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Jermaine Jones (r.) musste nach dem HSV-Spiel sein Fan-Shirt umdrehen © getty

Nach der Niederlage zum Saisonstart wächst der Druck auf Schalkes Trainer Felix Magath. Der braucht neue Spieler - und einen Sieg.

Von Thorsten Mesch

München - Welche Probleme sportlicher Natur der FC Schalke 04 zu Beginn der neuen Bundesligasaison noch hat, das bekamen die Königsblauen am Samstagabend vom Hamburger SV vor Augen gehalten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die verdiente 1:2-Niederlage beim Hamburger SV allein wäre aber noch kein Grund zur Sorge.

Doch die Ereignisse im Vorfeld der Partie und schließlich das, was sich unmittelbar nach dem Spiel in der Hamburger Arena abspielte, zeigen: Die Lunte lodert!

Beliebte Protest-Shirts

Nachdem Felix Magath nach der Kritik an der umstrittenen Entlassung des Fanbeauftragten Rolf Rojek behauptet hatte, es sei nur "eine kleine Gruppe" der Fans, die nicht mit dem Führungsstil und der Personalpolitik des Schalker Trainers und Vorstandssprechers einverstanden sei, konterten die Anhänger in Hamburg mit einer Protestaktion.

Viele der 3000 mitgereisten Fans machtem mit Transparenten ihrem Ärger Luft oder trugen weiße T-Shirts mit dem ironisch gemeinten Aufdruck "kleine Gruppe".

Sogar Schalker Spieler zogen sich nahc dem Abpfiff die Hemden an, die pikanterweise Kapitän Manuel Neuer vor der Fankurve an seine Teamkollegen verteilt hatte.

Jermaine Jones, Christoph Moritz und Ivan Rakitic wurden in den Protest-Hemden gesichtet - und stießen dabei auf wenig Verständnis seitens der Funktionäre.

In der Mixed Zone sorgte Medien-Chef Rolf Dittrich dann schnell dafür, dass Jones das Kleidungsstück auf links zog.

Magath räumt Fehler ein

Doch damit konnte auch nicht mehr kaschiert werden, was längst eine Gewissheit ist: Die Stimmung auf Schalke ist angespannt.

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Immerhin räumte Magath ein, im Bezug auf die Entmachtung des Fanbeauftragten Rojek etwas falsch gemacht zu haben.

"Ich stehe dazu, dass es ein Fehler war, ihm die Entscheidung nicht persönlich mitzuteilen", meinte er.

"Aber bei der Maßnahme an sich sehe ich kein großes Problem. Deshalb irgendwo einen Aufstand zu inszenieren, halte ich für zu hoch gegriffen."

Noch viel Arbeit

Am Donnerstag soll es ein Gespräch zwischen dem Schalker "Alleinherrscher" und Fanvertretern geben. Doch sollte am Wochenende im Heimspiel gegen Hannover kein Sieg gelingen, droht sich die Lage weiter zuzuspitzen.

Die Niederlage in Hamburg hat gezeigt, dass Magath noch viel Arbeit vor sich hat.

Seine Mannschaft lieferte eine schwache Vorstellung ab, bei der besonders der von Real Madrid verpflichtete Raul enttäuschte.

"Raul ist kein Konterspieler", nahm Magath seinen Stürmerstar in Schutz. "Seine Auswechslung war der taktischen Umstellung nach unserer Dezimierung geschuldet."

Wackelige Abwehr

Nach dem Platzverweis gegen Benedikt Höwedes muss Magath gegen Hannover auf den Innenverteidiger verzichten.

Höwedes' Abwehrkollege Christoph Metzelder leistete sich in Hamburg erneut mehrere Fehler.

Die Verteidigung steht nach dem Abschied ehemaliger Leistungsträger wie Marcelo Bordon, Rafinha oder Heiko Westermann auf wackeligen Füßen, doch Magath sieht den Handlungsbedarf an anderer Stelle.

"Vor allem im Spiel nach vorne müssen wir stärker werden", erklärte er nach der Pleite in Hamburg und kündigte an:

"In den nächsten zehn Tagen wird sicher noch etwas passieren. Wenn wir den Ansprüchen an uns gerecht werden wollen, brauchen wir neue Qualität."

Baptista will kommen

Julio Baptista könnte diese Qualität ins Team bringen. Der Brasilianer in Diensten des AS Rom will anscheinend gerne zu den Knappen wechseln. 209112(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse)

Nach einem Bericht der italienischen Sporttageszeitung "Corriere dello Sport" soll Baptistas Manager mit Schalke über einen Vierjahresvertrag verhandeln. Als Ablösesumme sind fünf Millionen Euro im Gespräch.

Baptista war vor zwei Jahren von Real Madrid nach Rom (15 Tore in 69 Spielen) gewechselt und kassierte dort zuletzt drei Millionen Euro netto pro Saison.

Auch Grafite im Gespräch

Auch der Rumäne Ciprian Deac (FC Cluj) die Wolfsburger Zvezdan Misimovic und Grafite, die beide 2009 unter Magath Meister wurden, sind als Verstärkungen im Gespräch.

Natürlich hat Magath mit seinen Aktionen auf dem Transfermarkt das Wohl der Mannschaft im Sinn, bei den Fans könnte er damit aber auf Unmut stoßen.

"Felix hat viele Spieler geholt und ich kann mir vorstellen, dass die Fans sich daran stoßen und reagieren, wenn Siege ausbleiben", sagt der ehemalige Schalke-Trainer Huub Stevens in seiner SPORT1-Kolumne.

Andererseits sei "klar, dass sie einen großen Kader brauchen werden, denn sie müssen mit der Doppelbelastung aus Liga und Champions League fertig werden."

Magath habe "eine Art und Weise, die nicht immer auf Gegenliebe stößt", sei "damit jedoch immer erfolgreich gewesen", so Stevens weiter.

Immer noch Spaß an der Arbeit

"Ich habe immer noch Spaß daran, die Mannschaft weiter umzustrukturieren", betonte er zuletzt im "kicker".

Klar ist: Magath ordnet auf Schalke alles seinem Fernziel Meisterschaft unter und wird auch in Zukunft nicht vor unpopulären Maßnahmen zurückschrecken.

Um in Ruhe arbeiten zu können, braucht er jedoch vor allem Siege.

Am besten schon am Samstag gegen Hannover.

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