vergrößernverkleinern
Mirko Slomka (r.) führte Hannover 96 letzte Saison am letzten Spieltag zum Klassenerhalt © getty

Der Abstiegskampf der kommenden Saison wird sich zwischen fünf Teams entscheiden. Beide Aufsteiger werden es schwer haben.

Von Martin Hoffmann

München - Die Bundesliga ist ein erbarmungsloses Arbeitsumfeld.

18 Klubs gehen erwartungsfroh in das Geschäftsjahr 2010/11, doch egal, was passiert: Für mindestens zwei von ihnen wird es böse enden.

Zwei Mannschaften werden absteigen, eine muss in die Relegation - und naturgemäß ist die Furcht bei den Aufsteigern und den Kellerkindern der Vorsaison am Größten.

Bei Hannover und St. Pauli ist sie durch die peinlichen Pokal-Abflüge noch größer geworden.

SPORT1 analysiert im ersten Teil des Bundesliga-Formchecks die Abstiegskandidaten - und prognostiziert, wer den Gang ins Unterhaus antreten muss.

Hannover 96

Noch vor dem Ligastart sind die Niedersachsen schon wieder in heftigen Turbulenzen.

Die Pokal-Blamage in Elversberg samt anschließender Fan-Blockade vor dem Teambus wirkte wie ein Vorbote auf das, was noch kommen wird.

Das fast abgestiegene Vorjahresteam ist wegen der geringen Mittel nicht spektakulär verstärkt worden.

Slomka ohne Rückhalt?

Dass im Sturm und auf der Spielmacher-Position noch Bedarf besteht, hat Klubchef Martin Kind im SPORT1-Interview selbst eingeräumt.

Misslingt Hannovers Saisonstart, ist schnell wieder mit Trubel zu rechnen. Coach Mirko Slomka genießt bei Kind nur bedingt Rückhalt, auch Slomkas Verhältnis zu Manager Jörg Schmadtke ist unharmonisch.

Optimale Arbeitsbedingungen sehen anders aus.

1. FC Nürnberg

Der Club hat sich erst in der Relegation in die Bundesliga-Saison 2010/11 gerettet ? eine ähnliche Zitterpartie droht auch diesmal.

Zumal Dieter Hecking das Team im Sommer ein gutes Stück neu formieren musste. Diekmeier, Ottl, Risse, Choupo-Moting: Eine Reihe von Stammspielern ist weg.

Neu hinzugekommen sind teils junge Talente wie die Leihgaben Julian Schieber, Mehmet Ekici und Jens Hegeler - teils erfahrene Kräfte wie Per Nilsson oder der neue "Sechser" Timmy Simons.

Hoffnungen auf Gündogan

Die Mischung sieht auf dem Papier gesund aus, ob sie gut genug funktioniert, muss sich erst zeigen.

Gerade im Offensivbereich hängt viel an Youngstern, die erst zeigen müssen, ob sie schon konstant die höchsten Ansprüche erfüllen.

Allerdings hat Nürnberg auch Individualkönner, die an guten Tagen den Unterschied ausmachen können: Top-Talent Ilkay Gündogan allen voran.

SC Freiburg

Die Breisgauer haben das schwierige erste Jahr in der Bundesliga überstanden - aber auch im zweiten wird es um nichts anderes als den Klassenerhalt gehen.

Eine 1:4-Blamage in einem Test gegen den FSV Frankfurt und der behäbige Auftritt im Pokal gegen Oberneuland sind beunruhigende Vorzeichen.

Trainer Robin Dutt sah einige Dinge, "die nicht ausreichen, um in der Bundesliga Punkte zu holen", vermisste Tempo und Präzision in der Offensive.

Cisse alleine im Sturm

Die scheint die größte Problemzone der Dutt-Elf zu sein. Nach dem Weggang von Mo Idrissou ist Papiss Cisse Alleinunterhalter im Angriffszentrum.

Ob das reicht, ist fraglich: Gegen Oberneuland erzielte Cisse zwar das goldene Tor, sonst stand er mangels Zuarbeit aus dem Mittelfeld oft auf verlorenem Posten.

Freiburgs Pluspunkte im Abstiegskampf sind dafür eine sinnvoll zusammengestellte und eingespielte Mannschaft, das ruhige Umfeld und die großen fachlichen Qualitäten des Trainers.

1. FC Kaiserslautern

Nach dem letzten Aufstieg wurden die "Roten Teufel" Meister.

Das ist in dieser Saison ähnlich wahrscheinlich wie der Schluss einer Fanfreundschaft zum FC Bayern.

Die Mission Klassenerhalt wird schwierig genug: Diverse Leistungsträger der Aufstiegself wie Sam, Jendrisek und Mandjeck sind nicht mehr da, ein ganzer Batzen an Neuzugängen ist zu integrieren.

Hoffer zeigt Potenzial

Mehr als die Hälfte der Stammelf dürfte aus neuen Gesichtern bestehen. Potenzial haben die aber, Stürmer Erwin Hoffer etwa hat mit dem Doppelpack im Pokal schon auf sich aufmerksam gemacht.

Was ebenfalls für Lautern spricht: Beim früheren Chaos-Klub sitzen in Vorstandschef Stefan Kuntz und Trainer Marco Kurz nun zwei unaufgeregte Charaktere an den Schalthebeln, die nicht beim ersten Rückschlag den Kopf verlieren.

FC St. Pauli

Kiez-Kult, Millerntor-Atmosphäre und der Teameinzug zu "Hell's Bells" von AC/DC: St. Pauli bereichert die Liga fraglos - aber auch sportlich?

Das Pokal-Aus gegen Chemnitz weckt Zweifel - aber es ist womöglich auch heilsam, aus der Aufstiegs-Euphorie gerissen zu werden und der Realität ins Auge zu sehen: Die heißt Abstiegskampf.

Was Pauli dem Mit-Aufsteiger voraus hat: Das Gerüst der Aufstiegself ist erhalten geblieben.

Hat Asamoah noch alte Klasse?

Die andere Frage ist, ob es in der Bundesliga genug Tragkraft hat. Die Truppe ist eingeschworen, aber nicht auf höchstem Niveau erprobt.

Und ob die Neuzugänge Verstärkungen sind, ist bei jedem einzelnen Fall fraglich. Gerald Asamoah, Carlos Zambrano, Keeper Thomas Kessler und hatten sich bei ihrem vorherigen Klub zuletzt nicht durchgesetzt.

Moritz Volz sucht nach einem Jahr ohne Verein den Anschluss, Fin Bartels hat bei Rostock den Abstieg in Liga drei nicht verhindern können.

Unumstritten ist dagegen Coach Holger Stanislawski, der als Doppel-Aufsteiger und Pauli-Urgestein sicherer im Sattel sitzt und ruhiger arbeiten können wird als bei Abstiegskandidaten üblich.

Die Prognose

Die SPORT1-Prognose: Bei Hannover spricht zu wenig dafür, dass es auch diesmal zum Happy End reicht.

Für Freiburg und St. Pauli wird es auch eng - wobei die Breisgauer durch den Erfahrungsvorsprung in Liga eins die Nase vorn haben und dem Direktabstieg entgehen werden.

Lautern und Nürnberg retten sich.

14. 1. FC Nürnberg

15. 1. FC Kaiserslautern

16. SC Freiburg

17. FC St. Pauli

18. Hannover 96

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel