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Thomas Müller (l.) mit SPORT1-Redakteur Daniel Rathjen © getty

Im abschließenden Teil der SPORT1-Interviewserie spricht Müller über sein neues Leben als Superstar, van Gaal und seine Ziele.

Von Daniel Rathjen

München - Spätestens seit der WM platzt sein Terminkalender.

Pressetermine, Sponsorentermine, Fotoshootings, Training, Fantreffen - Thomas Müller ist in.

Und in Windeseile ist der 20-Jährige vom Noname zum Superstar geworden.

In der vergangenen Saison hatte ihn beim FC Bayern noch niemand auf der Rechnung. Heute ist er Leistungsträger.

Im abschließenden Teil der SPORT1-Interviewserie spricht Müller über sein neues Leben als Superstar, die kommende Saison, sein Verhältnis zu Louis van Gaal und seine Ziele.

SPORT1: Herr Müller, Sie sind Shooting-Star, WM-Held, Leistungsträger - das Interesse an Ihnen ist riesig. Kommen Sie überhaupt noch zur Ruhe?

Thomas Müller: Die Momente sind weniger geworden. Ich habe natürlich mehr Termine - wie zum Beispiel dieses Interview - vorm Training! (lacht) Aber zwischendurch kann ich schon zu Hause durchatmen. Da ist alles wie immer.

SPORT1: Können Sie noch entspannt durch die Innenstadt gehen?

Müller: Das ist schon schwieriger geworden. Durch die WM hat sich das stark verändert. Ich merke die Blicke. Und wenn ich im Restaurant sitze, kommen die Leute an meinen Tisch. Ich gebe gerne mal ein Autogramm. Nur eine ganze Autogrammstunde sollte es nicht gleich werden. Es ist schwer, alle Wünsche zu erfüllen, ohne dass man seine Privatsphäre verliert.

SPORT1: In der vergangenen Saison hatte Sie niemand auf der Rechnung. Jetzt kennt Sie jeder. Ist wieder alles neu für Sie?

Müller: Natürlich weiß ich, dass die Erwartungen gestiegen sind. Aber ich bin nicht der Typ, der sich davon verrückt machen lässt. Ich versuche, weiter Spaß zu haben - im Training und mit der Mannschaft.

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SPORT1: Inwiefern sind denn die Erwartungen gestiegen?

Müller: Nun ja, wenn es mal nicht so läuft, weiß ich, dass mir jetzt sofort Kritik entgegen schlagen wird. Darauf bin ich vorbereitet. Für diese Phasen habe ich mir vorgenommen, einfach weiter hart zu arbeiten. Dann kommt man schon darüber hinweg.

SPORT1: Wird das zweite Jahr demnach sportlich viel schwieriger für Sie?

Müller: Das glaube ich nicht. Ich bin ohnehin nicht jemand, der mal eben so drei, vier Gegenspieler stehen lässt. Wenn die Gegner mich doppeln wollen, dann sollen sie mich ruhig doppeln. Dadurch bekommen Arjen Robben oder Franck Ribery nur noch mehr Platz. Dann machen die eben reihenweise die Kisten.

SPORT1: Louis van Gaal spricht viel mit Ihnen, was verlangt er?

Müller: Generell will er, dass wir mannschaftsdienlich spielen, Einsatz zeigen und immer unser Bestes geben. Ansonsten hat jeder eine eigene Identität auf dem Platz, jeder darf seine Rolle interpretieren - alles in einem Rahmen von seinen Regeln, die jedoch auch positionsspezifisch sind.

SPORT1: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu van Gaal beschreiben?

Müller: Es ist besonders, weil er so auf mich baut - und das beim FC Bayern, wo es nicht alltäglich ist, dass ein Trainer einem jungen Spieler so viel Vertrauen schenkt. Denn wenn der Erfolg nicht da ist, gibt es Kritik. Gerade deshalb bin ich ihm dankbar. Und er selbst freut sich natürlich auch, dass er mit Holger Badstuber und mir das richtige Händchen hatte.

SPORT1: Trainiert er auch Ihren Torriecher?

Müller: Vieles ist bei mir Instinkt. Andere Sachen kann man tatsächlich auch trainieren.

SPORT1: Zum Beispiel?

Müller: Mein Tor bei der WM im Spiel um Platz drei gegen Uruguay: Ich sehe, dass der Bastian Schweinsteiger aus 30 Metern schießt, davor bin ich aber schon durchgelaufen, weil wir vorher darüber gesprochen haben, dass der Torwart mal einen Ball fallen lässt. So war es - und ich bekomme den Abpraller. Das war kein Instinkt, auf diese Situation hatte ich mich im Training vorbereitet. Das kann auch jeder Spieler aus der A-Klasse.

SPORT1: Wundern Sie sich manchmal, warum andere Spieler trotzdem nicht auf solche Ideen kommen wie Sie?

Müller: Ehrlich gesagt, ja. Vielleicht sehen andere die Situationen erst gar nicht, denen fehlt dann wohl der so genannte Torriecher. Für mich besteht ein Torerfolg aus einer Mischung aus Informationen sammeln, Bauchgefühl und Glück.

SPORT1: Haben Sie das alles in der vergangenen Saison gelernt?

Müller: Ich war schon immer fußballinteressiert. Aber was ich mitgenommen habe, war, dass du immer sehr gut vorbereitet sein musst. Unser Trainerstab befasst sich umfassend mit dem Gegner - da wird kein Unterschied zwischen Windeck oder Manchester gemacht. Das ist beeindruckend.

SPORT1: Wie lauten Ihre Ziele für die kommende Zeit?

Müller: Ich habe mir keine Tormarke gesetzt. Da machst du dich ja verrückt. Ich werde versuchen, mich an Toren zu beteiligen, Chancen herauszuspielen. Das Team steht im Vordergrund. Aber natürlich wünsche ich mir, dass ich weiter erfolgreich bin.

SPORT1: Haben Sie Angst vor Rückschlägen?

Müller: Angst ist der völlig falsche Begriff. Mir ist bewusst, dass auch gestandene Spieler mal eine Flaute haben. Das ist normal. Ich will es verhindern, aber oft hat es auch mit den Eigenschaften des Gegenspielers zu tun. Ein großer Name kann dir mehr liegen, dann bist du der Beste. Im nächsten Spiel ist der Name vielleicht nicht so groß, aber der Gegenspieler liegt dir nicht.

SPORT1: Wie fit sind Sie - steckt Ihnen die WM noch in den Knochen?

Müller: Körperlich geht es mir richtig gut. Was noch fehlt, ist der Rhythmus und die Eingespieltheit. Das muss sich erst wieder entwickeln. Gegen Real und Windeck haben wir gemerkt, dass noch nicht alles hundertprozentig stimmt.

SPORT1: Nach dem Double gibt es nur eine Steigerung...

Müller:(lacht) Wir wissen, dass es richtig schwer wird, wieder die Meisterschaft zu gewinnen. Der Pokal ist da vielleicht der einfachere Weg, einen Titel zu holen. Und in der Champions League sind wir nach der letzten Saison in den Favoritenkreis gerutscht...

SPORT1: Also ist doch das Triple das erklärte Ziel?

Müller: Ab dem Viertelfinale brauchst du in der Champions League auch sehr viel Glück. Genauso gut hätten wir gegen Manchester rausfliegen können. Wenn du 0:3 hinten liegst, kommst du schon mal in Schwitzen. Wenn wir uns in dieser Saison noch selbst steigern und das Glück beibehalten, könnte es eventuell klappen.

SPORT1: Zunächst steht das Spiel gegen Wolfsburg an. Ist das die Gelegenheit, gleich mal ein Ausrufezeichen an die direkte Konkurrenz zu setzen?

Müller: Wir müssen kein Ausrufezeichen setzen, sondern einfach das Spiel gewinnen. Für uns ist wichtig, dass wir gut reinkommen und dass wir eine einfachere Saison haben als letztes Jahr. Dieses Mal wollen wir einen guten Start hinlegen.

SPORT1: Was spricht dafür?

Müller: Wir wissen mittlerweile, wo der Trainer hin will. Und wir haben gelernt: Es macht Spaß, so zu spielen und erfolgreich kann es sogar dazu auch noch sein. Das ist unser Vorteil. Siege garantiert das nicht, aber die Voraussetzungen sind sehr gut.

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