Hoffenheims Höhenflug überrascht viele. Auch Neid macht sich breit. Besser wäre es, eine starke Leistung einfach mal anzuerkennen.

Was am Sonntag die Anhänger des Hamburger SV im Mannheimer Carl-Benz-Stadion erlebten, dürfte mit Angstzuständen treffend beschrieben sein.

Ihre Mannschaft, immerhin als Tabellenzweiter angereist, wurde von Aufsteiger Hoffenheim regelrecht an die Wand gespielt und konnte von Glück reden, dass es am Ende nur 0:3 stand.

Hoffenheim verwöhnte seine Fans mit einem Offensiv-Feuerwerk, das auch dem neutralen Beobachter fast die Sprache verschlug. So, oder so ähnlich, war es auch schon beim 5:2 in Hannover, beim 4:1 gegen Dortmund, beim 3:0 in Cottbus.

Das 4:5 in Bremen war sicher eins der spektakulärsten Bundesligaspiele der letzten Jahre. Die Niederlage an der Weser lehrte die Kraichgauer zudem, dass Fußball eben doch nicht nur aus Tore schießen, sondern auch aus Tore verhindern besteht.

Dass Hoffenheim schon zum dritten Mal in dieser Saison, und nun sogar erstmals allein, an der Tabellenspitze steht, mag auf den ersten Blick überraschen. Doch wer die Mannschaft von Ralf Rangnick schon in der Zweiten Liga beobachtet hat, wusste um die Stärken von Ibisevic, Ba, Obasi und Co.

Das Team ist eingespielt, wurde nach dem Aufstieg nur punktuell verstärkt, in der Stammelf eigentlich nur Rechtsverteidiger Andreas Beck, und blieb bisher auch von Verletzungen verschont.

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Von Hoffenheim könne man lernen, wie man mit viel Geld schnell ein erfolgreiches Team auf die Beine stellt, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als TV-Experte am Sonntag nach dem 3:0 gegen den HSV.

Das stimmt so nicht.

Hoffenheim hat zwar durch die Unterstützung durch Mäzen Dietmar Hopp finanzielle Möglichkeiten wie kaum ein anderer Verein in der Bundesliga, doch das Geld wurde zum Großteil in Infrastruktur und Know How investiert. Lediglich für Carlos Eduardo, den Rekord-Einkauf der Zweiten Liga, wurde tief in die Schatztruhe gegriffen.

Der Gesamtwert des Hoffenheimer Kaders dürfte vor der Saison nicht viel höher gelegen haben als der Wert von Franck Ribery und Luca Toni zusammen.

Den Hoffenheimern vorzuwerfen, sie seien eine zusammengewürfelte Retorten-Mannschaft, ist zu einfach. Es gibt genügend Beispiele anderer Klubs, die Jahr für Jahr viele neue Spieler holten, und am Ende doch nur mit Ach und Krach 15. wurden.

Neid spielt hierzulande eben eine große Rolle. Eine starke Leistung anzuerkennen, fällt vielen schwer.

Hoffenheim wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben, auch wenn Rangnick betont, man müsse auf den Abstand zu Platz 16 schauen.

Hoffenheim steht für den schnellen Erfolg. Es könnte genauso schnell wieder abwärts gehen. Doch danach sieht es momentan nicht aus. Dass mit Leverkusen eine Mannschaft auf Platz zwei steht, die ähnlich attraktiv spielt, darf die Liebhaber des schönen Spiels freuen.

Sicherlich: Hoffenheim hat, wie auch Leverkusen, momentan auch den Vorteil, sich voll auf die Bundesliga konzentrieren zu können, während die Verfolger von Hamburg auf Platz drei bis hin zu Schalke auf Platz sieben zusätzlich im Europapokal ran müssen.

Eine Zusatzbelastung, die in der nächsten Saison sehr wohl auch auf Hoffenheim zukommen könnte.

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