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Andreas Brehme erzielte in 301 Bundesligaspielen 50 Tore © SPORT1

Andreas Brehme wurde 1998 mit Kaiserslautern als Aufsteiger Meister. Für Sport1.de vergleicht er den damaligen FCK mit Hoffenheim heute.

Von Martin van de Flierdt

München - 1899 Hoffenheim mischt die Bundesliga auf. Der Neuling steht seit Sonntag alleine an der Tabellenspitze und hat sich mit seiner mitreißenden offensiven Spielweise den Respekt der Etablierten erarbeitet.

"Für einen Aufsteiger ist das sensationell", sagt Andreas Brehme.

"Obwohl das eine junge Mannschaft ist, glaube ich nicht, dass sie sich so leicht aus dem Ruder bringen lassen wird."

Der Weltmeister von 1990 muss es wissen:

Mit Bayern München 1987 Deutscher und mit Inter Mailand 1989 Italienischer Titelträger.

Vor allem aber gehörte er 1998 der Kaiserslauterer Mannschaft an, die als bisher einziger Neuling die Meisterschaft gewann.

"Da kommt man auf eine Welle"

"Da kommt man auf eine Welle", erklärt er die Euphorie des Durchstarters. "Ob es für ganz oben reicht, kann man aber jetzt noch nicht absehen."

Im Gespräch mit Sport1.de spricht der Mann, der 2002 als Trainer Kaiserslauterns mit sieben Siegen den Bundesliga-Startrekord einstellte, über das Erfolgsrezept und die Achillesferse von 1899.

Sport1.de: Herr Brehme, 1997 hat der Aufsteiger Kaiserslautern mit einem 1:0 bei Bayern München seinen Durchmarsch zum Meistertitel gestartet. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Andreas Brehme: Als Aufsteiger hat man in München ja nichts zu verlieren. Wenn man dort 0:3 unterliegt, sagt keiner etwas. Ein Unentschieden ist sehr, sehr gut, ein Sieg ist ein Weltwunder. Wir haben 1:0 gewonnen, hatten dabei zugegebenermaßen ein bisschen Glück. Da kommt man auf eine Welle. Dank unseres Publikums in Kaiserslautern sind wir bis zum Ende darauf geblieben. Aber wir wurden auch sehr lange unterschätzt.

Sport1.de: Nun ist mit Hoffenheim wieder ein starker Neuling vorne. Ist der Mannschaft ein ähnliches Husarenstück zuzutrauen?

Brehme: Sie spielen auf jeden Fall einen hervorragenden Fußball und stehen zu Recht da oben. Für einen Aufsteiger ist das sensationell. Was sie bieten, ist sehr erfrischend. Das Einzige, was mich ein bisschen bedenklich stimmt, ist die Abwehrreihe. Dort muss sich Hoffenheim noch verbessern. Ansonsten ist die Mannschaft auf einem sehr guten Weg. Sie spielt immer nach vorne, selbst wenn sie mal einen herben Rückschlag erleidet. Wie sie das Spiel in Hannover (5:2 nach 1:2, Anm. d. Red.) umgebogen hat, war beispielhaft.

Sport1.de: Warum macht Ihnen die Hintermannschaft Sorgen?

Brehme: Dort sind sie verwundbar. Man müsste sie richtig unter Druck setzen, dann bekommen sie Probleme.

Sport1.de: Das haben die bisherigen Gegner sicher schon mal versucht. Wieso ist das nur so wenigen gelungen?

Brehme: Vielleicht hat man Hoffenheim noch unterschätzt. Irgendwann müssen die Konkurrenten aber mal kapieren, dass auch andere Fußball spielen können. Wenn man weiß, dass Hoffenheim derart gute Stürmer und Mittelfeldspieler hat, muss man eben versuchen, der Abwehr zuzusetzen.

Sport1.de: Halten Sie es für möglich, dass die TSG das hohe Niveau über Saison halten kann?

Brehme: Bei uns hat man das ja damals auch nicht geglaubt. Da hieß es auch "irgendwann brechen die ein". Aber wir sind nicht eingebrochen. Wenn wir mal verloren haben, haben die anderen auch Federn gelassen.

Sport1.de: Heißt das mit anderen Worten, man darf sich nur nicht verrückt machen lassen?

Brehme: Wir waren ja schon eine gestandene Mannschaft, ein bisschen älter als die Hoffenheimer heute. Otto Rehhagel hat uns vor dem Spiel nur gesagt: "Jungs, wir gehen da jetzt rein, um das Ding zu gewinnen." Wir haben uns nicht mit der Meisterschaft beschäftigt, sondern haben von Spieltag zu Spieltag gedacht.

Sport1.de: Halten Sie die Hoffenheimer für ähnlich stabil?

Brehme: Sie haben mit Ralf Rangnick einen Riesen-Trainer, der alles im Griff hat. Er holt die Spieler auf den Boden der Tatsachen zurück. Deswegen bin ich überzeugt, dass Hoffenheim in diesem Jahr weit kommen und sich für das internationale Geschäft qualifizieren wird. Obwohl das eine junge Mannschaft ist, glaube ich nicht, dass sie sich so leicht aus dem Ruder bringen lassen wird. Ob es für ganz oben reicht, kann man aber jetzt noch nicht absehen.

Sport1.de: Worin sehen Sie denn das Erfolgsgeheimnis der TSG?

Brehme: Hoffenheim hat eine sagenhafte Einkaufspolitik betrieben. Andere Vereine haben deutlich mehr Geld investiert. Die Hoffenheimer sind nicht einfach so zusammengekauft. Die haben junge Spieler geholt, die andere Vereine einfach nicht gesehen haben. Was da passiert, ist einfach intelligent gemacht. Deshalb finde ich es eine bodenlose Frechheit, dass Dietmar Hopp teilweise in gegnerischen Stadien so angegriffen wird. Ich weiß nicht, ob das nur Neid ist. Man muss eine solche Leistung anerkennen.

Sport1.de: Mittwoch muss Hoffenheim nach Bochum und ist eindeutig in der Favoritenrolle. Erschwert das die Aufgabe?

Brehme: Mit Sicherheit, das wird kein einfaches Spiel. Für Hoffenheim wäre es einfacher gewesen, jetzt gegen Bayern zu spielen. Da hätten sie nach wie vor nichts zu verlieren gehabt. Denn Bochum hat nichts zu verschenken. Aber Hoffenheim spielt so unbekümmert auf, dass die Mannschaft auch beim VfL gute Siegchancen hat.

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