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Jürgen Klopp beerbte vor dieser Saison Thomas Doll als BVB-Cheftrainer © imago

Jürgen Klopp schießt sich nach dem Remis gegen Berlin auf einen vermeintlich Schuldigen ein. Der BVB verharrt im Mittelmaß.

Von Tobias Schneider

Dortmund - Dortmunds Trainer Jürgen Klopp stand nach dem 1:1 (0:1) gegen die Berliner Hertha konsterniert vor dem TV-Bildschirm, als die Szene eingespielt wurde, über die sich der Coach so ereifern sollte.

"Ach du Scheiße. Ist ein klares Handspiel. Ach du Scheiße", stammelte der sonst so redegewandte Klopp ins Mikrofon und vergriff sich gleich noch in der Metapher: "Irgendwann hat der Spaß ein Loch, irgendwann ist genug."

Handspiel oder nicht?

Es war die Szene in der 45. Minute, unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff, als Berlins Sofian Chahed einen Hajnal-Schuss aus kurzer Distanz mit der Schulter abblockte.

Handspiel oder nicht? Der Unparteiische ahndete das vermeintliche Vergehen nicht, entschied in Sekundenbruchteilen auf Weiterspielen.

Den BVB-Coach brachte das richtig auf die Palme, Klopp witterte regelrecht eine Verschwörung: "Das ist nicht in Ordnung und natürlich ein Elfmeter. Jedesmal ist es für uns dasselbe", schimpfte der 41-Jährige in Richtung des Unparteiischen Florian Meyer.

Heimschwacher BVB

Zwar ist der BVB nach wie vor im heimischen Stadion ungeschlagen, nach fünf Heimauftritten stehen aber vier Unentschieden zu Buche.

Nur beim 3:0 gegen Stuttgart verließen die Schwarz-Gelben den Platz als Sieger. Zu wenig für den BVB, zu wenig für die Ansprüche Klopps, der bereits vor der Partie seine Mannschaft am Scheideweg gesehen hatte:

"Wir kommen jetzt in eine Phase, wo es darum geht, sich in bestimmten Tabellenregionen festzusetzen", sagte Klopp und konkretisierte: "Man kann die Abstände nach oben verkürzen und nach unten vergrößern. Gegen Berlin müssen wir uns wieder einen Dreier schnappen."

Pustekuchen. Die Spitzenteams enteilen, Dortmund verharrt weiter auf Platz acht. Ist der BVB dort angekommen, wo er aus spielerischen Gesichtspunkten hin gehört - im Mittelfeld?

Spielerisch limitiert

Zumindest in kämpferischer Hinsicht ist der BVB-Elf kein Vorwurf zu machen.

Bis zum Foulelfmeter-Gegentor von Cicero, ein berechtigter Strafstoß wohlgemerkt, waren die Gastgeber tonangebend, kreierten aber zu wenige Chancen.

Nach dem 1:0 beschränkten sich die ohnehin defensiv eingestellten Herthaner ausschließlich auf die Defensive, schnürten die Räume mit zwei tief stehenden Vierer-Ketten zu.

Gegen dieses Bollwerk fand der BVB kein Mittel, die Ideen fehlten. Außerdem lahmte das Flügelspiel, verwertbare Flanken fanden nur selten den Weg in den Strafraum.

Zu allem Überfluss musste auch noch Jakub Blaszczykowski schon nach 20 Minuten mit blutverschmiertem Gesicht raus. Beim Polen wurde später ein Nasenbeinbruch festgestellt.

Über Standards zum Erfolg

Symptomatisch, dass es ausgerechnet eine Standardsituation war, die dem Ausgleich vorausging. Aus dem Spiel heraus entstanden nahezu keine Chancen.

Hajnal brachte die Ecke scharf und mit viel Effet nach innen, Kehl profitierte vom Stellungsfehler des ansonsten starken Drobnys und nickte zum 1:1 (71.) ein.

Favre mit Punkt zufrieden

Verkehrte Welt: Während der BVB-Coach sich über den Punktgewinn maßlos ärgerte, zeigte sich Hertha-Coach Lucien Favre mit dem Remis mehr als zufrieden, obwohl die Berliner den HSV bei einem Sieg vom dritten Rang hätten kegeln können.

"Wir spielen nur englische Wochen, haben einen dünn besetzten Kader. Das wird jetzt eng", sagte Favre.

Es hätte nicht viel gefehlt, und die Hertha hätte sich den dritten 1:0-Auswärtserfolg in Serie ermauert.

Dann wäre Jürgen Klopps Wortwahl womöglich noch härter ausgefallen.

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