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Zu Ehren ihres Trainers trugen Neuville (l.) und Marin (r.) einen Schnauzer © getty

Mönchengladbach hat sich binnen einer Saison vom Sorgenkind zum Vorzeigeklub gewandelt. Die Bundesliga-Vorschau von Sport1.de.

Von Johannes Fischer

München - Der Beginn der Bundesliga-Saison 2008/2009 rückt immer näher. Sport1.de stellt in der Bundesligavorschau alle 18 Teams vor. Aktuell: Borussia Mönchengladbach.

Borussia Mönchengladbach hat binnen einer Saison eine wahre Metamorphose hinter sich - vom Sorgenkind zum Vorzeigeklub.

Bereits ein Jahr nach dem desolaten Abstieg schafften die Borussen nicht nur den sofortigen Wiederaufstieg, sondern verpassten sich eine totale Rundumerneuerung ? nicht nur, was den Kader angeht.

Verantwortlich für den Imagewechsel sind Trainer Jos Luhukay (43) und Sportdirektor Christian Ziege (36), das jüngste Duo, das bei einem Bundesligaverein das Sagen hat. Werbung

Die beiden formten im Unterhaus ein Team, das spielerisch und taktisch wohl schon in der vergangenen Spielzeit bundesligareif war.

Neuzugänge passen ins Team

So forsch die Spieler auf dem Platz agierten, so sachlich und unaufgeregt gaben sich die beiden Verantwortlichen außerhalb des Fußballfeldes. Die Borussia präsentierte sich als Einheit.

Die Fehler der Vergangenheit, als Gladbach als "Kaufhaus des Westens" verspottet wurde, wurden zudem nicht wiederholt. Gezielte Einkäufe wie Rob Friend oder Marcel Ndjeng bildeten die Basis für die schnelle Rückkehr in die Eliteliga.

Wer ist neu?

Gladbach geht mit vier Neuzugängen in die Saison. Statt Stars wurden Spieler geholt, die nicht nur sportlich, sondern vor allem charakterlich ins Team passen. "Es geht nicht darum, Namen einzukaufen und mit den Millionen um uns zu schmeißen", erklärte Ziege im "Express".

Mit Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Leverkusen) wurde ein junger Innenverteidiger geholt, der auch vor der Abwehr spielen kann. Jean-Sebastian Jaures (Auxerre) bringt viel Erfahrung mit und verstärkt die linke Defensivseite. Der 30-Jährige hat 155 Erstligaspiele auf dem Buckel und wird sich mit Alexander Voigt um die Außenposition duellieren.

Der israelische Nationalspieler Gal Alberman, dem nicht wenige einen Stammplatz von Beginn an zutrauen, könnte mit Patrick Paauwe eine Doppel-Sechs bilden. Der schnelle Freiburger Karim Matmour ist eine Alternative im offensiven Mittelfeld oder Angriff.

Sollte es - etwa bei einem verpatzten Saisonstart - nötig sein, einen weiteren Spieler zu verpflichten, würden die Gladbacher Verantwortlichen nicht zögern nachzurüsten. Dies könnte die rechte Abwehrseite betreffen, die nach dem Abgang von Kasper Bögelund und Sebastian Schachtens Verletzung etwas dünn besetzt ist.

Wer ist der Hoffnungsträger?

Seit Lukas Podolski ragte kein Zweitligaspieler mehr derart heraus wie Marko Marin. Der Gladbacher "Zauberzwerg" dribbelte seinen Gegenspielern reihenweise Knoten in die Beine und avancierte in der Rückrunde trotz seiner 19 Jahre zum absoluten Stammspieler der "Fohlen".

Als Belohnung schaffte es Marin sogar in den vorläufigen EM-Kader von Joachim Löw, bevor ihn der Bundestrainer dann doch noch aussiebte.

Der Mittelfeldspieler, der von Luhukay behutsam aufgebaut wird, muss nun damit umgehen, dass er im Rampenlicht steht. "Jetzt kennen ihn die Leute. Daher wird es für ihn ein Stück schwieriger", glaubt Ziege.

Dennoch: Zuzutrauen ist dem Supertechniker einiges ? auch im Nationaltrikot.

Wie ist die Stimmung?

Die Aufstiegseuphorie rund um den Borussia-Park ist längst noch nicht verflogen. Die Vorfreude bei den Leid geprüften Gladbach-Fans könnte angesichts des Durchmarschs kaum größer sein.

Auch innerhalb des Vereins ist kein Ton des Missmutes zu hören. Die überzeugenden Testsiege unter anderem gegen Arminia Bielefeld (2:1) und SC Heerenveen (3:1) haben die gute Stimmung weiter angeheizt.

Dennoch wird man erst beim Saisonauftakt sehen, inwiefern die Rädchen bereits ineinander greifen. Als Warnung dient die vergangene Spielzeit, als die Borussia sowohl Hin- als auch Rückrundenstart verpatzte.

Was sind die Ziele?

"Es geht allein um den Klassenerhalt", sagen unisono Luhukay und Ziege. Zuzutrauen ist dem Traditionsklub vom Niederrhein jedoch mehr als der pure Abstiegskampf ? etwa die Rolle, die der KSC in der vergangenen Saison gespielt hat.

Luhukay verspricht zudem, die Fans weiter mit offensivem Spiel zu verwöhnen. "Wir wollen auch in der Bundesliga versuchen, das Spiel zu kontrollieren und so dominant aufzutreten, wie es uns letztes Jahr gelungen ist", sagt der Coach.

Mit attraktivem Fußball dem Abstiegsgespenst ein Schnippchen schlagen ? die Fans hätten bestimmt nichts dagegen.

Sport1-Prognose:

Vieles spricht dafür, dass die Borussia am Ende der Saison nicht einen der drei letzten Plätze belegen wird: zu stark scheint das gewachsene Kollektiv und die spielerische Klasse.

Allenfalls die geringe Erstliga-Erfahrung im Team könnte den Borussen einen Strich durch die Rechnung machen. Am Ende werden die "Fohlen" aber auf einen Platz im Mittelfeld galoppieren.

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