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Sami Hyypiä spielte vor seinem Wechsel zu Bayer zehn Jahre für Liverpool © getty

Sami Hyypiä spricht im Interview über Bayers Ziele, die Rolle von Michael Ballack und den Saisonauftakt gegen Borussia Dortmund.

Von Mathias Frohnapfel

München - Sami Hyypiä hat seine Laune trotz der anstrengenden Vorbereitung nicht verloren.

Dabei hat der Abwehrrecke von Bayer Leverkusen seit seinem Start als Profi immer wieder die gleiche Plackerei mitgemacht, um seinen Körper auf Hochtouren zu bekommen.

Seit 18 Jahren ist der Finne Fußballprofi, seiner Leidenschaft für den Sport hat das nicht geschadet. Ein Zeichen: Vor der Vorbereitung mit dem Klub absolvierte der 36-Jährige bereits sein eigenes Fitness-Programm.

Im Playoff-Hinspiel zur Europa League gegen Tawrija Simferopol am Donnerstag (18.30 Uhr LIVE auf SPORT1) muss er allerdings wegen Kniebeschwerden aussetzen.

In Teil 15 der SPORT1-Interviewserie spricht der Sami Hyypiä über die Ziele mit Bayer, die Rolle von Michael Ballack und den Saisonauftakt gegen Borussia Dortmund. (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

SPORT1: Herr Hyypiä, sind Sie nach einem Jahr Bundesliga auf den Geschmack gekommen?

Sami Hyypiä: Ich habe mein erstes Jahr hier genossen. Das Team war in der letzten Saison sehr erfolgreich. Und die Bundesliga ist eine großartige Liga, die mit den Bayern auch eine Mannschaft im Champions-League-Finale hatte.

SPORT1: Wie bewerten Sie den Neuzugang Michael Ballack?

Hyypiä: Der Klub kann sehr stolz darauf sein, dass man jemanden wie Ballack holen konnte. Mit seiner Erfahrung kann er den jungen Spielern und der ganzen Mannschaft helfen, besser zu spielen. Er bringt auch eine mentale Stärke mit, die sehr wichtig ist.

SPORT1: Ist für Leverkusen nun ein Titel möglich?

Hyypiä: Wir müssen erstmal sicherstellen, dass wir zum Ligastart 100 Prozent vorbereitet sind. Ich möchte natürlich jedes Jahr besser werden. Wir waren in der vergangenen Saison unter den besten Vier, also erwarte ich uns jetzt unter den besten Drei.

SPORT1: Das heißt Zielsetzung Champions Legaue?

Hyypiä: Ja, hoffentlich.

SPORT1: Leverkusen ist ein recht junges Team. Nun kommt mit Ballack ein weiterer Routinier hinzu. Wie wichtig ist Erfahrung für eine Fußballmannschaft?

Hyypiä: Wichtig ist es, die richtige Mischung aus älteren und jüngeren Spielern zu haben. Wir Älteren haben natürlich die Erfahrung, um die Jüngeren etwas anzuleiten. Auf dem Feld spielt Kommunikation eine sehr große Rolle. Normalerweise sprechen die älteren Spieler auf dem Platz und die jüngeren machen die Laufarbeit (lacht).

SPORT1: Sie selbst laufen dafür aber noch ziemlich viel. Wie haben Sie es geschafft, so lange auf einem solch hohen Niveau zu spielen?

Hyypiä: Keine Ahnung, ich habe eben immer auf mich aufgepasst. Klar lege ich im Sommer auch mal kurz die Beine hoch, doch dann fange ich schon vor der Vorbereitung an mit Joggen und anderen Übungen, um fürs erste Training bereit zu sein. Das Risiko für Verletzungen ist ja immer zum Start hoch, wenn man bald eine hohe Intensität erreicht.

SPORT1: Torhüter Rene Adler ist nach seiner Verletzung wieder fit. Ist es ein Vorteil, dass die Abwehr bereits eine Saison so zusammengespielt hat?

Hyypiä: Es ist eine wichtige Sache, dass man sich im Team gegenseitig kennt. Aber für die Verteidigung ist nicht nur die Abwehr zuständig, sondern die gesamte Mannschaft. Es ist ein normaler Verlauf, dass die Automatismen auf dem Platz besser greifen, wenn man sich über einen längeren Zeitraum kennt. Ich habe bereits gemerkt, dass das Team besser ist als in der letzten Saison.

SPORT1: Im ersten Saisonspiel geht es gegen Borussia Dortmund. Hilft es der Motivation, gleich gegen ein starkes Team zu spielen?

Hyypiä: Ich glaube, es ist egal, gegen wen man startet. Es spielt keine Rolle, weil die Saison über 34 Spiele geht. Du musst als Mannschaft auf alles vorbereitet sein. Letzte Saison war Mainz der Auftaktgegner, die gerade aufgestiegen sind - und das war ein schweres Spiel, weil sie unheimlich kämpften. Dortmund ist ein starkes Team. Wir haben zuletzt gegen sie verloren, jetzt wollen wir es besser machen.

SPORT1: Wie zufrieden waren Sie mit dem Erreichen der Europa-League-Playoffs, nachdem Sie die Champions-League-Qualifikation knapp verpasst haben?

Hyypiä: Wenn uns jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir den vierten Platz erreichen würden, dann hätten 99 Prozent der Mannschaft dies unterschrieben. Aber wenn du so lange die Tabelle anführst, dann willst du mehr. Am Ende der Saison herrschte natürlich eine große Enttäuschung, aber wenn man die Saison als Ganzes betrachtet, dann sind alle zufrieden, wie es gelaufen ist.

SPORT1: Lag es vielleicht am Ende an der fehlenden Erfahrung der Mannschaft?

Hyypiä: Ich glaube, es war ein Mix aus unglücklichen Verletzungen und einer mentalen Schwäche am Ende der Saison. Nun sind wir alle ein Jahr erfahrener und hoffentlich haben wir aus den Fehlern gelernt.

SPORT1: Konnten Sie sich für die Vorbereitung überhaupt noch motivieren? Jedes halbe Jahr erwartet Sie ja quasi das Gleiche?

Hyypiä: Das gehört zu meinem Job. In der Vorbereitung legt man die Basis, um 90 Minuten auf höchstem Niveau Fußball zu spielen. Wer eine gute Vorbereitung macht, ist fit für die Spiele, wenn es um etwas geht.

SPORT1: Gibt es denn irgendwelche Orte oder Stadien, die Sie in Ihrer Karriere noch sehen wollen?

Hyypiä: Ich würde nicht sagen, dass es keine Erfahrungen mehr gibt, die ich gerne machen würde, weil ich es genieße, diesen Sport auszuüben. Ich freu mich auf die neue Saison, große Spiele und schöne Stadien. Ich will noch etwas gewinnen, bevor ich für immer Urlaub in Finnland mache (lacht). Das spornt mich an und ich habe noch den Hunger. In diesem Alter kann ich nicht sagen, dass ich mich jeden Tag noch etwas verbessere, aber ich arbeite sehr hart für mich und das Team. Ich hoffe, dass wir nächste Saison etwas gewinnen.

SPORT1: Ihr Vertrag endet 2011 in Leverkusen. Dürfen die deutschen Fußball-Fans darauf hoffen, Sie noch länger in Bundesliga zu sehen?

Hyypiä: Ich weiß nicht. Es hängt ja auch nicht von mir ab. Da spielen eine Menge Dinge eine Rolle, aber wenn ich so fit bleibe wie jetzt, warum nicht?

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