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Frust bei Ballack und Co.: Die Pleite gegen Gladbach muss erstmal verdaut werden © imago

Es ist ein historisches Spiel: Freche Gladbacher schenken Leverkusen sechs Tore ein. Danach herrscht Frust unterm Bayer-Kreuz.

Von Daniel Rathjen

Leverkusen/München - Der Frust war ihm deutlich anzusehen.

Jupp Heynckes wirkte unruhig und aufgewühlt auf der Pressekonferenz nach dem 3:6 (1:3)-Debakel gegen Borussia Mönchengladbach.

Seine Blicke wanderten hektisch hin und her und fanden nirgendwo im Raum Halt.

Dem Trainer von Bayer Leverkusen hatte die bittere Niederlage arg zugesetzt. Ausgerechnet sein Ex-Klub hatte sie dem 65-Jährigen zugefügt.

(280213DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Es war die höchste Heimschlappe für die Leverkusener seit mehr als 26 Jahren und dem 1:5 gegen Bayern München. Erstmals kassierte Bayer sechs Gegentore in einem Bundesliga-Heimspiel (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

In Heynckes brodelte es, bei seiner Kritik nahm er kein Blatt vor den Mund.

Er lobte zunächst anständig den Gegner, stellte dann aber auch klar: "Wir haben die Gladbacher zur Party eingeladen."

"Die gesamte Mannschaft hat bei der Defensivorganisation gepatzt. Ich bin enttäuscht und überrascht", sagte der Coach weiter.

Zu schwach für den Titel?

Seine Erkenntnis hallte wie ein Donnerschlag: "Titel holt man mit einer geordneten Defensive, die hatten wir nicht."

Die ambitionierte Werkself - ist sie zu schwach für die Meisterschaft?

Sportchef Rudi Völler gab zu bedenken: "Vielleicht sind wir ein bisschen zu viel gelobt worden. Gladbach hat uns bestraft."

Er sei sich aber sicher, dass sein Team gestärkt aus der nun anstehenden Länderspielpause gehen werde.

Auch die Bayer-Profis waren geknickt: "Die Defensive war katastrophal. Wir sind zurück auf dem Boden der Tatsachen", sagte Nationalkeeper Rene Adler.

Enttäuschung bei Ballack

Ein enttäuschender Nachmittag war es auch für Michael Ballack, der sein Bundesliga-Heim-Comeback feierte. In der 63. Minute wurde der Mittelfeldspieler von Heynckes gegen Lars Bender ausgewechselt.

"Balle", der von Bundestrainer Joachim Löw wegen mangelnder Fitness nicht für die EM-Qualifikationsspiele gegen Belgien und Aserbaidschan nominiert worden war, blieb meist blass.

"Ihm fehlt noch die hundertprozentige Fitness, er hängt noch hinterher", beobachtete Völler. Heynckes hielt sich mit Kritik zurück, bemerkte aber vielsagend: "Für mich war es die richtige Entscheidung, ihn nach einer Stunde rauszunehmen."

"Das war eine Lehrstunde"

Aber auch Ballacks Kollegen bekleckerten sich nicht mit Ruhm. Disziplin und mannschaftliche Harmonie suchte man auf Seiten der Gastgeber vergeblich.

"Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht. Wir haben als Mannschaft nicht so funktioniert, das ist einfach schade", meinte Bayer-Torjäger Stefan Kießling.

Und Abwehrchef Sami Hyypiä, der seinen Vertrag am Spieltag vorzeitig bis 2012 verlängert hatte, ergänzte: "Das war eine Lehrstunde für uns."

Vor Wochenfrist hatte Bayer noch bei Borussia Dortmund mit 2:0 gewonnen, sogar der Sprung an die Tabellenspitze lag gegen die Gladbacher im Bereich des Möglichen.

Doch der fünfmalige Champion von Niederrhein war diesmal eine Nummer zu groß.

Euphorie in Gladbach

"Das haben wir nicht in den kühnsten Träumen erwartet. Das war für unsere Verhältnisse ein perfektes Auswärtsspiel. Wir haben zwei Wochen Zeit, jetzt wird gefeiert", sagte Gladbach-Trainer Michael Frontzeck.

Für Gladbach war es der erste Saisonsieg und der erste Erfolg in Leverkusen seit dem 5. März 1994.

Matchwinner der Gäste beim spektakulären Torfestival war der erst 19-jährige Patrick Herrmann mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack (20. und 44.).

Zudem trafen der torgefährliche Abwehrspieler Roel Brouwers, Juan Arango, Mohamadou Idrissou und Marco Reus für die starke Borussia.

Für Leverkusen hatte Eren Derdiyok den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich erzielt, Arturo Vidal verwandelte zudem in einem temporeichen Spiel einen Foulelfmeter. Nationalspieler Stefan Kießling traf zum 3:6.

"Wir müssen das Spiel nun aufarbeiten und analysieren", richtete Heynckes seinen Blick nach vorne. Er wirkte leicht desillusioniert.

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