierarchie zu installieren?

Veh: Mit der Kapitänsentscheidung möchte ich einen neuen Akzent setzen. Heiko Westermann besitzt Persönlichkeit und taugt für Führungsaufgaben taugt. Er ist geradlinig, fleißig, hat die richtige Mentalität und geht voran. Ich erhoffe mir, dass er als Typ und mit seiner Erfahrung die Mannschaft führen kann.

SPORT1: David Jarolim war jahrelang Kapitän. Was wird er von der Entscheidung in der Kapitänsfrage halten?

Veh: Es gibt einen Chef. Das ist der Cheftrainer. Und der bestimmt - bei uns zumindest.

SPORT1: Im Tor wird Frank Rost stehen...

Veh: Auf der Position war ich völlig sicher, dass ich gar keinen Fehler machen kann. Egal, ob ich Rost oder Drobny reinstelle, wir haben auf jeden Fall einen sehr guten Torhüter.

SPORT1: David Rozehnal hat bei Ihnen keine Zukunft. Passt er als Spielertyp nicht rein oder hat er eine zu hohe Fehlerquote?

Veh: Er hat die Leistung nicht gebracht, die ich mir auf dieser Position vorstelle. Wir haben ja mit Guy Demel und Colin Benjamin noch zwei Spieler, die dort spielen können, insofern sind wir in der Innenverteidigung gut genug bestückt.

SPORT1: Dennis Aogo und Eljero Elia wurden zuletzt neben Rozehnal ebenfalls als potenzielle Abgänge gehandelt. Besteht die Möglichkeit, dass noch jemand abgegeben wird?

Veh: Nein, es wird uns niemand mehr verlassen. Gegen die Gerüchte können wir eh nichts machen. Wenn man nur die aus Italien hört, dann müsste allein Juventus schon 100 Spieler verpflichtet haben. Das kann ich nicht ernst nehmen.

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