vergrößernverkleinern
Reinhard Rauball ist seit dem 6. August 2007 Präsident des Ligaverbands © getty

Der BVB-Präsident wird dem Verband weitere drei Jahre vorstehen. Auf der Generalversammlung wurde er einstimmig wiedergewählt.

Berlin - Mit einer Absage an einen eigenen Fußball-Sender und einer Kampfansage an die Politik ist Reinhard Rauball in seine zweite Amtszeit als Liga-Präsident gestartet.

Trotz der Krise von Pay-TV-Partner Sky und des zu Saisonbeginn einmal mehr drohenden Streits um die Beteiligung der Bundesliga an Einsätzen der Polizei präsentierte sich der 63 Jahre alte Jurist nach seiner einstimmigen Wiederwahl bei der Generalversammlung der 36 Profiklubs in Berlin am Mittwoch mit breiter Brust.

"Die Bundesliga darf nicht zum Spielball der Politik werden", sagte Rauball, der nach dem Rückzug von Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß bei seiner Wiederwahl keinen Gegenkandidaten hatte, unter dem Applaus der Klubvertreter.

Sowohl die rigide Haltung im Zuge des Sportwetten-Monopols als auch die Forderungen der Polizei von einer Kostenbeteiligung von rund 50 Millionen Euro im Jahr bezeichnete Rauball als absurd: "Wir werden uns an den Kosten nicht beteiligen."

DFL plant keinen eigenen Sender

Trotz der schweren Krise des Pay-TV-Partners "Sky" denkt die DFL auch nicht über die Einführung eines eigenen Senders nach. "Ein eigener Sender zur Verwertung der Liverechte ist im Moment nicht in Planung", sagte Rauball.

Allerdings rechnet er ab der Spielzeit 2013/14 mit einem geringeren Erlös als bisher. Derzeit zahlt "Sky" pro Spielzeit 240 Millionen Euro.

"Es wird schwer sein, an den letzten Vertrag mit dem Rekordergebnis heranzukommen. Wir müssen realisieren, welche finanziellen Eckdaten sich in Deutschland und auf dem Medienmarkt abspielen", sagte der Präsident von Borussia Dortmund.

"Sky" hatte durch eine weitere Kapitalerhöhung zuletzt rund 340 Millionen Euro in die Kasse gespült bekommen.

Rüffel für Rummenigge und Röttgermann

Wolfsburgs Geschäftsführer Thomas Röttgermann brachte deshalb einen eigenen Ligakanal ins Gespräch. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von Rekordmeister Bayern München hatte das komplette Geschäftsmodell von "Sky" infrage gestellt.

Der frühere Liga-Boss Wolfgang Holzhäuser rüffelte seine beiden Kollegen am Mittwoch, da der Vertrag mit "Sky" ja noch bis 2013 laufe und durch solche Aussagen das Verhältnis zum Pay-TV-Partner leide.

"Ich halte die Forderungen für absolut kontraproduktiv", sagte der Chef von Bayer Leverkusen.

Auch DFL-Boss Christian Seifert kritisierte Rummenigge und Röttgermann: "Es besteht kein Grund, laufende Verträge infrage zu stellen. Wenn man seiner Frau nach einem Jahr sagt, dass man sie in drei Jahren verlassen will, dann kann man auch nicht gleichzeitig fordern, dass sie weiter liebevoll für einen sorgt."

Klubs müssen Schuldenlast verringern

Mit Blick auf die Probleme bei den TV-Einnahmen beschloss der Ligaverband wegen der Schuldenlast der Vereine eine Verschärfung des Lizenzierungsverfahrens. Jeder Erstligist muss seine Schulden in der kommenden Saison um zehn Prozent verringern, jeder Zweitligist um fünf Prozent.

Knapp die Hälfte der Klubs hatte in der vergangenen Saison rote Zahlen geschrieben.

Rauball und Zwanziger kritisieren Wettmonopol

Rauball und DFB-Präsident Theo Zwanziger hielten am Mittwoch flammende Reden, in denen die rigide Haltung der Politik beim Sportwetten-Monopol kritisiert wurde.

"Eine Finanzierungsmöglichkeit von drei Milliarden Euro werden durch Verbote in einer perversen Art und Weise heruntergerechnet auf rund 200.000 Euro. Das kann ich wirklich nicht begreifen. Dabei würde es Sportwetten ohne Fußball überhaupt nicht geben", sagte Zwanziger.

Rauball meinte: "Wir wollen nicht, dass der Fußball als Melkkuh gesehen wird."

Ehrung für Beckenbauer

Franz Beckenbauer wurde zudem bei der Generalversammlung zum "Ehrenangehörigen des Ligaverbandes" ernannt.

Neben Rauball wurden auch die Liga-Vizepräsidenten Peter Peters (Schalke 04) und Harald Strutz (FSV Mainz 05) in ihren Ämtern bestätigt. Vertreter der Bundesliga im Vorstand sind zudem Karl Hopfner (Bayern München) und Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt).

Die Zweite Liga im höchsten Bundesliga-Gremium vertreten Helmut Hack (Greuther Fürth) sowie Ansgar Schwenken (VfL Bochum).

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel