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Für Michael Ballack war das Spiel in Dortmund seine 233. Bundesliga-Partie © getty

Das unauffällige Comeback überstrahlt den Sieg der Leverkusener in Dortmund. Der DFB-Kapitän weiß nicht, ob Löw ihn nominiert.

Von Christian Stüwe

München - Direkt nach Schlusspfiff fiel der Druck für einen Moment von Michael Ballack ab.

Nach seinem unauffälligen, aber soliden Comeback klatschte der Mittelfeldspieler seine Kollegen ab und freute sich über den 2:0-Sieg der Leverkusener bei Borussia Dortmund.

Kaum mehr als 50 Ballkontakte, mehr als die Hälfte aller Zweikämpfe verloren, kein einziger Torschuss - die Bilanz zeigte, dass der 33-Jährige bei weitem noch nicht wieder der Alte ist.

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Doch unmittelbar nach Schlusspfiff war das Ballack ziemlich egal. Seine eigene Leistung spiele keine Rolle, wichtig sei nur der Sieg der Werkself, erklärte er.277443(DIASHOW: Ballack schon wieder in Blau)

"Für mich war es wichtig, dass ich 90 Minuten durchgespielt habe. Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe", zog Ballack ein zufriedenes Fazit.

"Das war ein ordentliches Debüt von Michael. Aber man hat gesehen, dass er noch einige Spiele braucht", war auch Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler zufrieden.

Allerdings blieb Ballack kaum Zeit durchzuschnaufen, denn direkt nach dem Spiel wurde er mit dem Thema Nationalmannschaft konfrontiert, das ihn in den letzten Wochen auf Trab gehalten haben dürfte.

Als er gefragt wurde, ob Bundestrainer Joachim Löw ihn am Freitag für die ersten beiden EM-Qualifikationsspiele in Belgien und Aserbaidschan nominieren werde, wirkte Ballack plötzlich weit weniger entspannt.

Ballack nicht von Nominierung überzeugt

"Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber ich denke, ich bin ein Teil der Mannschaft", sagte der 98-fache Nationalspieler, dem der Münchner Philipp Lahm die Kapitänsbinde streitig machen will.

Löw, der das Spiel von der Tribüne aus verfolgte, "habe sicherlich seine Vorstellungen", bemerkte Ballack, der sich keinesfalls sicher zu sein scheint nominiert zu werden.

Löws Entscheidung darf mit Spannung erwartet werden.

Worüber aber auch der Bundestrainer keine zwei Meinungen haben dürfte, war der starke Auftritt der Werkself. Sie zeigte eine ebenso souveräne wie clevere Vorstellung.

Schiedsrichter Meyer verweigert Kehl einen Treffer

"Es ist nicht so einfach in Dortmund zu gewinnen", sagte Bayer-Trainer Jupp Heynckes.

"Meine Mannschaft hat über weite Strecken ein hervorragendes Spiel gezeigt und in der zweiten Halbzeit den Sieg clever und souverän nach Hause gefahren."

Tranquillo Barnetta erzielte die Führung, wenig später lag der Ball dann aber im Leverkusener Tor.

Doch Schiedsrichter Florian Meyer verweigerte dem Treffer von Sebastian Kehl wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung die Anerkennung.

Die anschließende Konfusion der Dortmunder nutzte Renato Augusto, um bereits in der 22. Minute den Endstand herzustellen.

Dortmunder suchen Fehler bei sich

Danach nahm Bayer geschickt das Tempo aus dem Spiel und geriet zu keiner Zeit ernsthaft in Gefahr, die drei Punkte noch zu verspielen.

Dementsprechend hielt sich der Ärger über das zu Unrecht verweigerte Tor bei den Borussen in Grenzen.

"Das wäre das 1:1 gewesen, aber daran hat es sicher nicht gelegen", erklärte Kehl.

Und auch Trainer Jürgen Klopp sah "rein fußballerische Fehler", die sein Team auf die Verliererstraße gebracht hätten.

Junges Team nicht schuld

Klopp hatte abermals ein sehr junges Team aufgeboten, der 18-Jährige Mario Götze und der 21-jährige Shinji Kagawa standen in der Startformation.

Dass sein Team Lehrgeld bezahlt habe, wollte Klopp aber nicht gelten lassen.

"Es hat nichts mit der jungen Mannschaft zu tun. Wenn die Spielentwicklung etwas anders gewesen wäre, hätte es anders laufen können", bemerkte der 43-Jährige.

Kehl räumte jedoch ein, dass die Routine schon eine Rolle gespielt haben könnte.

"Leverkusen hat es sehr clever runtergespielt. Wir haben alles versucht, aber Leverkusen war abgezockt und die bessere Mannschaft", sagte der BVB-Kapitän.

Hyypiä mit starker Leistung

So war etwa der 36-jährige Abwehrchef Sami Hyypiä mit seinem starken Stellungsspiel maßgeblich daran beteiligt, dass die zahlreichen Dortmunder Angriffe nicht zum Erfolg führten.

Wenn Ballack wieder sein Leistungsmaximum erreicht hat, könnte er gemeinsam mit dem Finnen eine defensive Achse bilden, die nur schwer zu knacken sein dürfte.

Und dabei dürfte es auch keine Rolle spielen, ob er dann noch Nationalspieler ist oder nicht.

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