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Tobias Sippel wurde 2009 mit Deutschland U-21-Europameister © getty

Der 1. FC Köln muss schon nach 87 Sekunden den ersten Nackenschlag der Saison hinnehmen. Der FCK feiert eine furiose Rückkehr.

Köln - Gerade 87 Sekunden war die neue Bundesligasaison alt - und die Aufbruchsstimmung beim 1. FC Köln war fast schon wieder verflogen.

Youssef Mohamads historische Rote Karte war die Ouvertüre für 90 denkwürdige Minuten zwischen den Bundesliga-Gründungsmitgliedern aus Köln und Kaiserslautern, an deren Ende der FC ein Deja vu der vergangenen Saison erlebte.

"Diese Niederlage schmerzt", sagte Lukas Podolski nach dem 1:3 (1:0) gegen den Bundesliga-Rückkehrer aus der Pfalz: (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir haben 70 Minuten gut gekämpft. Lautern hatte keine Chance. Aber wir haben durch individuelle Fehler verloren."

Historischer Platzverweis für Mohamad

Und den ersten, den gab es eben schon nach 87 Sekunden. Kölns Kapitän Mohamad stand gegen FCK-Stürmer Erwin Hoffer auf dem Schlauch und wusste sich nur mit einer Notbremse zu helfen.

Dr. Felix Brych blieb nichts anderes übrig, als in die Gesäßtasche zu greifen und den Innenverteidiger zum Duschen zu schicken. Noch nie musste ein Bundesligaspieler früher den Platz verlassen.

"Ich weiß nicht, ob man da nach zwei Minuten eine Rote Karte geben muss", wand FC-Neuzugang Martin Lanig zwar ein, doch wirklich beschweren konnten sich die Kölner über die Entscheidung nicht.

Der Heimfluch geht weiter

Eigentlich hätten sie fast damit rechnen können. Denn die Niederlage gegen den FCK war die Fortsetzung eines nicht enden wollenden Kölner Albtraums gegen die Pfälzer.

Seit nunmehr 23 Ligaspielen hat Köln gegen Kaiserslautern nicht mehr gewonnen. Viel schlimmer dürfte für Verantwortliche und Anhänger der Rheinländer aber eine andere Statistik sein.

Denn die chronische Heimschwäche aus dem Vorjahr setzt sich fort, in der vergangenen Saison hat der FC gerade einmal drei Spiele gewinnen können.

McKenna: "Wir müssen die Kurve kriegen"

Der Schwung, mit dem die Kölner nach der enttäuschenden letzten Saison ins Spieljahr starten wollten, ist damit schon wieder fast aufgebraucht.

Zumal nun die schwere Auswärtsreise nach Bremen auf dem Programm steht.

"Wir müssen die Woche gut arbeiten und das Positive mitnehmen ins nächste Spiel", sagte Podolski, der zum 150. Mal in der Bundesliga auflief, und hofft auf eine Überraschung:

"Wir haben gute Möglichkeiten, eine Überraschung zu schaffen."

Innenverteidiger Kevin McKenna forderte: "Wir müssen sofort wieder die Kurve kriegen."

Brych gesteht Fehler ein

Die bekam der Aufsteiger aus Kaiserslautern schon während der Partie. Ein kaum erklärlicher Patzer von Torhüter Tobias Sippel (8.) hatte Milivoje Novakovic das 1:0 ermöglicht, auch wenn der Slowene im Abseits stand.

Das erkannte später auch Schiedsrichter Brych ("Das war eine Fehlentscheidung") an, für den FCK war dieser Fehler aber zu verschmerzen.

Denn durch Srdjan Lakics 20-Meter-Schuss (70.) eingeleitete Schlussspurt veredelten erneut Lakic (84.) und Ivo Ilicevic zum Endergebnis und bescherte Sippel ein Happy End.

Sippel kaum zu trösten

Nach einer katastrophalen und offensiv uninspirierten ersten Hälfte steigerten sich die Gäste deutlich.

"Wir haben nach der frühen Roten Karte für Köln eine recht mäßige erste Halbzeit gespielt", analysierte Trainer Marco Kurz, war letztlich aber natürlich versöhnt:

"Mit einem Auswärtssieg in die Bundesligasaison zu starten, ist natürlich nicht das Schlechteste."

Nur Keeper Sippel war kaum zu trösten. "Ich weiß nicht so recht, ob ich mich freuen soll", sagte der U-21-Nationaltorhüter nach seinem Bundesliga-Debüt:

"Es tut mir nur so leid, dass die Mannschaft meinetwegen so ackern musste."

Jetzt gegen den FC Bayern

Da Sippel sein Team im Anschluss an seinen Fehler mehrfach vor einem noch höheren Rückstand bewahrte, werden die Kollegen es ihm schnell verziehen haben.

Schließlich kehren sie jetzt mit jener Aufbruchsstimmung in die Pfalz zurück, die die Kölner gerne länger behalten hätten.

Und am Freitagabend steigt am Betzenberg das Spiel des Jahres: gegen den FC Bayern.

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