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Für die Hoffenheimer gibt es in dieser Saison viel Grund zum Jubeln © getty

Hoffenheim scheint den Bayern auch mental das Wasser reichen zu können, wie der zweite Teil der Sport1.de-Analyse zeigt.

Von Christian Paschwitz

München - Neue Motivation und geistige Akzente zu setzen vermag man in Hoffenheim bisher wesentlich erfolgreicher als beim FC Bayern.

Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Bernhard Peters.

Der ehemalige Trainer der Hockey-Nationalmannschaft, den Klinsmann zu seiner Zeit als Bundestrainer gern auch für den DFB gewonnen hätte, erarbeitet mit Rangnick immer wieder Wege zu neuen Impulsen.

Sei es in der Trainingsarbeit oder taktisch. Entscheidend ist offenbar, dass Peters über den Tellerrand hinausblickt.

"Es ist wichtig, dass man nicht nur das System im System sieht, sondern auch außerhalb schaut, warum andere Sportarten erfolgreich sind", sagte Hoffenheims Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Stippvisite beim Fechten

Anschauungsunterricht holen sich die 1899er daher auch schon mal bei einer Stippvisite im Fecht-Olympiastützpunkt in Tauberbischofsheim.

Während in München das neue hochmoderne Leistungszentrum bisher nicht nur wenig Früchte trägt, sondern im Klub-Umfeld zunächst auch als neumodischer Schnickschnack abgetan worden war.

Aber selbst Rangnick gibt zu: "Dass es sich so schnell entwickelt hat, das konnte niemand ahnen. Umso mehr freut es den gesamten Trainerstab."

Denn Hoffenheim ist der beste Aufsteiger seit dem 1. FC Kaiserslautern, der vor zehn Jahren als Aufsteiger die Meisterschaft errang.

Abgezocktheit bringt Respekt

Wer in die eigenen Stärken glaubt, den wirft so schnell nichts aus der Bahn. Was gemeinhin zu den großen Bayern-Stärken gezählt wird, hat die TSG verinnerlicht. Exemplarisch dafür war das Spiel gegen Bremen, als man bereits mit 1:4 hinten lag und zwischenzeitlich noch ausglich.

Das nötigt auch der Konkurrenz viel Respekt ab, auch dem FC Bayern.

Manchmal weckt es sogar neidische Spitzzüngigkeiten. Wenn nämlich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit gewissem Sarkasmus auf die Frage antwortet, was die Bayern von den Hoffenheimern lernen könnten:

"Dass man mit viel Geld ein gute Mannschaft in relativ kurzer Zeit auf die Beine bringt."

"Alle wissen, was zu tun ist"

Genauer gesagt hat es dafür gut zwei Jahre gedauert. Am 22. Juni 2006 hatte Rangnick die TSG übernommen - zwei Tage, bevor Klinsmann dann mit schwarz-rot-gold und viel Offensivspaß ein erfolgreiches WM-Achtelfinale gegen Schweden (2:0) hinlegte.

Rangnick schaffte den Zweiklassen-Sprung bis in die Beletage des deutschen Fußballs - und darf sich in seiner rasanten Entwicklungsarbeit bestätigt fühlen. "Das Team ist jetzt über ein Jahr zusammen, wir haben nur auf ein, zwei Positionen Änderungen vorgenommen, das tut den Jungs gut", erklärte Rangnick. "Alle wissen, was zu tun ist."

Bei den Bayern ist das kollektive Miteinander derzeit dagegen verbesserungswürdig. "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", sagte Kapitän Mark van Bommel nach dem Wolfsburg-Match.

Vielleicht ja aber nach einem Saison-Showdown am vorletzten Spieltag. Wenn die Bayern, die am Mittwoch (ab 19.30 Uhr LIVE) zunächst bei Eintracht Frankfurt ran müssen, sich am 16. Mai mit einem Dorfklub aus dem Nordwesten Baden-Württembergs messen.

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