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Martin Demichelis wechselte 2003 von River Plate Buenos Aires zum FC Bayern © imago

Er wird vor der Bank flüchten: Ein Weggang des stolzen argentinischen Verteidigers vom FC Bayern ist kaum zu verhindern.

Vom FC Bayern berichten Daniel Rathjenund Christian Ortlepp

München - Louis van Gaal stellt ihn auf eine Stufe mit Maximilian Haas.

Ihn, den stolzen Stammspieler in der argentinischen Nationalmannschaft. Ihn, der seit 2003 beim FC Bayern unter Vertrag steht.

Nichts gegen den Bayern-Amateur, aber tiefer kann Martin Demichelis in der Gunst des Trainers kaum sinken.

Ein Wechsel des Argentiniers steht daher so gut wie fest.

"Wenn er gehen will, wäre das für mich kein Problem. Wir haben noch 14 Tage, dass er weggehen kann", sagt van Gaal.

Kritik von Beckenbauer

Und am Sonntagabend musste Demichelis dann auch noch den Spott von Franz Beckenbauer über sich ergehen lassen.

"Er will nur hinten in der Innverteidigung spielen. Da hat er es einfacher, da kann er mit der Krawatte spielen", sagte der Bayern-Ehrenpräsident bei "sky":

"Den Schlendrian und die Fehler, die er in den vergangenen Jahren gemacht hat - mein lieber Mann, da waren schon einige dabei. Er ist ein ausgezeichneter Spieler, aber er will nicht laufen."

Ablöse um die acht Millionen

Bis 1. September läuft die Transferperiode noch.

Atletico Madrid scheint daran interessiert zu sein, den 29-Jährigen aus seinem bis 2012 laufenden Vertrag herauszukaufen

Eine Ablöse um die acht Millionen Euro müssten die Spanier wohl aufbringen. Die Gespräche laufen.

"Verhandlungen laufen"

Passend dazu verriet Demichelis, genannt "Micho", der argentinischen Sportzeitung "Ole": "Es hat bereits Verhandlungen mit einem anderen Verein gegeben."

Der Madrider Klub hat in dieser Saison gute Perspektiven in der Meisterschaft und in der Europa League.

[kaltura id="0_5ie6ay0z" class="full_size" title="Fans kontra Demichelis"]

Auch der FC Sevilla könnte ein Thema sein, weil Sebastien Squillaci zu Arsenal London geht. Fraglich ist allerdings, ob die Andalusier Demichelis' hohen Gehalt (rund vier Millionen) stemmen können.

Unwahrscheinlich ist dagegen ein Wechsel in der Bundesliga, auch wenn etwa Werder Bremen nach Naldos Ausfall einen starken Innenverteidiger gut gebrauchen könnte.

Es könnte nun ganz schnell gehen. Doch was für Konsequenzen hätte Demichelis' Weggang wirklich? SPORT1 beleuchtet drei Szenarien.

Szenario 1: Demichelis geht - interne Lösung

"Wir haben viele Spieler", behauptet van Gaal. Der Weggang von Demichelis könnte mit der Kraft aus den eigenen Reihen kompensiert werden.

In zwei Monaten ist Breno, auf den der Coach große Stücke hält, wieder fit.

Anatoliy Tymoshchuk lechzt nach Einsatzzeit und bietet bis dahin seine Unterstützung ebenfalls an: "Ich kann auch Innenverteidiger spielen", sagt er deutlich.

Und dann wäre da ja noch Maxi Haas, der Kapitän der Bayern-Reserve, 24 Jahre alt. Wie schnell ein Amateur den Sprung in den Kreis der Profis schaffen kann, haben Thomas Müller, Holger Badstuber und Diego Contento schon bewiesen.

Was mit Demichelis jedoch gehen würde, wäre ein großes Stück Qualität. Um das aufzufangen, müssten die Bayern wohl doch noch investieren.

Szenario 2: Demichelis geht - Neuverpflichtung

Geld hat der deutsche Rekordmeister genug. 60 Millionen Euro stehen zur Verfügung, aus einem Demichelis-Verkauf würden weitere dazu kommen.

Momentan ist der Markt allerdings überhitzt. Innenverteidiger, die über hohe Qualität verfügen, sich schnell integrieren können, möglichst deutsch sprechen und Perspektive haben, sind rar.

Echte Stars wie John Terry (FC Chelsea), Gerard Pique, Carles Puyol (FC Barcelona), Nemanja Vidic, Rio Ferdinand (beide Manchester United) oder auch Per Mertesacker (Werder Bremen) sind fest in ihren Vereinen verankert.

Chancen gibt es eher bei Spielern in der Kategorie von Giorgio Chiellini (Juventus Turin), Marc Planus (Girondins Bordeaux) oder Diego Lugano (Fenerbahce).

Szenario 3: Demichelis bleibt

Angenommen, er bliebe, müsste sich Demichelis hinter Daniel van Buyten und Badstuber anstellen. Vorwiegend würde er auf der Bank sitzen - und das im besten Fußballalter.

Bei dieser Perspektive ist es legitim, dass sich ein Spieler Gedanken über einen Wechsel macht.

Zudem würde seine Unzufriedenheit Unruhe erzeugen. Das Gleichgewicht in der Mannschaft wäre permanent gefährdet.

Das will van Gaal unbedingt vermeiden und formuliert seine Meinung deshalb auch so klar.

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