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Stuttgarts Christian Gentner (l.) und Cristian Molinaro haben die ersten beiden Spiele verloren © imago

Nach Stuttgarts Pleite gegen den BVB ist der Fehlstart perfekt. Bobic setzt nun auf Camoranesi. Klopp sieht "geilen Fußball."

Von Christian Stüwe

München - Als das Spiel gegen Dortmund vorbei und der Fehlstart des VfB Stuttgart perfekt war, schlichen die Spieler wie geprügelte Hunde mit hängenden Köpfen vom Platz.

Die erste Halbzeit hatten die Schwaben komplett verschlafen. Keine Einstellung, keine Ordnung - "blutleer" wie es VfB-Sportdirektor Fredi Bobic nach der 1:3-Niederlage auf den Punkt brachte.

Doch als sich die Blicke der Spieler noch auf den Rasen der Mercedes-Benz-Arena richteten, schaute Bobic schon wieder nach von.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Denn der 38-Jährige hat nach SPORT1-Informationen den italienschen 2006er Weltmeisters Mauro Camoranesi von Juventus Turin verpflichtet.

"Wir wollen uns auf jeden Fall noch auf einer Position verstärken, und zwar auf der rechten Außenbahn im Mittelfeld", erklärte Bobic unmittelbar nach Spielschluss.

Angesprochen auf die Spekulationen um Camoranesi wurde der Sportdirektor dann noch konkreter. "Es sieht sehr gut aus."

VfB fehlt die Kompaktheit

Und offenbar schätzen die Verantwortlichen des Europa-League-Teilnehmer nach zwei Niederlagen in der Liga und den Zitterauftritten gegen Slovan Bratislava die Lage als so ernst ein, dass sie auch noch an weitere Verstärkungen denken.

"Wir haben noch andere Optionen, jedoch wollen wir mindestens einen Spieler holen, maximal zwei", verriet Bobic: "Beim Zweiten wird es wahrscheinlich an den Finanzen scheitern."

Neue Spieler hat der VfB allerdings auch dringend nötig. Der Abgang von Sami Khedira hat ein klaffendes Loch hinterlassen. Die Dortmunder hatten in der ersten Hälfte leichtes Spiel, die VfB-Defensive glich teilweise einem Hühnerhaufen.

"Wir müssen uns wieder zurückbesinnen, kompakt zu stehen, damit wir aus der Situation wieder herauskommen", sagte Trainer Christian Gross.

Verletzte werden schmerzlich vermisst

Neben Khedira machten sich allerdings auch die Verletzungssorgen der Stuttgarter negativ bemerkbar. Philipp Degen, Johan Audel, Stefano Celozzi und vor allem Mathieu Delpierre wurden schmerzlich vermisst.

Auf Delpierres Position in der Innenverteidigung erwischte der junge Georg Niedermeier einen rabenschwarzen Tag und verschuldete zwei Gegentore, bevor ihn Gross zur Halbzeit auswechselte.

"Natürlich waren wir in der Formation nicht eingespielt, aber in dieser Formation werden wir vielleicht nicht mehr auftreten", sagte Gross.

Klopp: "Das war geiler Fußball"

BVB-Coach Jürgen Klopp konnte von dem Auftritt seiner Mannschaft hingegen gar nicht genug bekommen.

"Das war geiler Fußball", jubelte er: "Ein Sieg in Stuttgart ist ein richtiges Brett."

Klopp wähnt sein junges Team, indem der 18-jährige Mario Götze sein erstes Bundesligator erzielte, auf dem richtigen Weg.

"Ich habe den Spielern gesagt, dass zusätzlich zu dem unangenehmen Gegner, der sie in der letzten Saison immer waren, sie auch frechen Fußball spielen sollen", sagte der Trainer.

"Die echte Sensation war aber, dass wir den VfB, der auch guten Fußball spielen kann, über sechzig Minuten nicht ins Spiel haben kommen lassen", erklärte Klopp.

Mangelnde Einstellung beim VfB

Allerdings forderten die Stuttgarter die BVB-Youngster auch nicht sonderlich. In der zweiten Halbzeit steigerte sich der Gastgeber zwar, aber mehr als der Ehrentreffer durch Cacau war nicht drin.

"Nicht nur das Tor kam zu spät, sondern auch unser Kampfgeist. Wir haben Qualität in der Mannschaft, aber wir müssen besser eingestellt sein", bemerkte der Stuttgarter Kapitän selbstkritisch.

"Es passt noch nicht alles bei uns in der Abstimmung und was die Kommunikation angeht", schlug Christian Gentner in die gleiche Kerbe:

"Wir bekommen zu viele Gegentore, da muss die komplette Mannschaft im Defensivverhalten besser arbeiten."

Gentner räumte ein, dass man nun von "einem Fehlstart sprechen" müsse. Und das ist nichts Neues in Stuttgart.

Hoffnungsträger mit langen Haaren

Die schwachen Starts scheinen fast schon zur Tradition zu werden.

In den vergangenen beiden Spielzeiten spielten die Schwaben eine schwache Hinrunde.

Diese Durchhänger wurde zunächst Armin Veh und dann Markus Babbel zum Verhängnis.

Nach den Trainerentlassungen starteten die Stuttgarter dann jeweils bemerkenswerte Aufholjagden, die sie noch auf internationale Plätze führten.

Doch Bobic will diesmal erst gar keine Trainerdiskussion aufkommen lassen. Die Wende soll möglichst schnell geschafft werden.

Deshalb will er bald einen neuen Hoffnungsträger präsentieren.

Einen, der im Gegensatz zum Trainer die Haare lang trägt und noch bei Juventus Turin unter Vertrag steht.

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