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Thomas Müller war nach seiner vergebenen Großchance frustriert © getty

Bei Kaiserslauterns 2:0-Erfolg offenbart Bayerns Abwehr eklatante Schwächen. Zum Sündenbock wird aber der WM-Held.

Von Martin van de Flierdt

München ? Natürlich hätte es auch anders laufen können.

Hätte Thomas Müller den Ball in der 24. Minute freistehend vor Kaiserslauterns Torhüter Tobias Sippel im Tor des Aufsteigers untergebracht, dann wäre die Aufgabe der Pfälzer im ersten Heimspiel nach dem Wiederaufstieg eher nicht zu lösen gewesen.

Doch Bayern Münchens sonst so eiskalter Vorjahresaufsteiger verfehlte das Gehäuse haarscharf.

Das wog umso schwerer, als mit Ivica Olic und Miroslav Klose gleich zwei Mitspieler mitgelaufen waren, die den Ball bei einem Querpass Müllers mit Leichtigkeit im leeren Tor hätten unterbringen können.

"Wir standen mit drei Mann gegen einen", tadelte Trainer Louis van Gaal nach der ersten Münchner Niederlage (0:2) seit März Spiel bei "Sky". "Das muss ein Tor sein. Es sind zwei Spieler daneben, das muss er sehen. Wir sind bei Bayern München, und da muss man Orientierung haben."

Ähnlich hart war der Niederländer mit seinem Lieblingsschüler öffentlich bislang noch nicht ins Gericht gegangen. Der hatte anstelle von Toni Kroos zentral im offensiven Mittelfeld spielen dürfen, während Olic die Rechtsaußenposition besetzte und Kroos auf die Bank verdrängte.

Die vergebene Großchance hielt die engagierten Lauterer im Spiel. Als sie spürten, dass die Münchner an diesem Abend verwundbar waren, ließen sie sich nicht zweimal bitten.

Lahm zweimal ausgespielt

Adam Nemec düpierte Philipp Lahm bei einem Querpass an der Strafraumgrenze mit einer Körpertäuschung, Ivo Ilicevic zirkelte den Ball in seinem Rücken aus 17 Metern traumhaft zum 1:0 in den rechten oberen Torwinkel (36.).

Nur 66 Sekunden später legte der FCK dem geschockten Rekordmeister gleich das zweite Ei ins Nest. Ilicevic nahm einen langen Diagonalpass geschmeidig herunter und passte den Ball an Lahm vorbei in die Strafraummitte.

Dort rutschte er unter der Fußsohle Holger Badstubers durch zur Srdjan Lakic, der aus zehn Metern kühl einschob (37.). "Wir waren eiskalt vor dem Tor", meinte Kaiserslauterns Neuzugang Christian Tiffert nach dem zweiten Sieg im zweiten Saisonspiel. "Das war der Schlüssel." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Abwehr sieht nicht gut aus

Die unglückliche Figur, die die Münchner Hintermannschaft nicht nur, aber ganz besonders in diesen beiden Szenen abgab, warf die Frage auf, ob sich van Gaal wirklich leisten kann, einen international gestandenen Innenverteidiger wie Martin Demichelis trotz dessen Hang zu gelegentlichen Flüchtigkeitsfehlern völlig außen vor zu lassen.

[kaltura id="0_5ie6ay0z" class="full_size" title="Fans contra Demichelis"]

"Er ist ein Risiko, auch auf der Bank", hatte der Niederländer am Donnerstag begründet, warum er Demichelis nicht mit in die Pfalz nahm. "Er könnte eingewechselt werden." Ein viel größerer Risikofaktor als die aufgebotenen Abwehrspieler hätte aber auch Demichelis im Fritz-Walter-Stadion nicht sein können.

Insgesamt spielten die Münchner nach eigener Ansicht "eigentlich ganz gut, deshalb ist das Ergebnis komisch", wie Kapitän Mark van Bommel befand.

Bayerns seltene Torflaute

"Wenn wir fitter gewesen wären", verwies van Gaal auf die schwierige Vorbereitung seines WM-gestressten Kaders, "dann wären wir im 16-Meter-Raum schärfer gewesen." Waren sie aber nicht. So blieben die Münchner erstmals seit elf Monaten ohne eigenen Treffer.

Doch das lag nicht nur an eigenen Unzulänglichkeiten, sondern am hingebungsvollen und entschlossenen Auftritt des Gegners. "In einer Partie ist alles möglich", hatte FCK-Coach Marco Kurz vor der Begegnung im SPORT1-Interview gesagt. "Dafür muss aber vieles passen."

Am Freitagabend passte das meiste. Aus der geschlossen starken Mannschaft ragten neben den Offensivkräften Ilicevic und Lakic der schier unüberwindliche Innenverteidiger Rodnei sowie Rechtsverteidiger Florian Dick heraus, der Franck Ribery aus dem Spiel nahm und sogar noch Akzente nach vorne setzte.

Ilicevic sieht Gelb-Rot

Für Ilicevic nahm das Spiel ein verfrühtes Ende. Bereits verwarnt rutschte er im Laufduell mit Lahm weg und brachte den deutschen WM-Kapitän damit um eine gute Chance zur Flanke (90.+2). "Das war eine blöde Situation", meinte der ehemalige Fürther und Bochumer. "Die erste Gelbe Karte war unnötig, die zweite unglücklich."

An der Hochstimmung in der Pfalz änderte der Platzverweis wenig. "Es ist ein Wahnsinnsgeschenk, hier mit unseren Fans den Deutschen Meister zu schlagen", jubelte Kurz. "Heute haben das Herz und der Wille gewonnen."

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