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Marco Kurz war als Spieler u.a. für Nürnberg, Schalke und 1860 München aktiv © getty

FCK-Coach Marco Kurz spricht bei SPORT1 über den Hit gegen den FCB, das Saisonziel mit dem FCK und die Perspektiven für die Zukunft.

Von Matthias Becker

München/Kaiserslautern - Früher war es eins der brisantesten Duell der Bundesliga.

Und wenn der 1. FC Kaiserslautern am Abend (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) den FC Bayern empfängt, will der Aufsteiger den deutschen Rekordmeister wie einst ein Bein stellen.

"In einer Partie ist alles möglich. Gerade in einem Heimspiel kann man gegen jeden gewinnen", sagt FCK-Trainer Marco Kurz im SPORT1-Interview.

"Wir haben großen Respekt vor der Leistung der Bayern, aber wir werden alles dafür tun, um erfolgreich zu sein", betont der ehemalige Spieler und Trainer des TSV 1860 München.

Bei SPORT1 spricht Marco Kurz über den Hit gegen den FCB, das Saisonziel mit dem FCK und die Perspektiven für die Zukunft.

SPORT1: Ihre Mannschaft verfügt nicht gerade über viel Bundesliga-Erfahrung. Erleichtert Ihnen der Sieg zum Saisonstart in Köln die Arbeit?

Marco Kurz: Die Mannschaft muss in diesem Jahr ihre Bundesliga-Tauglichkeit nachweisen - da hilft jeder Sieg, um das Selbstvertrauen zu steigern. Der Erfolg gibt zwar Sicherheit, aber der Reifeprozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Spieler werden einige Spiele brauchen, um sich die für die Bundesliga benötigte Qualität anzueignen.

SPORT1: Der 1. FC Kaiserslautern wird von seinen Fans sehr leidenschaftlich unterstützt. Ist es Ihnen durch den Sieg gelungen, die Aufstiegseuphorie mitzunehmen?

Kurz: Natürlich spüren wir die Euphorie im Umfeld. Der Sieg war wichtig, weil wir gezeigt haben, dass der FCK in der Bundesliga angekommen ist.

SPORT1: Nun kommen die Bayern. Ist das Spiel für Sie etwas Besonderes oder nur eins von 34 Bundesliga-Spielen? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kurz: Für mich als Trainer ist es natürlich nur ein normales Spiel. Die Konstellation, als Aufsteiger im ersten Pflichtheimspiel der Saison den Meister zu empfangen, ist aber schon etwas Besonderes. Wir wollen uns vor heimischem Publikum so teuer wie möglich verkaufen.

SPORT1: Der FC Bayern galt in Kaiserslautern lange als so etwas wie das Feindbild. Zusätzlich haben Sie für 1860 München gespielt. Kitzelt sie das Aufeinandertreffen mit den Bayern besonders?

Kurz: Für mich waren die Bayern nie ein Feindbild, sondern immer ein Riesen-Ansporn. Zu Münchener Zeit gab es das Derby, aber da war eine gesunde Rivalität und niemals Feindschaft. Wir haben großen Respekt vor der Leistung des Vereins, der auch das Aushängeschild des deutschen Fußballs ist. Wir werden aber alles dafür tun, um erfolgreich zu sein.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Chancen gegen die Bayern ein? Im ersten Spiel gegen Wolfsburg haben sie auch Schwächen gezeigt. (241095DIASHOW: Die Planspiele des FC Bayern)

Kurz: In einer Partie ist alles möglich. Gerade in einem Heimspiel kann man gegen jeden gewinnen. Wir werden sicher nicht dominant auftreten können, aber es werden sich Möglichkeiten ergeben. In so einem Spiel muss dann alles zusammenpassen, eine tolle eigene Leistung und die Unterstützung der Zuschauer.

SPORT1: Der Betzenberg ist berühmt für die Flutlichtatmosphäre. Sie konnten das in der Zweiten Liga schon erleben. Ist ein Freitagsspiel gegen die Bayern aber noch mal anders?

Kurz: Natürlich ist das etwas anders. Die Spieler merken auch anhand ihrer Anspannung, dass die Bundesliga für sie Neuland ist. Mit Bayern kommt der Champions-League-Finalist. Außerdem liegt es ganz lange zurück, dass man hier die Bayern als Gegner in einem Pflichtspiel begrüßen konnte. Deshalb ist es eine große Geschichte.

SPORT1: Geht es für den FCK nur um den Klassenerhalt, oder wäre mit der Euphorie im Rücken auch das "Modell Mainz" aus der Vorsaison möglich: Schnell viele Punkte holen und ein ruhiges Jahr erleben?

Kurz: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Für die Gesamtsaison kann das Ziel nur der Klassenerhalt sein, alles andere wäre vermessen. Wenn wir es früher als am letzten Spieltag erreichen, werden wir uns nicht dagegen wehren. Wenn wir am Ende sagen können, der FCK spielt auch kommende Saison in der Bundesliga, dann haben wir einen guten Job gemacht.

SPORT1: War es für den FCK vielleicht sogar ein Vorteil, etwas länger in der Zweiten Liga zu bleiben, um den Neuaufbau mit jungen, nicht so teuren, Spielern durchzuziehen?

Kurz: Es ist nie gut, lange in der Zweiten Liga zu spielen. Für einen Verein der finanziell angeschlagen ist ? und das war und ist der FCK ? sind die Vermarktungsmöglichkeiten in der Bundesliga viel besser. Der Zeitpunkt des Aufstiegs kann gar nicht früh genug sein. Um den Verein wirklich zu gesunden, brauchen wir zwei bis drei Jahre Bundesligazugehörigkeit am Stück. Das ist für uns im sportlichen Bereich die Aufgabe.

SPORT1: Ist es für Sie persönlich eine Genugtuung, mit dem FCK den Sprung in die Bundesliga geschafft zu haben? Bei 1860 hat es ja nicht geklappt.

Kurz: Nein, Genugtuung ist der falsche Ansatz, die gibt es nicht. Es gibt nur Erklärungen dafür, wenn etwas funktioniert oder nicht. Der Erfolg ist die Bestätigung der Arbeit im gesamten Trainerteam, im gesamten Umfeld. Da wurde letztes Jahr wirklich sehr konzentriert auf ein Ziel hingearbeitet. Für die Spieler, aber auch für mich, gilt es jetzt den Nachweis zu erbringen, die Tauglichkeit für die Bundesliga zu besitzen.

SPORT1: Können Sie sich vorstellen, langfristig beim FCK zu arbeiten?

Kurz: Wenn der Erfolg da ist, ist auch die Wahrscheinlichkeit der längeren Zusammenarbeit gegeben. In diesem Geschäft ist es aber falsch, ganz langfristig zu denken. Man kann Weichen stellen, aber der sportliche Erfolg muss da sein, um den Weg weiterzugehen. Das ist das Ziel, aber ich konzentriere mich nur auf kurzfristigere Ziele.

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