vergrößernverkleinern
Diego traf beim Debüt im Wolfsburger-Trikot zum zwischenzeitlichen 3:0 © getty

VfL-Trainer Steve McClaren sieht nach dem historischen Debakel gegen Mainz schon ein Charakterproblem. Misimovic ist wohl weg.

Von Matthias Becker

München/Wolfsburg - Diego hat trotz seiner erst 25 Jahre auf dem Fußballplatz schon viel erlebt, denn er hat lange Zeit im Trikot von Werder Bremen gespielt.

Die Achterbahnfahrten der Bremer sind nicht erst seit dem Champions-League-Krimi in Genua bekannt, auch Diego hat einige mitgemacht.

Ähnliches wie bei seinem Debüt im Trikot des neuen Arbeitgebers VfL Wolfsburg hat der Brasilianer aber noch nicht einmal im Werder-Dress erlebt.

3:0 führte der VfL gegen den FSV Mainz 05 bereits ? am Ende stand es 3:4 und die Punkte gingen an die Gäste. 280213(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

"So eine verrückte Partie habe ich noch nie miterlebt", sagte Diego entgeistert. Hat er neben der Spielkunst aus seiner Bremer Zeit etwa auch den Hang zum Drama mit nach Niedersachsen gebracht?

Kjaer wieder schwach

Klar ist jedenfalls, dass der VfL trotz einer soliden und zwischenzeitlich kunstvollen Premiere seines neuen Hoffnungsträgers immer noch ohne Punkte dasteht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und die Gründe dafür lagen nicht in der Offensive, wo Diego, Kapitän Edin Dzeko und Neuzugang Mario Mandzukic andeuteten, dass die "Wölfe wieder außergewöhnliches leisten können.

Die Probleme liegen in der Abwehrreihe. Hier müssen die Wolfsburger drei Monate auf Nationalspieler Arne Friedrich verzichten. Zwölf-Millionen-Euro-Neuzugang Simon Kjaer agierte erneut schwach und wurde beim Mainzer Siegtreffer von Torschütze Adam Szalai vorgeführt wie ein Anfänger.

McClaren sieht "charakterliche Probleme"

Die Parallelen zu Diegos Ex-Klub Bremen sind augenscheinlich, die Hochstimmung der Verantwortlichen nach dem Transfer-Coup erstmal verflogen.

"Ich bin seit 35 Jahren im Profifußball und ich habe noch nie ein Spiel nach einer 3:0-Führung verloren. Das muss ich erst mal schlucken", sagte Manager Dieter Hoeneß.

[kaltura id="0_0zj7fvz2" class="full_size" title=" Ein bizarres Spiel "]

Und Coach Steve McClaren ging sogar schon ins Grundsätzliche:

"Das war eine 'Dr. Jekyll und Mr. Hyde'-Vorstellung von uns. Wir haben wieder zwei Gesichter gezeigt. Wenn man nach einer 3:0-Führung noch verliert, dann sind mentale und charakterliche Probleme offensichtlich", erklärte der Engländer.

Misimovic wohl schon weg

Auf einen Teil der im VfL-Kader vorhandenen Qualität verzichtete McClaren von vorneherein. Zvjezdan Misimovic stand noch nicht einmal im Kader.

Das hatte offensichtlich aber auch seinen Grund. Wie die türkische Sportzeitung "Fanatik" berichtet, hat der Spielgestalter der Niedersachsen bereits einen Vertrag bei Galatasaray Istanbul unterschrieben. 209112(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Dort soll der Bosnier vier Jahre bleiben und pro Jahr drei Millionen Euro verdienen. Wolfsburg kassiert dem Bericht zufolge acht Millionen Euro Ablöse.

Bis Dienstag bleibt Dieter Hoeneß noch Zeit, dieses Geld vielleicht noch in weitere Neuzugänge zu investieren, damit sich ein spätes Debakel wie gegen Mainz nicht noch mal wiederholt.

Historische Leistung der Mainzer

Mit Summen wie der VfL hantieren die Gäste vom Rhein nicht. Die 15 Millionen Euro, die Wolfsburg für Diego bezahlt hat, entsprechen ziemlich exakt dem Lizenzspieler-Etat der 05er aus der Vorsaison.

Den Nachweis, dass nicht nur die Finanzkraft sondern auch die Moral über Sieg oder Niederlage entscheiden kann, erbrachten die Mainzer in Wolfsburg nicht zum ersten Mal.

Nach dem bärenstarken Auftritt zum Saisonauftakt gegen Stuttgart raffte sich das Team von Thomas Tuchel nach einer schwachen ersten halben Stunde zu einer historischen Leistung auf.

Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren gewann eine Bundesliga-Mannschaft ein Spiel nach einem 0:3-Rückstand noch. Dieses Kunststück war zuletzt am 31. Mai 1991 Fortuna Düsseldorf gegen den VfL Bochum gelungen.

"Das Geburtstagsgeschenk schlechthin"

"Ich habe gespürt, dass Wolfsburg das sichere Gefühl des Siegers hatte und wusste, dass wir mit einem Tor das Spiel noch kippen könnten", erklärte 05-Coach Tuchel.

Der 36-Jährige wurde angesichts des perfekten Saisonstarts und sechs Punkten aus zwei Spielen fast schon sentimental. Am Sonntag feiert Tuchel Geburtstag und schwärmte:

"Das ist das Geburtstagsgeschenk schlechthin, Trainer von solch einem außergewöhnlichen Team zu sein."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel