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Bastian Reinhardt bestritt 132 Bundesliga-Spiele für den Hamburger SV © getty

Im Interview äußert sich Sportchef Bastian Reinhardt zum Konflikt mit Investor Kühne und zur Rivalität mit St. Pauli.

Von Daniel Rathjen

Hamburg - Bastian Reinhardt hatte sich den Start als neuer HSV-Sportchef vermutlich etwas ruhiger gewünscht.

Die gescheiterte Verpflichtung Urs Siegenthalers als Scout brachte ebenso Unruhe in den Verein wie die Kritik von Investor Klaus-Michael Kühne an den Neuzugängen.

Zumindest das Kapitel Kühne ist für den HSV aber nun abgeschlossen."Wir haben mit ihm darüber gesprochen und die richtigen Worte gefunden", sagt Reinhardt im Bezug auf ein Treffen mit Kühne am Mittwoch.

Ergebnis des Treffens: Das ohnehin umstrittene Kühne-Projekt "Anstoß" wird beendet. Es bleibt bei der Finanzspritze von 12,5 Millionen Euro. Den Kacar-Transfer muss der HSV aus eigener Tasche bezahlen.

Kühne behält allerdings Transferrechte an sechs Spielern: Marcell Jansen, Paolo Guerrero, Dennis Aogo, Heiko Westermann, Dennis Diekmeier und Lennard Sowah.

Sorge um Hamburger Derby

Für zusätzliche Missstimmung in Hamburg sorgte die Attacke von HSV-Hooligans gegen St. Pauli-Keeper Benedikt Pliquett und mehrere Anhänger des Lokalrivalen.

Um für ein friedliches Derby Mitte September zu sorgen, hat Reinhardt bereits seinen St. Pauli-Kollegen Helmut Schulte kontaktiert, um geeignete Maßnahmen zu besprechen.

Wenigstens sportlich verlief der Saisoneinstieg des HSV erfolgreich. Stürmerstar Ruud van Nistelrooy sicherte mit einem Doppelpack den 2:1-Auftaktsieg gegen den FC Schalke 04.

Im SPORT1-Interview spricht Reinhardt über das Potenzial des Kaders. Verkaufspläne von Eljero Elia und die Wandlung vom Spieler zum Manager.

SPORT1: Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart?

Bastian Reinhardt: Es war ein echtes Spitzenspiel, die Stimmung im Stadion war überragend. Das Spiel war dramatisch und mit dem besseren Ende für uns. Einen schöneren Start gibt es eigentlich nicht.

SPORT1: St. Pauli steht aber vor dem HSV. Ärgert Sie das ein bisschen?

Reinhardt: Ach Gott. Das ist der erste Spieltag und ich habe schon so viele Sachen erlebt. Ich bin mit Bielefeld mal aufgestiegen und war nach dem ersten Spieltag Tabellenführer und wir sind abgestiegen. Es ist wirklich alles möglich. Ich gehe davon aus sich das über die Saison gesehen auch wieder einordnen wird.

SPORT1: Welches Potenzial hat der Kader?

Reinhardt: Wir sind auf den Positionen gut besetzt und haben mit den Neuverpflichtungen einen gesunden Konkurrenzkampf geschaffen. Es kann natürlich sein, dass der eine oder andere Leistungsträger der letzten Saison sich auf einmal auf der Bank wiederfindet, weil einer hinter ihm einen besseren Eindruck gemacht hat. Letzten Endes bringt das die Mannschaft weiter.

SPORT1: Gab es ernsthafte Überlegungen Eljero Elia an Juventus Turin abzugeben?

Reinhardt: Wir sind natürlich auch an wirtschaftliche Zwänge gebunden. Es gab schon mal ernsthafte Überlegungen, aber wir wollen sportlich erfolgreich sein. Da muss man immer abwägen. Elia ist ein Spieler, der nicht nur Klasse, sondern Extra-Klasse hat. Die Vereine bieten nicht umsonst so viel Geld. Wir sind froh, dass er bei uns ist und hoffen auf eine gute Saison für ihn.

SPORT1: Ist es ein Vorteil, dass die Mannschaft in dieser Saison keine Doppelbelastung mit dem Europapokal hat?

Reinhardt: Ich hoffe, dass es sich als Vorteil herausstellt. Wir kennen es aus den letzten Jahren nur so, dass wir ständig unterwegs waren und das nächste Spiel wieder vor der Tür stand. Aber du weißt erst hinterher, ob es ein Vorteil war. Ich hätte große Sorgen, wenn die Spieler, die von der WM gekommen sind und keine gute Vorbereitung machen konnten, noch Europapokal spielen müssten.

SPORT1: Warum?

Reinhardt: Wir haben die Erfahrung 2006 gemacht. Da hatten wir auch englische Wochen und sind sogar in die Champions League gekommen, was für Hamburg großartig waren. Am Ende haben wir uns auf dem letzten Tabellenplatz wiedergefunden. Diesem Drahtseilakt gehen wir in dieser Saison aus dem Weg.

SPORT1: Wie läuft es persönlich im Job, klappt die Wandlung vom Spieler zum Manager?

Reinhardt: Es muss ja klappen. Die Einarbeitung geht auch ziemlich schnell. Du hast auch keine Zeit, dir groß Gedanken darüber zu machen, dass du jetzt plötzlich auf der anderen Seite stehst und einen anderen Job machst.

SPORT1: Holen Sie sich in der Anfangszeit irgendwo Rat?

Reinhardt: Natürlich. Das wird auch in Zukunft so sein, dass ich mir Rat hole. Beim HSV gibt es viele Leute, die Erfahrung haben. Ich kenne auch extern genug Leute, wo ich mir einen objektiven Rat geben lassen kann. Das gehört zu dem Job dazu. Ich kann nicht diese Position übernehmen und sagen: Ich kann alles und weiß alles.

SPORT1: Können Sie denn schon gut feilschen?

[kaltura id="0_y3ub2u5s" class="full_size" title="Schulte schockiert"]

Reinhardt: Das lässt sich durchaus noch verbessern, aber ich glaube, ich bin schon ganz gut.

SPORT1: Bernd Hoffmann gilt als dominante Persönlichkeit beim HSV. Wie denken Sie darüber?

Reinhardt: Das ist so ein Bild, das viele haben, die von außerhalb auf den Verein schauen. Ich kann das von meiner täglichen Arbeit nicht bestätigen. Wir haben eine hervorragende Zusammenarbeit. Mir wird auch sehr gerne und bereitwillig das sportliche Feld überlassen. Es ist nicht so, dass Bernd Hoffmann versucht, alles an sich zu ziehen.

SPORT1: Wie hätte die weitere Zukunft ausgesehen, wenn der HSV nicht kurzfristig angerufen hätte?

Reinhardt: Ich wäre trotzdem beim HSV geblieben, nur in einer anderen Funktion. Ich hätte weiter gespielt als Standy-Profi. Geplant war das hauptsächlich in der zweiten Mannschaft. Möglicherweise wäre es dann doch wieder anders gekommen und ich wäre im Kader der Ersten gewesen.

SPORT1: Hat Sie die Absage von Urs Siegenthaler etwas aus dem Konzept gebracht?

Reinhardt: Wir wollten Urs Siegenthaler installieren, damit er sich um den Nachwuchs und das Scouting kümmert. Diesen Bereich müssen wir anders aufstellen und werden das auch schaffen.

SPORT1: Herr Kühne ist beim HSV als Investor aufgetreten und hat sich nun mehrfach kritisch über die Personalpolitik geäußert. Sie haben nun darauf reagiert.

Reinhardt: Richtig. Wir haben mit ihm darüber gesprochen und die richtigen Worte gefinden müssen. Es kann auch nicht in seinem Interesse sein, dass durch die Medien dann Unruhe bei uns einkehrt.

SPORT1: Können Sie die Skepsis bei den Fans ein bisschen nachvollziehen?

Reinhardt: Ja, ich kann das ein Stück weit nachvollziehen. Wenn man sich allerdings die Aussagen genauer anschaut, dann ist herauszuhören, dass es das ist, was wir immer gesagt haben: Dass er sich nicht in das operative Geschäft einmischt und mitbestimmt, wer geholt wird. Und er bestimmt auch nicht, wer verkauft wird. Das ist einzig allein die Sache des Hamburger Sportvereins. Und das bleibt auch so.

SPORT1: Wird in Deutschland vernünftig gewirtschaftet?

Reinhardt: Ich habe jetzt erstmal nur Einblicke in den HSV und kann da sagen, dass vernünftig gewirtschaftet wird. Aber in der Bundesliga wird auch hohes Risiko eingegangen. Nicht so hoch wie in anderen Ligen. Wir sind da etwas konservativer in Deutschland. Das ist auch gut so. Die Bundesliga ist wirtschaftlich stark und steht auf soliden Füßen. In anderen Ländern sieht es doch ein bisschen anderes aus.

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