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Benedikt Pliquett wechselte 2004 vom VfB Lübeck zu St. Pauli © getty

Ersatzkeeper Pliquett und St. Pauli-Fans werden in Hamburg von HSV-Anhängern angegriffen. Ein Fan erleidet einen Nasenbeinbruch.

Hamburg - 26 Tage vor dem Hamburger Derby haben Fans des Hamburger SV für einen schlimmen Zwischenfall gesorgt.

15 vermummte Anhänger attackierten in der Nacht zum Sonntag Pauli-Fans und Torhüter Benedikt Pliquett.

Der 25-Jährige war nach der Rückkehr vom Spiel beim SC Freiburg mit fünf Fans am Banhof Altona ausgestiegen und wurde umgehend angegriffen.

Pliquett blieb unverletzt, zwei Pauli-Anhänger mussten dagegen zunächst ins Krankenhaus gebracht werden. Drei HSV-Fans im Alter von 16 bis 29 Jahren wurden festgenommen, fünf weitere kurz darauf ermittelt.

Pliquett kann Tritte abwehren

"Eine Flasche verfehlte ganz knapp meinen Kopf. Ich rief die Polizei. Sie griff auch sofort ein", sagte Pliquett der "Bild"-Zeitung.

Der Torwart, der gegen Freiburg nicht zum Einsatz kam, hatte mehrere Tritte mit seinem Koffer abwehren können (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Die Täter sind organisiert vorgegangen"

Die Hooligans hatten auch bereits am Boden liegende Personen weiter getreten und geschlagen. Laut Polizeiangaben zog sich ein Fan einen Nasenbeinbruch zu, einem weiteren wurde das Hörgerät aus dem Ohr geschlagen.

"Die Täter sind durchaus organisiert vorgegangen", sagte der Sprecher der Bundespolizei, Reiner Urban, dem "Hamburger Abendblatt".

Der Ermittlungen hätten ergeben, dass diese Personen in der Datei "Gewalttäter Sport" registriert seien. Außerdem seien Dauerkarten des HSV gefunden worden, erklärte die Polizei weiter.

HSV erwägt Stadionverbot

HSV-Vorstand Oliver Scheel äußerte sich empört über den Angriffs. "Ich bin frustriert und maßlos enttäuscht, dass es diesen Übergriff gegeben hat und dieser dem HSV zuzuordnen ist", sagte Scheel dem "Abendblatt".

Sobald der HSV alle Informationen erhalten habe, werde man mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wie Stadionverboten vorgehen.

"Für mich ist dieser Vorfall auch ein deutliches Warnsignal, dass wir alles dafür tun müssen, dass rund um das Derby alles ruhig und sportlich zugeht", sagte Scheel.

Sorgen um Derby

St. Paulis Pressesprecher Christian Bönig macht sich ebenfalls Sorgen um die Sicherheit vor dem ersten Hamburger Stadt-Derby seit mehr als acht Jahren am 18. September am Millerntor.

"Das war sicher ein organisierter Übergriff, den wir aufs Schärfste verurteilen", sagte er bei SPORT1:

"Wir rufen unsere Fans auf, Ruhe zu bewahren und dies nicht zu vergelten. Wir werden vor dem Derby zu Ruhe und Besonnenheit aufrufen. Aber wir dürfen uns keinen Sand in die Augen streuen: Es wird immer ein paar Vollidioten geben."

Harte Konsequenzen

Pliquett sei nach den Vorfällen "schockiert", so Bönig weiter: "Er hat mich noch in der Nacht angerufen und war sehr aufgebracht, weil er so etwas miterleben musste."

Der Fanbeauftragte des HSV, Mike Lorenz, sagte dem "Abendblatt": "Wir werden versuchen, in den nächsten Tagen die Täter zu kontaktieren. Von unserer Seite müssen sie natürlich mit harten Konsequenzen rechnen."

Gerade in Bezug auf das bevorstehende Derby sei dieser Vorfall sehr ärgerlich.

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