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Felix Magath wechselte 2009 vom damaligen Meister Wolfsburg zu den Schalkern © getty

Der Schalker Trainer zieht wegen seines Führungsstils zunehmend Kritik auf sich - und reibt sich immer mehr an den Fans.

Von Thorsten Mesch

München/Gelsenkirchen - Im vergangenen Sommer wurde Felix Magath von den Fans des FC Schalke 04 als großer Hoffnungsträger mit offenen Armen empfangen und gefeiert.

Nun wird der Trainer, der die Königsblauen in der abgelaufenen Saison überraschend auf Platz zwei geführt hatte, von viele Fans allmählich immer kritischer gesehen.

Und auch Magath reibt sich immer häufiger an den kritischen Fans, seit ihm die S04-Mitglieder im Mai eine größere Machtfülle im Verein verweigert hatten.

Der neueste Streitpunkt ist die Absetzung von Rolf Rojek, der daraufhin am Mittwoch selbst seinen Rücktritt vom Posten des Fanbeauftragten erklärte209112 (DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse).

Trennung per Telefon

Rojek war in der vergangenen Woche von Schalkes Vereinssprecher Rolf Dittrich telefonisch über die Trennung informiert worden.

Er könne diesen Posten nicht mehr ausüben, da er "nicht beim Verein angestellt sei und ein Interessenkonflikt zwischen seiner Tätigkeit als Fanbeauftragter und Vorsitzender des Schalker Fan-Club Verbandes (SFCV)" bestünde, so die Begründung des Klubs.

Eine offizielle schriftliche Absetzung Rojeks hatte bisher nicht vorgelegen.

Zwei Nachfolger vorgeschlagen

Nun ergriff der 55-Jährige, der zudem seit 1994 dem Schalker Aufsichtsrat angehört und seit 1988 Fanbeauftragter der Gelsenkirchener war, mit seinem Rücktritt selbst die Initiative.

Rojek forderte den Verein auf, seine bisherigen Stellvertreter Frank Arndt und Arthur Saager als Fanbeauftragte zu benennen.

Laut Richtlinien der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist jeder Bundesligaklub dazu verpflichtet, einen Fanbeauftragten zu bestellen. Dieser muss nicht im Verein angestellt sein.

Spannungen? "Mit Sicherheit"

Magath wird als treibende Kraft hinter der Trennung von Rojek betrachtet. Der Vorgang ist neuer Zündstoff für das Verhältnis zwischen Magath und den eingefleischten Fans, das als gespannt bezeichnet werden darf.

"Mit Sicherheit", sagt Arthur Saager zu SPORT1. Der SFCV-Vize beklagt die Art und Weise der Trennung von Rojek durch einen Anruf von S04-Pressesprecher Rolf Dittrich anstatt eines persönlichen Gesprächs und allgemein fehlende Kommunikation.

"Wir drängen auf Gespräche mit dem Vorstand, aber sie werden einseitig abgeblockt", erklärt Saager.

Seit der Jahreshauptversammlung, auf der die Mitglieder durch ihr Votum gegen eine Satzungsänderung Magath die Verfügung über ein höheres Budget für Transfers versagt hatten, sei der Kontakt so gut wie abgebrochen.

Gefühl der Bevormundung

Dass der SFCV die Mitglieder in ihrer Entscheidung beeinflusst haben könnte, streitet Saager ab.

"Das ist absoluter Blödsinn", betont der stellvertretende Vorsitzende: "Wir haben mündige Bürger und sind ein Verein, der von der Demokratie lebt. Wir werden den Teufel tun und irgendjemanden aufzwingen, was er zu wählen hat und was nicht."

Die Fans jedoch fühlen sich anscheinend immer mehr durch Magath bevormundet. Nach Bekanntwerden der Absetzung Rojeks hatten einige beim Pokalspiel in Aalen ihren Unmut bekundet.

"Unser Verein ist keine Diktatur"

"Unser Verein ist keine Diktatur" stand auf einem Transparent, mit dem Magaths autokratischer Führungsstil kritisiert werden sollte.

Der Trainer, der bei Schalke 04 zugleich Geschäftsführer und Vorstandsmitglied ist, reagierte offensiv und ging Teile der Fans an, die seiner Meinung nach mit ständigen Pfiffen gegen Christoph Metzelder die schwache Leistung des ehemaligen Dortmunders beim 2:1-Sieg provoziert hätten.

"Eine Gruppe lässt keine Gelegenheit aus, Christoph auszupfeifen und verbal zu attackieren. Er spricht zwar nicht darüber, aber es könnte sein, dass ihn das belastet", erklärte Magath.

Zoff auch wegen Red-Bull-Test

Ähnliches Unverständnis zeigte Magath für Fankritik an einem Testspiel gegen Red Bull Leipzig, ein Klub, das von traditionalistischen Anhängern wegen des Retorten- und Kommerz-Charakters der Sachsen abgelehnt wird.

"Wenn man das bei Schalke nicht braucht, dann ist das in Ordnung, dann verzichte ich auf solche Spiele. Aber dann muss das Geld woanders herkommen", bemerkte Magath schnippisch.

"Ein folgenschweres Eigentor"

Seine Gegner bringt er so noch mehr auf die Palme.

"Ein folgenschweres Eigentor" attestiert ein Fan in einem Internet-Forum Magath mit Blick auf Rojeks Entlassung, weitere Protest-Aktionen sollen folgen.

Am Samstag spielt Schalke beim Hamburger SV. Und es ist fraglich, ob ein sportliches Erfolgserlebnis die erhitzten Gemüter beruhigen kann.

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