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Am 8. Mai randalierten HSV-Anhänger beim Spiel in Bremen © getty

Der Übergriff von HSV-Fans auf St. Pauli-Keeper Pliquett stellt das Sicherheitskonzept in Frage. Der HSV-Boss entschuldigt sich.

Hamburg - Der Hooligan-Angriff in Hamburg hat für Schokstarre in der Hansestadt gesorgt.

Und er hat die Sicherheitsbedenken vor dem brisanten Bundesliga-Derby der beiden Stadtrivalen in vier Wochen geschürt.

Das erste Ligaduell zwischen dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV seit achteinhalb Jahren könnte wie schon häufiger in der Vergangenheit zu einem Risikospiel werden.

Für St. Pauli steht dabei eine Verlegung seines Heimspiels aus Sicherheitsgründen vom Millerntor in das Stadion des HSV nicht zur Diskussion.

"Natürlich am Millerntor"

"Wir haben ein Heimspiel und das findet natürlich am Millerntor statt", sagte Klubsprecher Christian Bönig.

Stattdessen werde man "alles Menschenmögliche tun, damit wir ein friedliches Derby erleben".

Die bisherigen sieben Bundesliga-Heimspiele der Kiezkicker gegen den Lokalrivalen hatten aus Kapazitäts- und Sicherheitsgründen stets im weitläufigen Volkspark stattgefunden.

Hoffmann entschuldigt sich

Der HSV-Boss Bernd Hoffmann entschuldigte sich noch am Montag für diesen Vorfall.

"Ich entschuldige mich im Namen des Hamburger Sport-Vereins für diesen Vorfall, insbesondere bei den Betroffenen", sagte er.

"Dieses Verhalten der vermeintlichen HSV-Anhänger ist absolut beschämend und trübt die Freude über den tollen ersten Spieltag für beide Vereine."

[kaltura id="0_y3ub2u5s" class="full_size" title="Schulte schockiert"]

Dennoch wird die brutale Attacke einer Gruppe von Hooligans aus dem HSV-Umfeld auf eine kleine Gruppe friedlicher St.Pauli-Fans in der Nacht zum Sonntag am Altonaer Bahnhof Konsequenzen für das Lokalderby Mitte September nach sich ziehen.

"Wir werden das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bestrafen. Für solche Leute haben wir keinen Platz in der HSV-Familie", kündigte Hoffmann an.

Deeskalationskonzept über den Haufen geworfen

Das bislang geplante Deeskalations-Konzept ist nach Ansicht des HSV-Fanbeauftragten Mike Lorenz über den Haufen geworfen.

"Man kann sicher sein, dass die Polizei ihre Einsatzpläne nach diesem Vorfall verschärfen wird", sagte Lorenz.

Rund 15 teilweise vermummte Gewalttäter hatten in der Nacht zum Sonntag eine kleine Gruppe St. Paulianer, darunter Torwart Benedikt Pliquett, nach der Heimkehr vom Auswärtsspiel beim SC Freiburg am Bahnhof Hamburg-Altona attackiert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Drei Verletzte

Dabei hatte es drei Verletzte gegeben.

"Das war sicher ein organisierter Übergriff, den wir aufs Schärfste verurteilen", sagte Pauli-Sprecher Bönig bei SPORT1:

"Wir rufen unsere Fans auf, Ruhe zu bewahren und dies nicht zu vergelten. Wir werden vor dem Derby zu Ruhe und Besonnenheit aufrufen. Aber wir dürfen uns keinen Sand in die Augen streuen: Es wird immer ein paar Vollidioten geben."

Pliquett sei nach den Vorfällen "schockiert", so Bönig weiter: "Er hat mich noch in der Nacht angerufen und war sehr aufgebracht, weil er so etwas miterleben musste."

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen

Für das Derby gelten aufgrund der großen Rivalität ohnehin verstärkte Sicherheitsvorkehrungen.

"Nach den Vorkommnissen vom Wochenende steht das Derby natürlich nochmal unter besonderem Augenmerk", sagte Reiner Urban als Sprecher der Bundespolizei, die den Vorfall am Altonaer Bahnhof untersucht.

Wie Urban weiter bestätigte, dauern die Ermittlungen zu den Angriffen der HSV-Hooligans noch an.

Drei Personen vorläufig festgenommen

"Drei Personen wurden vorläufig festgenommen, von fünf weiteren die Daten aufgenommen. Jetzt werten wir die gewonnenen Erkenntnisse aus."

Darüber hinaus habe sich am Montagmorgen eine weitere Zeugin gemeldet, die zusätzliche Angaben zu den Gewalttätern gemacht habe, so Urban.

Für die Polizei Hamburg, die für die übergeordneten Sicherheitsmaßnahmen rund um das Spiel verantwortlich ist, erklärte Sprecherin Ulrike Sweden: `

"Wir werden alle Vorkommnisse im Vorfeld dieser Begegnung in die Planungen einbeziehen. Ein konkretes Sicherheitskonzept wird es allerdings erst in den Tagen vor dem Spiel geben."

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