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Auf dem Weg zum 1:0: Thomas Müller (r.) zieht an Simon Kjaer vorbei © getty

Bayern beginnt stark, schenkt aber nach der Pause die frühe Führung durch Müller weg. In letzter Sekunde besorgt Schweinsteiger dann den Auftakt-Sieg.

Aus der Allianz Arena berichtet Daniel Rathjen

München - Zehn Minuten waren gespielt, da brüllten die Fans des FC Bayern bereits:

"Deutscher Meister wird nur der FCB!"

Und nach 90 Minuten gegen den VfL Wolfsburg fühlte sich die Südkurve bestätigt.

Zum Auftakt in die neue Bundesliga-Saison besiegten die Münchner, bei denen aber bei weitem noch nicht alles rund lief, die "Wölfe" mit 2:1 (1:0).

Bastian Schweinsteiger erzielte erst in der Nachspielzeit das Siegtor. Zuvor hatte Edin Dzeko (55.) die Führung von Thomas Müller (9.) ausgeglichen.

"Es ist nicht meine Hauptaufgabe im Spiel, Tore zu schießen, und es gelingt mir nicht so oft, aber es ist schön, dass wir noch gewonnen haben", meinte Schweinsteiger nach dem Abpfiff.

Für die gerade in der zweiten Halbzeit stark aufspielenden Wolfsburger war es eine bittere Niederlage.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Einen Eklat gab es bereits vor dem Spiel. Van Gaal hatte Abwehrspieler Martin Demichelis kurzerhand auf die Tribüne verbannt, obwohl dieser vollkommen gesund ist.

Frust bei Demichelis

Der Coach war offenbar mit dem Fitnesszustand des Argentiniers nicht zufrieden. Der Spieler selbst soll sich - konfrontiert mit dem Vorwurf - uneinsichtig gezeigt haben.

Auch über einen Vereinswechsel des 29-Jährigen darf nun wieder spekuliert werden. Die Bayern haben ihren ersten Zoff.

Eines steht fest: Innerlich wird es in Demichelis brodeln. Möglich, dass die Personalie in Kürze weiter hochkocht.

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Guter Start der Bayern

Auf dem Feld verlief dagegen alles harmonisch. Der Double-Gewinner der Vorsaison gab vor 69.000 Zuschauern in der Allianz Arena gleich den Ton an.

Der VfL tat sich zunächst schwer und bekam im 4-2-3-1-System, in dem Edin Dzeko die Spitze gab, nicht wirklich zum Zug in der Offensive.

Wolfsburg-Coach Steve McClaren hatte überraschend Zvejzdan Misimovic und Grafite auf der Bank gelassen. "Es war eine Entscheidung des Trainers, das muss ich akzeptieren", meinte ein sichtlich frustrierter Misimovic.

"Wir hatten in der ersten Halbzeit zuviel Respekt", ärgerte sich McClaren nach Abpfiff.

Es dauerte nur neun Minuten, ehe Müller eine Unachtsamkeit in der Defensive der "Wölfe" zum 1:0 nutzte.

Nach einem Pass von Toni Kroos kreuzte der immer gefährliche Offensivallrounder plötzlich frei vor Diego Benaglio auf und ließ diesem aus acht Metern keine Chance.

Unordnung in Wolfsburger Abwehr

Der Höhenflug des "WM-Helden" hält also an. Eine Gefahr des Abhebens besteht laut Müller aber nicht. "Ich bin nicht der Typ, der sich verrückt machen lässt", hatte der 20-Jährige bereits im SPORT1-Interview klargestellt.

Müller war im weiteren Verlauf ein steter Unruheherd in der noch nach Ordnung suchenden Wolfsburger Abwehr. Bei der Abstimmung der Innenverteidiger Simon Kjaer und Andrea Barzagli haperte es.

Mit ein wenig mehr Präzision im Abschluss hätten die Bayern vor der Pause noch erhöhen können. Müller (25.) und Diego Contento scheiterten aus aussichtsreichen Positionen.

Wolfsburg verbuchte dagegen lediglich einen harmlosen Torschuss aus der Distanz von Karim Ziani (17.).

Mandzukic trifft den Pfosten

Der zweite Abschnitt begann dafür mit einem Paukenschlag - beziehungsweise mit einem Alu-Klatscher. Philipp Lahm ließ Mario Mandzukic ziehen: Der Neuzugang aus Zagreb traf daraufhin den Pfosten.

Es folgte eine bärenstarke Phase der Wolfsburger, in der sie die Schwachstellen in der Münchner Abwehr offenlegten.

Vor allem der eingewechselte Misimovic brachte mit exzellenten Pässen Schwung und bediente Dzeko einige Male mustergültig.

In der 54. Minute hatte er selbst nach einem Patzer von Bayern-Keeper Jörg Butt die große Chance zum Ausgleich, Butt machte mit einer Fußabwehr seinen Fauxpas wieder wett.

Eine Minute später hatte er dann beim Kopfball von Dzeko nach einer Ecke keine Chance. Das 1:1 für völlig verwandelte Gäste ging zu diesem Zeitpunkt völlig in Ordnung.

"Wenn man das Spiel zwischenzeitlich so herschenkt, ist die Erleichterung groß. Wenn man so schlecht spielt, wie die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit, hat man eigentlich nicht verdient, noch zu gewinnen", sagte Müller:

"Da müssen wir noch mal intensiv besprechen, was da los war. Aber wir haben nochmal alles versucht, und es hat geklappt."

Bissige "Wölfe"

Es entwickelte sich Spannung: Bayern drängte nach vorne, die "Wölfe" bissen und hielten mit engagiertem Zweikampfverhalten dagegen. Bastian Schweinsteiger bekam das einige Male zu spüren.

Dass beim Rekordmeister noch nicht alles rund läuft, wurde zudem deutlich. Im Gegensatz zur ersten Halbzeit leisteten sich Mark van Bommel und Co. zu viele Fehlpässe.

Der VfL setzte auf Konter und wäre mit solchen in der 67. beinahe erfolgreich gewesen, wieder hatte Misimovic Dzeko bedient.

Van Gaal zog seinen Joker, brachte Gomez für Toni Kroos und Danijel Pranjic für Klose. Das 2:1 erzielte allerdings Schweinsteiger nach Flanke von Franck Ribery. Benaglio machte dabei keine gute Figur.

Der Bayern-Trainer war zum Schluss rundum zufrieden. "Ein Sieg und drei Punkte, das macht mich froh, auch wenn es sehr schwierig war", sagte der Niederländer: "Und Ribery hat 90 Minuten gespielt, das ist unglaublich."

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