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Ralf Rangnick (l.) und Jürgen Klinsmann treffen am 16. Spieltag aufeinander © getty

Läuft Hoffenheim den großen Bayern den Rang ab? Coach Ralf Rangnick verwirklicht jedenfalls das, was Jürgen Klinsmann einfordert.

Von Christian Paschwitz

München - Er war angetreten mit keinem geringeren Ziel, als jeden einzelnen Spieler individuell besser machen zu wollen.

Als Jürgen Klinsmann im Juli sein erstes Engagement als Klubtrainer begann, sollte in der Weltstadt München so etwas beginnen wie eine neue Zeitrechnung.

Manche erwarteten vom reformfreudigen Ex-Bundestrainer und seinem Kader aus Welt- und Europameistern sogar die Neuauflage des Sommermärchens der WM 2006.

Doch nicht das Team des Bundesliga-Trainer-Novizen Klinsmann zeigte bislang das überzeugendste Offensivspiel.

Den kombinationssicheren Angriffsfußball zum Zunge-Schnalzen bietet mit erfrischenden Youngstern ausgerechnet Liga-Frischling und Dorfklub 1899 Hoffenheim - ein Herbstmärchen made im Kraichgau.

Klinsmanns Europacup-Prognose

Mehr noch: Nach der eindrucksvollen 3:0-Gala gegen den HSV und dem erneuten Sprung an die Spitze ist dem Sensationsteam von Ralf Rangnick gar die Meisterschaft und Champions-League-Qualifikation zuzutrauen.

Klinsmann selber hat das kaum überrascht. Er rechne schon in dieser Saison mit einem Europacup-Platz für die Hoffenheimer, hatte Klinsmann vor Saisonbeginn Sport1.de verraten.

Nach neun Spieltagen ist mehr als das erkennbar: Rangnick, der Rasselbanden-Regisseur, hat nach dem Durchmarsch aus der Regionalliga binnen zweier Jahre das geschafft, was dem Bayern Bessermacher Klinsmann bisher fehlt für den angekündigten Quantensprung.

Hoffenheim, die modernen Bayern - Sport1.de erklärt die Unterschiede:

Offensivpower made in Kraichgau

Hoffenheim reichen wenige Ballkontakte, um die Gegner auseinanderzunehmen. Blitzschnell lässt Rangnick nach vorn agieren, nach hinten oder quer zu passen ist verboten. Volldampf von Anfang an. Und so lange wie möglich.

Vertikales Spiel und jeden Spieler ständig in Bewegung und anspielbar zu wissen, das ist auch Klinsmanns Bestreben. Bei der die Umsetzung hapert's jedoch bei den Bayern. Ein Franck Ribery ist nach seiner Verletzungspause noch immer nicht wieder voll da; Ze Roberto und Bastian Schweinsteiger allein können es nicht richten.

Ebenso ab geht den Münchners trotz Vorjahrestorschützen-König Luca Toni (erst drei Saison-Tore) ein derartig spektakuläres Offensivfeuerwerk: 23 der 24 Hoffenheimer Tore gehen auf das Konto des Quintetts Vedad Ibisevic (10), Demba Ba (5), Sejad Salihovic (4), Chinedu Obasi (3)und Carlos Eduardo (1).

Hinten stehen sie sicher

Anders als zu seiner Zeit bei Hannover 96 (bis 2004) ist es trotzdem kein Hurra-Fußball mehr, den Rangnick praktizieren lässt.

Denn die Niederlagen in Leverkusen (2:5) und in Bremen (4:5) trüben die Bilanz der ansonsten stabilen TSG-Abwehr. Die hintere Viererkette im 4-3-3-System steht bei insgesamt 14 Gegentreffern sehr sicher, schaltet sich ständig ein ins Spiel nach vorn.

Und das mit Leuten wie Andreas Beck, Matthias Jaissle, Marvin Compper und Andreas Ibertsberger ("Wir wissen, dass wir Qualität haben"), die zuvor mehr Zweitliga- denn Bundesliga-Niveau besaßen und dabei wenig von sich Reden machten.

Spaßiger Erfolgshunger

"Wir haben Spaß, wir sind hungrig", kommentierte Beck, einziger Neuzugang in der aktuellen Stammelf, die neuerliche Gala-Vorstellung gegen den HSV. "Abwarten, wo das endet."

Das möchten hinsichtlich ihrer Defensiv-Defizite wohl auch die Bayern gern mal wissen: Die beste Abwehr der Vorsaison (21 Gegentore nach 34 Spielen) wurde bereits 15 Mal überwunden, wackelte auch beim 4:2 gegen Wolfsburg bedenklich. Und dass trotz Akteuren von Weltklasse-Format wie Lucio, Martin Demichelis und Massimo Oddo.

Was zweifelsohne auch Kopfsache ist.

"Wir können bei der Persönlichkeitsentwicklung Akzente setzen", hatte Klinsmann bei Amtsantritt an der Säbener Straße erklärt und dafür extra den Sportpsychologen und Ex-Profi Philipp Laux von den Hoffenheimern abgeworben.

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